Würzburg

OB: „Stadtbild wichtiger als Verkaufserlös“

Podiumsdiskussion zum MoZ-Bürgerentscheid       -  Engagiert wurde die Diskussion am Podium geführt.
Foto: Daniel Peter | Engagiert wurde die Diskussion am Podium geführt.

„Volles Haus“ beim Main-Post-Forum im Central-Kinosaal: 150 Interessierte verfolgten in der Mozartschule – jenes Gebäude, um dessen Zukunft es ging – die knapp zweistündige Diskussion vor dem Bürgerentscheid. Erkenntnisse des Abends: Was immer man am 5. Juli ankreuzt – ob Sanierung des 50er-Jahre-Denkmals oder Neubauten auf dem Areal von Schule und Kardinal-Faulhaber-Platz – so genau steht nicht fest, was hinterher passiert. Und: Die diskutierten Zahlenspiele entpuppten sich als Äpfel-Birnen-Vergleich.

Während die Zuhörer, erkennbar an den Meinungsbeiträgen und Applausvergaben, mehrheitlich aus der Fraktion der Denkmalbewahrer kamen, war das Podium paritätisch besetzt: Jörg Töppner, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „Rettet das MOZ“ und Stadtheimatpfleger Hans Steidle hielten für das „Denkmal mit Rang und Substanz“ (Töppner) die Fahne hoch. Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Marcus Müller vom potenziellen Investor Strabag warben für einen Nutzungsmix mit Hotel, Einkaufen, Wohnen und Kultur an dieser Stelle – „die beste Lösung für unsere Stadt“ (Schuchardt).


Die Diskussion, moderiert von Main-Post-Redaktionsleiter Andreas Jungbauer und Redakteurin Manuela Göbel, verlief weitgehend emotions-, aber naturgemäß nicht konfrontationsfrei. BI-Sprecher Töppner bezeichnete das städtische Konzept als „Stadtpolitik des 20. Jahrhunderts“. Die geplante Bebauung des Faulhaber-Platzes sei „eine fatale Missachtung klimatologischer Erkenntnisse“, nämlich für Frischluftschneisen in der Stadt zu sorgen statt diese zuzubauen. Würzburg habe ohnehin zu wenig Plätze. Ebenfalls von gestern sei die unter dem gesamten Areal geplante Tiefgarage mit 450 Stellplätzen, die noch mehr Verkehr in die Innenstadt bringe.

BI: Den Faulhaber-Platz begrünen

OB Schuchardt sieht das anders: So könne man zum einen mit den neuen Stellplätzen gleichzeitig am Paradeplatz „Parkplätze abräumen“, zum anderen müssten auch bei der von der Bürgerinitiative angestrebten Kulturnutzung der Mozartschule neue Stellplätze nachgewiesen werden.

Was die Bebauung oder Nichtbebauung des Faulhaber-Platzes angeht, ließ Töppner eine Frage offen. Mit der Forderung nach dem Erhalt der Mozartschule weiß die BI die SPD an ihrer Seite. Doch im Gegensatz zur BI, die den Faulhaberplatz begrünen will, plädieren die Sozialdemokraten für dessen Bebauung. Kommen die Abrissgegner hier auf eine gemeinsame Linie? „Darüber reden wir hinterher“, antwortete Töppner.

Auch die klaren Befürworter einer Bebauung ließen noch offen, wie diese genau aussieht. Das Strabag-Konzept sieht am Faulhaber-Platz einen sechsgeschossigen Neubau mit Läden in den unteren und zwei Hotels in den Obergeschossen vor, die dominante Höhe ist umstritten. Strabag-Mann Müller kann sich „möglicherweise ein Geschoss weniger“ vorstellen, der OB betont: „Der Bau muss zur Höhenentwicklung in der Stadt passen.“ Es gehe um städtebauliche Qualität, für die nicht zuletzt ein Architektenwettbewerb sorgen soll.

Dass eine Verringerung der Geschoßflächen auch den Kaufpreis mindert, ist für Schuchardt akzeptabel: „Das Stadtbild an dieser Stelle ist wichtiger als der Erlös.“

Die Höhe des Kaufpreises wurde nicht genannt, dafür aber die der möglichen Sanierungskosten. Elf Millionen Euro für die Erneuerung einer 50er Jahre-Schule (als Schule) in Ingolstadt standen im Raum. Der OB kalkulierte den Aufwand für den von den Abrissgegnern vorgeschlagenen Nutzungsmix, unter anderem als Weltkulturerbe-Zentrum und Theater, auf rund 27 Millionen Euro. Nach kurzer Diskussion kristallisierte sich heraus, dass ohne konkretes Nutzungskonzept kein seriöser Zahlenvergleich möglich ist.

Steidle – „die Mozartschule muss erhalten bleiben wie der Dom und die Residenz“ – warf der Stadt vor, sich nie „mit einem Entwicklungsplan für das Denkmal“ beschäftigt zu haben. Dem Stadtheimatpfleger kommt das Verhalten der Stadt so vor: „Wir verkaufen unser Tafelsilber, weil wir es nicht putzen wollen.“

Nicht alle Denkmäler zu erhalten

Der OB verteidigte die Abriss-Pläne auch damit, dass die Stadt nicht alle ihre Denkmäler erhalten könne. Vor allem im Hinblick auf wichtige Großprojekte wie Theatersanierung, Nautiland-Erneuerung oder Landesgartenschau und nicht zuletzt wegen der Konkurrenz mit anderen Oberzentren müsse man abwägen und Prioritäten setzen. „Und ich habe mich intensiv damit auseinandergesetzt“, betonte Schuchardt. Eine neue Nutzung stärke die Lebensqualität in der Innenstadt, sei es durch dringend benötigten Wohnraum oder neue Geschäfte.

Es werde nicht nur Luxuswohnungen geben, verspricht Marcus Müller von der Strabag. Warum sein Unternehmen im Gegensatz zum einst per Bürgerentscheid gescheiterten Arcaden-Investor mfi keine Werbung betreibe, erklärte Müller recht selbstbewusst: „Unser Konzept ist überzeugend, da brauchen wir keine Plakate dafür raushauen.“

Wie der Bürgerentscheid – ob Abriss oder Neubau – auch ausfällt, nach dem 5. Juli geht angesichts der vielen noch ungelösten Fragen um Nutzung, Finanzierung, Sanierung und Baudetails die Arbeit ums Mozart-Areal erst richtig los. Keine Entscheidungshilfe, aber zumindest eine Erkenntnis des Abends.

Podiumsdiskussion zum MOZ-Bürgerentscheid       -  Das Publikum schaltete sich mit kritischen Fragen ein.
Foto: Daniel Peter | Das Publikum schaltete sich mit kritischen Fragen ein.
Podiumsdiskussion zum MoZ-Bürgerentscheid       -  Jörg Töppner, BI „Rettet das MOZ“.
Foto: Daniel Peter | Jörg Töppner, BI „Rettet das MOZ“.
Podiumsdiskussion zum MoZ-Bürgerentscheid       -  OB Christian Schuchardt.
Foto: Daniel Peter | OB Christian Schuchardt.
Podiumsdiskussion zum MoZ-Bürgerentscheid       -  Stadtheimatpfleger Hans Steidle.
Foto: Daniel Peter | Stadtheimatpfleger Hans Steidle.
Podiumsdiskussion zum MoZ-Bürgerentscheid       -  Marcus Müller, Strabag Real Estate.
Foto: Daniel Peter | Marcus Müller, Strabag Real Estate.
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