Würzburg

Kritische Lage in Unterfranken: Corona in 29 Altenheimen

Mehr als die Hälfte der 238 Corona-Toten in Unterfranken waren Bewohner von Altenheimen. Aber auch jüngere Menschen werden in Kliniken der Region behandelt. Ein Überblick.
Der Sicherheit von Seniorenheimen gilt in Corona-Zeiten besondere Aufmerksamkeit. Dennoch sind auch in Unterfranken aktuell 29 Heime von Infektionen betroffen.
Foto: SymbolSebastian Kahnert, dpa | Der Sicherheit von Seniorenheimen gilt in Corona-Zeiten besondere Aufmerksamkeit. Dennoch sind auch in Unterfranken aktuell 29 Heime von Infektionen betroffen.

Der Teil-Lockdown wirkt nur langsam. Die Corona-Infektionszahlen in der Region stabilisieren sich etwas, sie bewegen sich aber weiter auf hohem Niveau. 123,2 beträgt die Sieben-Tages-Inzidenz im Regierungsbezirk Unterfranken, die Stadt Schweinfurt weist mit 200,3 Infektionen pro 100 000 Einwohner weiterhin den höchsten Wert auf, der Landkreis Schweinfurt folgt mit 168,1. Bad Kissingen dagegen steht mit einer Inzidenz von 69,7 nach wie vor – relativ gesehen – am Besten in der Region da, in Bayern zählt nur der Kreis Kulmbach weniger Ansteckungen.

20 Corona-Tote innerhalb von zwei Tagen

Sorge bereitet der aktuelle Anstieg an Todesfällen. Binnen zwei Tagen registrierte das Landesamt für Gesundheit in Unterfranken 20 weitere Corona-Tote, insgesamt sind seit März 238 Menschen an dem Virus gestorben. Laut einer Statistik der Regierung von Unterfranken waren mehr als die Hälfte der Todesopfer, nämlich 129, Bewohner von Altenheimen. Aktuell betroffen sind vor allem zwei Einrichtungen in Ochsenfurt (Lkr. Würzburg) und in Großwallstadt (Lkr. Miltenberg). Dort starben bis Mittwoch jeweils sieben infizierte Senioren. Laut Landrat Jens Marco Scherf wurden in dem Heim in Großwallstadt von 39 Bewohnern 37 Corona-positiv getestet, außerdem zwölf von 34 Mitarbeitern. Inwieweit Hygienemängel für den Ausbruch verantwortlich sind, darüber wollte der Landrat nicht spekulieren. Aktuell liefen noch entsprechende Untersuchungen. Der Fall zeige allerdings, "dass wir gar nicht vorsichtig genug sein können". 

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Auch im Kreis Main-Spessart meldete das Gesundheitsamt am Mittwoch Corona-Ausbrüche in drei Senioreneinrichtungen. Unterfrankenweit sind aktuell 158 Bewohner und 87 Mitarbeiter von insgesamt 29 Alten- und Pflegeheimen infiziert. Dazu kommen laut Bezirksregierung noch 16 Bewohner und vier Mitarbeiter von Behinderteneinrichtungen. Wohnbereiche mit Personen, die Symptome zeigen, versucht man überall zu isolieren. Dort gelten in der Regel Besuchsverbote.

Wegen Corona-Infektionen steht zudem die Ankereinrichtung für Asylbewerber in Geldersheim (Lkr. Schweinfurt) mit 700 Bewohnern ebenso unter Quarantäne wie drei von 41 Gemeinschaftsunterkünften mit 445 Bewohnern in Würzburg, Ochsenfurt und Mellrichstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld). Infiziert haben sich insgesamt 16 Asylbewerber. 

25-Jähriger auf der Intensivstation

Dass längst nicht nur ältere Menschen mit mutmaßlich vielen Vorerkrankungen schwer an Corona erkranken können, zeigt derweil eine Meldung des Uni-Klinikums in Würzburg. Dort lag am Mittwoch neben knapp einem Dutzend älterer Patienten auch ein 25-jähriger Infizierter auf der Intensivstation. Die Krankenhäuser in der Umgebung verzeichnen einzelne Frauen und Männer, die wegen Corona behandelt werden. Noch aber ließen sich die Pandemie-Auswirkungen im Alltag gut bewältigen, heißt es etwa bei der Klinik Kitzinger Land.

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Ein Hauptanliegen der Politik in diesen Tagen ist es, trotz der steigenden Infektionszahlen den Betrieb von Kindertageseinrichtungen und Schulen zu gewährleisten. Einfach ist das nicht, wie auch hier ein Blick auf die Zahlen der Regierung von Unterfranken zeigt. 23 von insgesamt 946 Kindergärten und -krippen sind derzeit ganz oder teilweise wegen Corona geschlossen. Infiziert sind 53 Kinder und 70 Beschäftigte. Dies hat für weitere 602 Kinder und 115 Mitarbeiter Quarantäne zur Folge.

Schulunterricht mit Maske ist mittlerweile zur Regel geworden.
Foto: SymbolGregor Fischer, dpa | Schulunterricht mit Maske ist mittlerweile zur Regel geworden.

Von den über 150 000 Schülern in Unterfranken sind 275 infiziert, weitere 3254 stehen unter Quarantäne, 110 sind wegen Attesten vom Schulbesuch befreit. "Die sind rechnerisch weniger als 2,5 Prozent", so Sprecher Johannes Hardenacke. Bei den Lehrern liege der Corona-bedingte Ausfall bei knapp zwei Prozent. Von 16 636 Pädagogen sind 41 infiziert und zusätzlich 171 in Quarantäne. 111 sind wegen Corona-Attesten vom "unmittelbaren Präsenzunterricht" befreit. Dazu kämen aktuell aber noch 5,6 Prozent Lehrerausfälle wegen anderer Erkrankungen oder Schwangerschaft. Das bedeutet insgesamt: In 117 von insgesamt knapp 7000 Klassen an 649 Schulen zwischen Rhön und Spessart, Steigerwald und Untermain, findet derzeit kein Präsenzunterricht statt, sie stehen unter Quarantäne.

Mitarbeiterin des Gesundheitsamts infiziert

Extrem angespannt ist derweil die Lage bei den meisten Gesundheitsämtern. Vielfach kommt man mit der persönlichen Ansprache positiv getesteter Menschen nicht mehr nach. Sie sollten sich automatisch in Quarantäne begeben, appelliert man etwa beim Gesundheitsamt in Miltenberg an die Eigenverantwortung. In Rhön-Grabfeld hat sich derweil sogar eine Mitarbeiterin des Amts infiziert. Man bleibe aber "voll funktionsfähig", sagt Landrat Thomas Habermann.  

(mit Informationen aus unseren Lokalredaktionen)

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