Randersacker

Randersacker: Alte Kapelle bei Grabungen gefunden

Etwas Neues auf altem Grund: Am Jakobsbach sollen neue Häuser entstehen, doch genau in diesem Gebiet haben Archäologen etwas ganz anderes gefunden.
Archäologe Ion Crain-Sachelaru vom Büro für Ausgrabung und Dokumentation Heyse erläutert Bauherrn Tobias Muth die Arbeiten zum Bodendenkmal Jakobskapelle.
Foto: Antje Roscoe | Archäologe Ion Crain-Sachelaru vom Büro für Ausgrabung und Dokumentation Heyse erläutert Bauherrn Tobias Muth die Arbeiten zum Bodendenkmal Jakobskapelle.

Die mittelalterliche Kapelle, die im Schnittbereich von Theilheimer Straße und Ochsenfurter Straße gestanden hatte, ist gefunden worden. Bei archäologischen Grabungen während der Sommerferien konnte das Fundament lokalisiert und dokumentiert werden.

Dass sich die Kapelle und ein älterer Siedlungsteil von Randersacker am Jakobsbach befunden haben soll, war bekannt – nur die genaue Stelle nicht, erklärt Bauherr Tobias Muth. Im Vorfeld eines Neubauprojekts Am Jakobsbach 1 war vom Landesamt für Denkmalpflege in Memmelsdorf (BLfD) deshalb vorsorglich die Sichtung des Baufeldes gewünscht worden. Es ist das eingeebnete Grundstück einer ehemaligen Spedition. Die Würzburger Immobilien-Firma Muth & Schröder Projekt GmbH wird dort 13 Eigentumswohnungen neu errichten. Da der L-fömige Bau mit dem Zugang Am Jakobsbach und entlang der Ochsenfurter Straße keinen Keller, sondern eine Tiefengründung mit Bohrpfählen haben wird, gab diese das Suchfeld vor.

Erbauungszeit um 1100

Fündig wurde der Archäologe Ion Crain-Sachelaru vom Büro für Ausgrabungen und Dokumentationen Heyse (BfAD) in Schwarzach etwa eineinhalb Meter unter dem Bodenniveau. Freigelegt und deutlich erkennbar wurde die nach Osten ausgerichtete Apsis aus Muschelkalk. Die Erbauungszeit wird um 1100 vermutet, womit sie dem Hochmittelalter zuzuordnen ist. Die Größe gibt Grabungsleiter Crain-Sachelaru mit sechs Metern Breite und elf Metern Länge an und bestätigt damit die überlieferten Angaben, wie sie auch die Randersackerer Chronik von Bruno Rottenbach (1988) nach einem Visitationsprotokoll von 1615 beschreibt.

"Es ist ein guter Fall. Unser oberstes Ziel, der Erhalt des Bodendenkmals, ist geschafft."
Andreas Büttner, BLfD

Auch Teile eines jüngeren Muschelkalk-Fundaments von 1805 wurden sichtbar, einige Münzen und Scherben, so Crain-Sachelaru. Eine geophysikalische Untersuchung, die den Untergrund mit elektrischen Impulsen absucht, war laut Referatsleiter Dr. Andreas Büttner vom BLfD versucht worden. Sie war allerdings an den großen Mengen Schutt auf dem Gelände gescheitert. Die Aufschüttungen wiederum sorgten dafür, dass das Bodendenkmal die Jahrhunderte gut überstehen konnte. Der Neubau wird es durch die Tiefengründung kaum tangieren. Büttner: "Es ist ein guter Fall. Unser oberstes Ziel, der Erhalt des Bodendenkmals, ist geschafft".

Das Baufeld für die Wohnanlage Am Jakobsbach zum Ende der Grabungen von der Ochsenfurter Straße aus gesehen.
Foto: Antje Roscoe | Das Baufeld für die Wohnanlage Am Jakobsbach zum Ende der Grabungen von der Ochsenfurter Straße aus gesehen.

In der Chronik ist zu lesen, dass die Kapelle 1805 profaniert, "für 240 Gulden verkauft, abgerissen und der sie umgebende Friedhof in eine Gärtnerei verwandelt" wurde. Auf einer neueren Tafel zur Ortsgeschichte handelte es sich um einen Garten. Das Kreuz der Kreuzigungsgruppe im heutigen Friedhof stamme aus dem Friedhof der Jakobskapelle, datiert auf 1722. Laut Chronik ist davon auszugehen, dass gleichzeitig im heute bekannten Ortskern und am Jakobsbach, unweit der bereits 779 erwähnten Mainfurt, gesiedelt wurde.

Grabungen dauerten rund acht Wochen

Die Auswertung der Vermessungen und Materialproben steht noch aus, nachdem aber die Fläche und das Bodendenkmal dokumentiert und eingemessen sind, ist Tobias Muth zuversichtlich, dass in Kürze mit dem Bau begonnen werden kann. Etwa acht Wochen hatten die Grabungen den Baubeginn verzögert, wobei die Archäologen zügig arbeiteten, je nach Bedarf mit bis zu fünf Mitarbeitern vor Ort, so Muth.

Was von und über die alte Jakobskapelle noch überliefert ist, lässt sich auf einer der Tafeln zur Ortsgeschichte am Mainradweg ablesen, die am nördlichen Beginn der Mainpromenade steht. Demnach befindet sich das alte Turmkreuz von 1696 auf dem Dachboden von St. Stephanus und eine Pieta aus der Riemenschneiderschule in Privatbesitz. Die Verbindung der Randersackerer zum Hl. Jakobus manifestiert sich weiterhin in seiner Darstellung am Ölberg bei der Pfarrkirche und daran, dass an Jakobi (25. Juli) jeweils Markttag war beziehungsweise das Fleckenfest gefeiert wurde. Der Jakobusweg der Pilger dagegen habe Randersacker wohl nie tangiert.

Das freigelegte Bodendenkmal: Erkennbar ist die Apsis mit Ausrichtung nach Osten.
Foto: Ion-Crain Sachelaru | Das freigelegte Bodendenkmal: Erkennbar ist die Apsis mit Ausrichtung nach Osten.
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