Würzburg

Lockdown-Folgen: Massive Computernutzung führt zu Augenproblemen

Schule, Arbeit, Sport, Einkauf, Banking: Alles läuft im Lockdown online. Das hat Spätfolgen: für die Augen! Warum laut Ärzten aus der Region besonders Kinder gefährdet sind.
Immer mehr Menschen in Unterfranken suchen wegen Augenproblemen Hilfe bei Optikern und Augenärzten.  Oft sind Augenprobleme auf exzessive Computernutzung im Lockdown zurückzuführen. 
Foto: David Mark | Immer mehr Menschen in Unterfranken suchen wegen Augenproblemen Hilfe bei Optikern und Augenärzten.  Oft sind Augenprobleme auf exzessive Computernutzung im Lockdown zurückzuführen. 

Die Zahl der Menschen, die wegen Augenproblemen Hilfe suchen, ist stark gestiegen und nimmt weiter zu. Das berichten Apotheker, Optiker und Augenärzte aus Unterfranken. "Wir merken, dass mehr Kunden Tröpfchen brauchen für trockenen Augen“, sagt der Würzburger Apotheker Wolfgang Schiedermair. "Immer häufiger beschweren sich Kunden, die wegen einer neuen Brille da sind, auch über tränende oder trockene Augen“, berichtet Augenoptikermeister Claus Keller aus Schweinfurt. "Man sieht die Zunahme in der Praxis. Immer mehr Leute leiden an Entzündungen, die sich aus einer Augentrockenheit entwickeln können“, bestätigt Dr. Dirk Werdermann aus Ochsenfurt, Bezirksvorsitzender im Berufsverband der Augenärzte.

Die Art, wie Schüler, Studenten oder Angestellte gerade arbeiten, ist fürs Auge gefährlich

Den unterfränkischen Experten zufolge sind trockene und tränende Augen bis hin zur Bindehaut- oder Hornhautentzündung eine klare Folge der Pandemie: Denn rein aus augenärztlicher Sicht ist die Art, wie vor allem viele Schüler, Studenten und Berufstätige gerade lernen, arbeiten und leben, grundverkehrt: "Das Auge braucht ungefähr 15 Lidschläge pro Minute", sagt Augenarzt Dr. Dirk Werdermann. "Beim Spazierengehen etwa macht das Auge das automatisch. Bei der Computerarbeit aber reduziert sich die Zahl der Lidschläge pro Minute von 15 auf vier.“

Statt 15 Mal pro Minute klimpern die Wimpern bei Computer-Arbeitern nur vier Mal. Für die Versorgung des Auges mit Tränenflüssigkeit ist das schlecht. 
Foto: Holger Stein | Statt 15 Mal pro Minute klimpern die Wimpern bei Computer-Arbeitern nur vier Mal. Für die Versorgung des Auges mit Tränenflüssigkeit ist das schlecht. 

Dabei sei eine gleichbleibend hohe Zahl wichtig, damit genug Tränenfilm – und mit ihm Sauerstoff und Nährstoffe – auf der Augenoberfläche verteilt wird. Sinkt die Frequenz der Lidschläge über Stunden, Tage oder gar Monate, sind trockene Augen die Folge. "Office Eye Syndrom“ nennen die Fachleute das Problem.

Computerarbeit: Was bei der Eindämmung der Pandemie hilft, hat Spätfolgen

Seit Corona ist die Zahl der Stunden, die Schüler, Studenten und Arbeitnehmer vor dem Bildschirm verbringen müssen, massiv angestiegen. Dass wegen der Pandemie der Unterricht digital läuft, dass  der Gang zur Bank durch Online-Banking eingespart wird, dass aus dem Einkaufsbummel zwangsweise Online-Shopping geworden ist und sogar das Fitness-Workout online läuft,  hilft zwar bei der Eindämmung der Pandemie, führt aber zum "Office Eye Syndrom“ bei immer mehr Menschen.

Gerade jetzt im Winter sei die Gefahr groß, sagt Apotheker Wolfgang Schiedermair: "Wer nicht nur in den Computer starrt, sondern dies auch ständig in der gut beheizten Wohnung mit niedriger Luftfeuchtigkeit tut, bekommt Probleme.“

Die Corona-Lockdowns werden dazu führen, dass es mehr kurzsichtige Kinder gibt

Bei Kindern sei der Tränenfilm zwar meist besser, sagt Dirk Werdermann. Doch gerade um sie um sie macht sich der Ochsenfurter Augenarzt die meisten Sorgen. Augenärztlichen Empfehlungen zufolge sollten Kinder zwischen vier und sechs Jahren höchstens eine halbe Stunde täglich auf einen Computerbildschirm oder aufs Handy schauen. Kindern von sechs bis zehn Jahren wird ein Maximum von einer Stunde empfohlen, Kindern ab 10 eine Begrenzung der Computer-Zeit auf zwei Stunden.

Kinder im Grundschulalter sollten nicht länger als eine Stunde täglich am Computer sitzen. Im Distanzunterricht während des Lockdown müssen die Schüler aber stundenlang auf den Schirm starren. 
Foto: Jonas Güttler, dpa | Kinder im Grundschulalter sollten nicht länger als eine Stunde täglich am Computer sitzen. Im Distanzunterricht während des Lockdown müssen die Schüler aber stundenlang auf den Schirm starren. 

"Aber mit dem Digitalunterricht starren ja schon Grundschulkinder notgedrungen täglich stundenlang auf den Computerbildschirm, auf ihre Handys oder bestenfalls in ihre Bücher“, sagt Werdermann. Die ständige Naharbeit im frühen Alter fördere deutlich die Entwicklung von Kurzsichtigkeit. Der Augenmuskel verzeihe die ständige Einstellung auf den Nahbereich nicht. Er brauche, um sich gesund zu entwickeln, vor allem auch die Einstellung auf die Ferne und den Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht - idealerweise bei Tageslicht. Man müsse deshalb damit rechnen, dass der Corona-Lockdown mehr Kurzsichtigkeit bei Kindern zur Folge hat, sagt der Augenarzt.

Wie Computernutzer gut für ihre Augen sorgen können

Computernutzern jeden Alters empfiehlt der Augenarzt deshalb jede Stunde mindestens fünf Minuten Pause – und die sollten möglichst an der frischen, sauerstoffreichen Luft und mit dem Blick ins Weite verbracht werden. Zur Entspannung von der Bildschirmarbeit zu lesen, zu stricken oder fernzusehen, ist laut Werdermann kontraproduktiv –denn auch da stellt sich der Augenmuskel auf den Nahbereich ein. Besser seien Spaziergänge, Radtouren, Gartenarbeit oder Sport, damit sich die Augen auf die Ferne einstellen können.

Öfter mal raus an die frische Luft: Computernutzern empfehlen Fachleute zum Entspannen der Augen Spaziergänge.
Foto: Wolfgang Kumm, dpa | Öfter mal raus an die frische Luft: Computernutzern empfehlen Fachleute zum Entspannen der Augen Spaziergänge.

Weiterer Tipp der Augenexperten: den Arbeitsraum häufig Lüften für bessere Sauerstoffzufuhr. Wer kann, sollte während der Computerarbeit häufig mal blinzeln und immer wieder den Blick vom Bildschirm durchs Fenster in den Garten oder auf weit entfernte Gebäude richten. Ist die Produktion des Tränenfilms schon eingeschränkt, können Augentropfen helfen. Manche Optiker, so Claus Keller, bieten dazu auch Tränenfilm-Analysen an.

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