Ochsenfurt

Ochsenfurt: Wie die Stadtbibliothek der Pandemie trotzt

Corinna Kölln, die neue Leiterin der Ochsenfurter Stadtbibliothek, setzt auf einen Ausbau des Online-Angebots - nicht nur in Corona-Zeiten.
Als neue Leiterin der Ochsenfurter Stadtbibliothek will Corinna Kölln vor allem die Online-Kompetenz der Einrichtung stärken. Mit im Bild: Verwaltungsleiter Wolfgang Duscher (li.) und Bürgermeister Peter Juks.
Foto: Gerhard Meißner | Als neue Leiterin der Ochsenfurter Stadtbibliothek will Corinna Kölln vor allem die Online-Kompetenz der Einrichtung stärken. Mit im Bild: Verwaltungsleiter Wolfgang Duscher (li.) und Bürgermeister Peter Juks.

Ihre gewohnten Öffnungszeiten kann die Ochsenfurter Stadtbibliothek auch während des November-Lockdwons unverändert aufrecht erhalten. Gerade während der Pandemie sei durch die Bücherei vielen ihrer Benutzer ein wichtiges Stück Normalität geblieben, sagt die neue Bibliotheksleiterin Corinna Kölln. Trotzdem setzt sie auf einen Ausbau des Online-Angebots - um neue Kunden zu interessieren, aber auch, um das angestammte Klientel mit der digitalen Welt vertraut zu machen. "Die Bibliothek muss ein Ort der Begegnung bleiben, aber man muss den Spagat zum Online-Angebot schaffen", so Kölln. Die Leser auf den Geschmack bringen könnte der bundesweite Vorlesetag am 20. November. In einer Online-Lesung stellt Autor Leonhard Florian Seidl dann seinen fränkischen Kurzkrimi "Drachen" vor.  

Zunächst für ein Jahr leitet Corinna Kölln die Stadtbibliothek und vertritt damit Catharina Bukatsch während der Elternzeit. Die gelernte Buchhändlerin ist ausgebildete Handelsfachwirtin und PR-Beraterin. Nach 15 Jahren, die sie im Buchhandel tätig war, arbeitete sie als freie Journalistin und Online-Redakteurin, hat drei regionale Kriminalromane und einen Lyrikband veröffentlicht und war als Mitautorin am Fortsetzungsroman der Main-Post "Für immer Lisa" beteiligt, der mit dem European Newspaper Award ausgezeichnet wurde. Kölln kennt die Buchbranche also aus vielen verschiedenen Blickwinkeln und will vor allem ihre Online-Erfahrung in ihre Tätigkeit in der Ochsenfurter Stadtbibliothek einbringen.

Online-Verbund fränkischer Bibliotheken

Dort hat man die Potenziale der Digitalisierung längst erkannt. Der Anteil der E-Books unter den rund 26 000 verfügbaren Medien steigt stetig. Außerdem steht die "Franken-Onleihe" offen, ein gemeinsames Internet-Portal fränkischer Büchereien, das seinen Benutzern Zugang zu über 40 000 weiteren digitalen Medien verschafft. Neben 24 000 Bänden Unterhaltungsliteratur sind dort 11 500 Sachmedien und über 10 000 Kinder- und Jugendbücher sowie zahlreiche Zeitungen und Magazine zeitlich befristet über das Internet und einen geeigneten E-Book-Reader abrufbar.

Einen wichtigen Bildungsauftrag der Stadtbibliothek sieht Corinna Kölln darin, die großen digitalen Umwälzungen zu begleiten und die Medienkompetenz der Nutzer zu stärken. Gerade angesichts der Informationsflut, die heute Internetnutzern begegnet, sei es wichtig, über die Quellen von Informationen Bescheid zu wissen und ihre Zuverlässigkeit einordnen zu können.

Online-Lesung von Krimiautor Seidl

Das Internet-Café, das Helmut Rienecker ehrenamtlich in der Stadtbibliothek leitet, hat dazu bereits Vorarbeit geleistet. Derzeit kann das regelmäßige Treffen pandemiebedingt nicht stattfinden. Corinna Kölln denkt deshalb über Online-Tutorials und Kurse nach, ohne zusätzliche Gebühren für die Bibliotheksnutzer. Aber auch für die regelmäßigen Lesungen und Vortragsveranstaltungen der Stadtbibliothek seien Online-Formate wenn auch kein vollwertiger, so doch zumindest ein kleiner Ersatz. 

Die Online-Lesung von Krimiautor Leonhard Florian Seidl ist ein erster Gehversuch der Stadtbibliothek auf diesem Parkett. In dem Buch "Tatort Fränkisches Seenland" haben mehrere fränkische Autoren neun Kurzkrimis zusammengefasst. Seidl liest aus dem humorvoll-skurrilen Werk "Drachen", das auf der mittelfränkischen Burg Abenberg spielt.

Am Freitag, 20. November, können sich Online-Besucher entweder um 10 Uhr über www. bibliothek-ochsenfurt.de direkt und kostenlos in den Livestream der Lesung einklicken oder das Video später jederzeit auf der Internetseite der Stadtbibliothek ansehen. Dort ist auch die Bankverbindung für eine kleine freiwillige Spende angegeben. 

Benutzerzahlen blieben stabil

Ochsenfurts Bürgermeister Peter Juks begrüßt das Online-Engagement. Die Stadtbibliothek sei nicht nur für Ochsenfurt, sondern auch für das Umland eine wichtige Kultureinrichtung und somit ein Standortfaktor für die Stadt, sagt er. Besonders freue ihn, dass das Interesse der Benutzer trotz coronabedingter Einschränkungen hoch geblieben sei.

"Ich bin glücklich, dass die Ausleihzahlen im Sommer nur minimal zurückgegangen sind", sagt auch Corinna Kölln. Im Oktober seien sie sogar leicht besser gewesen als im Vorjahr. Insgesamt zählt die Stadtbibliothek jährlich rund 35 000 Besucher. Unter den 3600 registrierten Benutzern sind 1740 regelmäßig aktiv. Die Zahl der neu registrierten Nutzer liegt in diesem Jahr bislang bei rund 200, auch das sei ein Wert im Durchschnitt der Vorjahre. 

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