Würzburg

Scherben im Würzburger Hofgarten

Einst blühten hunderte Obstbäume im Würzburger Hofgarten. Einige dieser alten Sorten sind nun in der Ausstellung „Obstorangerie in Scherben” zu sehen.
Foto: Thomas Obermeier | Einst blühten hunderte Obstbäume im Würzburger Hofgarten. Einige dieser alten Sorten sind nun in der Ausstellung „Obstorangerie in Scherben” zu sehen.

Woran denken Sie bei „Trockener Martin?“ Einen Drink? Einen abstinenten Alkoholiker? Und woran bei „Schweizer Hose“? Ein Kleidungsstück? Weit gefehlt. Diese Begriffe bezeichnen Obst, genauer gesagt Birnensorten. Zu sehen sind sie in der Ausstellung “Obstorangerie in Scherben“ im Würzburger Hofgarten.

Neben den beiden Birnenarten werden in einem neu gestalteten Bereich des Hofgartens anlässlich der Landesgartenschau noch andere historische Obstsorten gezeigt. Bereits vor mehr als 200 Jahren schmückten sie den Garten der Residenz. Damals importierte sie Johann Prokop Mayer nach Würzburg. „Er war von 1770 bis zu seinem Tode 1804 Hofgärtner und verwandelte den Garten in einen Paradiesgarten“, erklärt Jost Albert, Gartendirektor bei der bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Nicht nur Rosen und andere Zierpflanzen erblühten dort in dieser Zeit, sondern auch hunderte Obstbäume. Sie alle beschrieb Mayer in der „Pomona Franconica.“

Mehr als zehn Jahre Vorbereitung

Nun sind einige Sorten zurückgekehrt. 2007 wurde mit dem Aufbau einer neuen Obstorangerie begonnen. Die seltenen Arten wurden in verschiedenen Ländern ausfindig gemacht und in Würzburg kultiviert. Mehr als zehn Jahre wurden die Bäumchen gehegt und gepflegt, um sie jetzt präsentieren zu können. „Wir freuen uns, endlich etwas zu präsentieren, was lange in der Orangerie verborgen war“, sagt Gerhard Weiler, Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Würzburg. „Ein kleines, verwunschenes Gartenzimmer, das aus dem Nichts geschaffen wurde“, ergänzt Albert.

Fundstücke aus dem Hofgarten

Versteckt und ruhig liegt es hinter dem Küchengarten, umgeben von einer Hecke. Ein historischer Brunnen, der viele Jahre nicht genutzt wurde, plätschert vor sich hin. Ordentlich im Halbkreis angeordnet sind die Mini-Bäume, jeder gepflanzt in einen grünen Keramiktopf, einem Scherben, wie es früher hieß. Sie wurden in einer Keramikschule in Landshut angefertigt. Vorlage waren Fundstücke früherer Pflanzentöpfe, die im Hofgarten ausgegraben wurden.

Sorge vor Vandalismus

Die Äste der Bäumchen hängen voll mit kleinen, noch unreifen Früchten. Und auch wenn es Zwergobstbäume sind, die Früchte werden genauso groß wie die anderer Obstbäume. Doch ob sie im Herbst auch geerntet werden können, da ist der derzeitige Würzburger Hofgärtner Gerald Schreier skeptisch. „Viele Besucher bringen den Pflanzen wenig Respekt entgegen.“ Er hofft, dass die Besucher die Bäume nicht beschädigen und seine Arbeit zunichte machen. Zumindest die Keramiktöpfe sind fixiert, so dass aus den Scherben nicht wirklich ein Scherbenhaufen wird.

Die Ausstellung „Obstorangerie in Scherben“ ist noch bis 3. Oktober 2018 im Würzburger Hofgarten zu sehen. Sie kann während der Öffnungszeiten des Würzburger Hofgartens in einem Sonderbereich gegenüber des Küchengartens besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

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