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Leinach: Corona-Leugner verbreiten Flugblätter

Bisher äußerten sich Corona-Leugner vor allem im Netz zu ihren Verschwörungstheorien. Nun aber landeten Flyer mit Falschinfos auch in Briefkästen. Wer dahinter steckt.
Da in Leinach Flyer von Corona-Leugnern in Briefkästen verteilt wurden, startete eine Bürgerin eine Aktion. Mit Plakaten (hier in der Rathausstraße) möchte sie auf die Falschinformationen hinweisen.
Foto: Thomas Obermeier | Da in Leinach Flyer von Corona-Leugnern in Briefkästen verteilt wurden, startete eine Bürgerin eine Aktion. Mit Plakaten (hier in der Rathausstraße) möchte sie auf die Falschinformationen hinweisen.

Auf den ersten Blick sieht es harmlos aus, wirkt wie ein Informationsblatt beim Arzt. Doch beim genaueren Hinsehen fällt auf, dass etwas nicht stimmt. "Positiv ist nicht krank" und "Wenn man zu viel testet, bekommt man zu viele Fehler", ist auf dem Flyer zu lesen. Sowohl in Leinach als auch in Würzburg sind entsprechende Flugblätter schon aufgetaucht, die Ängste innerhalb der Bevölkerung schüren. Informationen zur Corona-Pandemie werden dort gezielt verwirrend, unzusammenhängend und falsch dargestellt. Von wem kommen die Blätter?

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Verfasser ist zentrale Figur der Corona-Proteste

Der Flyer der Corona-Leugner. Um einer weiteren Verteilung entgegen zu wirken, wurden die Inhalte unkenntlich gemacht.
Foto: Main-Post | Der Flyer der Corona-Leugner. Um einer weiteren Verteilung entgegen zu wirken, wurden die Inhalte unkenntlich gemacht.

Im Flugblatt wird behauptet, dass es keinen Anstieg von Corona-Erkrankungen gebe, sondern nur mehr getestet werde. Zudem verlaufe die "zweite Welle" ohne einen Anstieg der Todesfälle. Aufgetaucht sind sie auch in anderen Städten und Gemeinden - und das deutschlandweit. Als Verfasser der Blätter wird Bodo Schiffmann angegeben. Der Arzt sieht sich selbst als "Corona-Aufklärer", veröffentlichte diesbezüglich schon viele Videos. Der Spiegel bezeichnet den Sinsheimer unter anderem als "zentrale Figur der Corona-Proteste".

Auf seinem Youtube-Kanal ruft er seine Zuschauer dazu auf, die Infoblätter aus dem Internet herunterzuladen und anschließend zu verteilen. "Flyer darf man in Briefkästen werfen, da es nämlich keine Werbung ist", sagt er in einem Video. "Medizinische Informationen" nennt er sie stattdessen. 

Bürgerin erstellt Aufklärungs-Plakate

Auch im Briefkasten von Theresa Hartmanns Eltern in Leinach landete ein solches Flugblatt. "Im Internet werden solche Informationen schon lange verbreitet", sagt sie. "Das jedoch noch invasivere Vorgehen hat mich sehr beschäftigt." Sogar so sehr, dass sie die Flyer nicht einfach unkommentiert lassen wollte. "Ich akzeptiere es nicht, wenn gezielt falsche Informationen verbreitet werden." Deshalb erstellte sie eigens ein Plakat, um über die falschen Informationen aufzuklären. Elf Plakate druckte sie aus - sie hängen nun an verschiedenen Informationstafeln in Leinach.

"Ich akzeptiere es nicht, wenn gezielt falsche Informationen verbreitet werden."
Theresa Hartmann hat Aufklärungs-Plakate erstellt

Unterstützt wurde sie dabei von Bürgermeister Arno Mager. "Es ist wichtig, solchen Verharmlosungen entgegenzutreten", sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Er habe vor etwa einer Woche die Meldung bekommen, dass die Flyer in seiner Gemeinde verteilt worden sind. "Nach meinem Kenntnisstand jedoch nur in einem kleinen Bereich im Ort", sagt er. Denn außer Hartmann habe sich kein anderer Bürger wegen der Flugblätter an ihn gewandt.

Das Aufklärungsplakat von Theresa Hartmann.
Foto: Thomas Obermeier | Das Aufklärungsplakat von Theresa Hartmann.

Theresa Hartmann möchte an die Öffentlichkeit appellieren: "Bleiben Sie kritisch! Auch gegenüber solchen Personen, die von sich selbst behaupten, kritisch zu sein." Denn die Verfasser der Flugblätter würden das momentane Infektionsgeschehen verharmlosen und ignorieren.

Deutscher Journalistenverband warnt vor Flyern

Zugleich warnt der Deutsche Journalistenverband (DJV) vor den derzeit massenhaft verteilten Corona-Flyern. "In einem freien Land dürfen natürlich auch Corona-Leugner ihre Meinung sagen", stellt DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall fest. Doch wegen der Lebensgefahr von Covid-19 sollten sich alle Menschen in ihrem eigenen Interesse umfassend informieren – "und das geht nur mit journalistischen Medien".

Der DJV-Vorsitzende weist in dem Zusammenhang auf Fakten hin, die gründlich recherchiert worden seien. Dazu gehörten neben der Zahl der Coronatoten in aller Welt auch die seit Langem bekannten Infektionsrisiken oder Krankheitsverläufe. Es sei menschenverachtend, Fakten zu ignorieren oder so lange zu verdrehen, bis "das eigene Weltbild eine Pseudobestätigung finde." Überall: "Es ist schade um jeden einzelnen, der diesem gefährlichen Unsinn auf den Leim geht." Verhindert werde das nur durch Fakten.

Hilfe statt Hetze

Auf Twitter gibt es eine andere Idee, wie auf die Flugzettel reagiert werden könnte: Unter dem Hashtag "#HilfestattHetze" wird dafür geworben, Geld für Corona-Nothilfe sowie Corona-Forschung beim Deutschen Roten Kreuz oder der Charité zu spenden, wenn Corona-Propaganda im Briefkasten gelandet ist.

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