Würzburg

Landrat Eberth: Wasserschutzgebiet und Deponie sind vereinbar

Die umstrittene Veränderungssperre ist vom Tisch. Das geplante 66 Quadratkilometer große Trinkwasserschutzgebiet bei Würzburg aber nicht. Auch die Bauschutt-Deponie soll kommen.
Große Unruhe herrscht seit Jahresbeginn in vielen Gemeinden im westlichen Landkreis Würzburg. Der Grund: Mit einer dreijährigen Veränderungssperre wollte das Würzburger Umweltamt ein 66 Quadratkilometer großes Gebiet belegen, das als Trinkwasserschutzgebiet ausgewiesen werden soll.
Foto: Patty Varasano | Große Unruhe herrscht seit Jahresbeginn in vielen Gemeinden im westlichen Landkreis Würzburg. Der Grund: Mit einer dreijährigen Veränderungssperre wollte das Würzburger Umweltamt ein 66 Quadratkilometer großes Gebiet ...

Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben: Sieht so die Lösung aus? In dem Konflikt um das geplante 66 Quadratkilometer große Trinkwasserschutzgebiet westlich von Würzburg bahnt sich ein Kompromiss an. Laut Landrat Thomas Eberth (CSU) und der Leiterin des Umweltamts am Landratsamt Würzburg Mara Hellstern ist die umstrittene dreijährige Veränderungssperre für das gesamte Gebiet von Würzburg bis Altertheim jetzt vom Tisch. Vorausgesetzt: Die Regierung von Unterfranken sieht das genauso. Das Wasserschutzgebiet soll aber nach wie vor kommen. Wann, steht noch nicht fest. Ebenso erwünscht ist die geplante Bauschutt-Deponie der Firma Beuerlein in Helmstadt. 

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Was war passiert? Anfang 2021 erreichte viele Landkreisgemeinden ein Schreiben des Landratsamtes Würzburg mit der Aufforderung, innerhalb von vier Wochen Stellung zu nehmen zu einer angedachten Veränderungssperre für das "neu festzusetzende Wasserschutzgebiet Zeller Quellen". Einzige Information: eine Karte des Gebietes, dessen genauer Verlauf nach 30 Jahren hydrogeologischer Untersuchungen und Gutachten nun feststeht. 

Viele Bürgermeister sind verärgert

Bei einer Veränderungssperre wäre zwischen Würzburg und Altertheim für mindestens drei Jahre alles verboten, was der Ausweisung eines Schutzgebietes entgegen steht. Bauvorhaben, die das Grundwasser gefährden könnten, wären erstmal auf Eis gelegt.

Betroffen sind die Landkreisgemeinden Helmstadt, Altertheim, Waldbrunn, Eisingen, Waldbüttelbrunn, Höchberg, Hettstadt, Greußenheim und Zell am Main sowie die Gemeinde Großrinderfeld im Main-Tauber-Kreis. "Man muss ehrlich sagen, wir haben den ein oder anderen Bürgermeister brüskiert. Das wäre in Nicht-Corona-Zeiten anders gelaufen", sagt der Landrat.

Auslöser für die Kurzschlussreaktion: Ende Oktober 2020 kamen beim Umweltamt offenbar Zweifel auf, ob das Vorhaben der Firma Beuerlein in Helmstadt, aller vorigen Gutachten zum Trotz, nicht doch dem Grundwasser schaden könnte. Und mit ihm dem Trinkwasser, auf das rund die Hälfte der 130 000 Einwohner Würzburgs angewiesen ist. Denn die Volkacher Firma will ihre bestehende Tongrube zu einer Deponie der Klasse 1 umwidmen. In diese dürfte dann toxisch belastetes Material hineingefüllt werden. Das Vorhaben muss noch vom Bergamt Nordbayern in Bayreuth genehmigt werden.

Mit der Idee einer Veränderungssperre habe man sich in erster Linie Zeit erkaufen wollen, so der Landrat. Er sagt: "Wir haben einfach noch zwei, drei Monate gebraucht für die Gewissheit, dass beides, Trinkwasserschutzgebiet und Deponie, zusammen geht." Das Wasserwirtschaftsamt habe ein gesondertes Gutachten erstellt. Das Vorhaben sei noch einmal hydrogeologisch und rechtlich überprüft, die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal verschärft worden. Und die Bedenken? Kann das Umweltamt jetzt ausschließen, dass das Trinkwasser von mehr als 65 000 Menschen in und um Würzburg durch die Deponie gefährdet wäre? Ja, sagen Eberth und Hellstern einstimmig.

Deponie: Sicherheitsmaßnahmen werden erhöht

Geschäftsführer Steffen Beuerlein zeigt sich erleichtert: "Ich bin froh, dass sich eine zufriedenstellende Lösung für alle Seiten abzeichnet. Wir erhöhen die Sicherheitsmaßnahmen über die gesetzlichen Anforderungen hinaus." Die Tonschicht, die das Sickerwasser abhalten soll, werde nun doppelt so dick und um den Faktor zehn dichter. Landrat Thomas Eberth sagt: "Ich bin froh, wenn wir einen DK1-Standort im Landkreis bekommen. Wir brauchen ihn dringend für die Altortentwicklung und Sanierung."

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Und das Wasserschutzgebiet, das seit 30 Jahren im Gespräch ist? Ob und wann es kommt, bleibt weiter offen. Das nächste Gespräch am 17. März zwischen Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt und der Trinkwasserversorgung Würzburg soll klären, wo die einzelnen Schutzzonen in dem 66 Quadratkilometer großen Gebiet verlaufen könnten. Anschließend wolle man den betroffenen Gemeinden die Angst nehmen.

"Es kann schon sein, dass Bauen etwas teurer wird", sagt der Landrat und ergänzt: "Doch dafür stellen wir eine perfekte Trinkwasserversorgung regional und sicher zur Verfügung." Dies allen Bürgern, Gemeinden und Firmen noch einmal ins Bewusstsein zu rufen, auch dafür habe man Anfang dieses Jahres "diesen Pflog eingeschlagen". Mitarbeit: Martin Hogger

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war vom "Würzburger Umweltamt" die Rede. Gemeint war das "Umweltamt am Landratsamt Würzburg". Das wurde nun präzisiert.

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