Grombühl

Schöppeln am Stein: Wie Sternekoch Reiser mit Kritikern umgeht

Bratwürste und Glühwein verkaufte Bernhard Reiser vergangenen Samstag am Würzburger Stein. In den sozialen Medien hagelte es Kritik. Wie der Sternekoch jetzt damit umgeht.
Sternekoch Bernhard Reise wollte am Samstag mit seinen Kritikern diskutieren. Aber niemand ist gekommen. 
Foto: Silvia Gralla | Sternekoch Bernhard Reise wollte am Samstag mit seinen Kritikern diskutieren. Aber niemand ist gekommen. 

Sternekoch Bernhard Reiser hört aus der Ferne noch das Mittagsgeläut der Würzburger Glocken. Gegen zwölf Uhr steht er am Samstag in der Tür zum Hof des Weinguts am Stein und wartet. Er will mit seinen Kritikern diskutieren. Mit jenen, die in sozialen Medien scharf mit ihm ins Gericht gegangen sind. Der Grund: Reiser hatte am vergangenen Samstag am Stein Bratwürste und Glühwein verkauft. Bei schönstem Herbstwetter nutzten viele Spaziergänger das Angebot. Das Geschehen erinnerte teilweise an die bekannten Brückenschoppen-Szenen auf der Alten Würzburger Mainbrücke: Abstände wurden nicht eingehalten, Masken nicht getragen und viele standen in größeren Gruppen beieinander. Bilder davon machten vor allem auf facebook die Runde. Und die Frage: Ist es richtig in Zeiten eines Lockdowns, wo sich nur Personen aus zwei Hausständen treffen sollen, Cafés, Bars, Restaurants geschlossen sind, trotzdem Alkohol auszuschenken und Bratwürste zu verkaufen?

Reiser hat seinen Außenverkauf erst einmal eingestellt

"Die Polizei ist ja gekommen. In Würzburg gibt es viele Studenten, die in WGs leben. So kann es auch erlaubt sein, dass sieben oder acht erwachsene Personen aus zwei Haushalten nahe zusammenstehen", erklärt Reise eine Woche später. Er wirkt aufgerärumt, gar nicht geladen. Und er räumt ein, dass er nicht mit so vielen Leuten gerechnet habe. Er sagt aber auch, dass es am Stein an der frischen Luft locker genügend Plätze mit Abstand für jeden geben würde.

Wieder ist es ein sonniger Herbsttag am Samstag. Doch dieses Mal ist nichts los am Stein. Reiser hat sich entschlossen, keine Bratwürste und keinen Glühwein mehr zu verkaufen, obwohl "er sich nichts zu schulden hat kommen lassen", wie er sagt. "Bei uns auf dem Gelände sind alle Hygienevorschriften eingehalten worden." Was im Weinberg passiere, könne er nicht kontrollieren. 

"Beleidigungen, Hetze und üble Nachrede sind in jedem Fall ein No Go!"
Bernhard Reiser, Sternekoch

Warum also hat er den Außenverkauf an diesem Wochenende nicht fortgesetzt? "Ich bin kein Krawallmacher und will auch nicht zum öffentlichen Ärgernis werden. Das liegt mir fern", erwidert Reiser. In seinem Post hat der gebürtige Allgäuer am Abend zuvor geschrieben: "Beleidigungen, Hetze und üble Nachrede sind in jedem Fall ein ‚No Go‘. Das toleriere ich nicht! Das bin ich schon meinen 60 Mitarbeitern sowie meinen Freunden und Gästen schuldig!" Dann rief Reiser dazu auf, sich am Samstag von 12 bis 13 Uhr mit ihm auf dem Hof von Angesicht zu Angesicht argumentativ auseinanderzusetzen.

Reiser kritisiert geschäftsschädigende Bewertung

Sein Post, der vielfach positiv gelikt, kommentiert und geteilt worden ist, schließt mit den Worten: "Ich habe einen Namen, ein Gesicht und vor allem einen Arsch in der Hose." Ein Beispiel für eine persönliche Beleidigung konnte Reiser auf Nachfrage nicht nennen. Auf wen er es nach eigenen Worten vor allem absah, waren die anonymen Kritiker. Einer von ihnen habe ihm unter anderem eine bleibende, schlechte Google-Bewertung verpasst. Das sei geschäftsschädigend, so der Koch.

Eine Stunde steht Reiser vor seinem Lokal. Doch ein Gegner kommt nicht. Dafür ein paar Unterstützer. Eine davon ist Sabine Seufert. Sie ist auch Unternehmerin. Ihr Messebetrieb in Giebelstadt liegt seit Ausbruch der Corona-Pandemie darnieder – und wird sich nach ihrer Einschätzung auch so schnell nicht erholen. "Wir haben keine Lobby, es ist echt bitter", sagt Seufert, die aber an den Stein gekommen ist, um Reiser für seine Aktion zu loben – sowohl für den Außenverkauf als solchen als auch für seine Reaktion auf die vielen kritischen Kommentare dazu. Sie sei in der Gastronomie aufgewachsen, ihr Großvater habe den Sophienbäck in der Sanderau eröffnet. Die aus Schweinfurt angereisten Heike und Reiner Rohde, beide beruflich für ein Pharmaunternehmen aktiv, können sich ebenso gut in Reisers Lage hineinversetzen – und hätten genauso gehandelt, sagen sie. 

Reiser wartet auf ein Zeichen von der Stadt Würzburg

Um kurz nach halb eins laufen zwei ältere Paare auf den Hof. Gegner? Nein, sie fragen nach einer Bratwurst. Reiser schüttelt mit dem Kopf. Ob und wann er den Außenverkauf wieder öffnet, weiß er noch nicht. "Ich selbst werde da erstmal nicht mehr die Initiative ergreifen. Aber wenn man mich von Seiten der Stadt bittet, den Menschen während des Lockdowns weiterhin etwas Ablenkung zu bieten, bin ich gerne dazu bereit."

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