Hettstadt

Skepsis gegenüber Breitbandausbau durch Deutsche Glasfaser

Das Angebot der Deutschen Glasfaser zu deren eigenwirtschaftlichen Ausbau eines Glasfasernetzes in Hettstadt klingt verlockend. Dennoch herrscht dazu im Gemeinderat allgemeine Skepsis. Grund dafür: Nach Recherchen der Verwaltung und einzelner Ratsmitglieder besteht bei Referenz-Projekten in anderen Gemeinden teilweise massive Unzufriedenheit hinsichtlich der Ausführung. In seiner jüngsten Sitzung tendierte der Gemeinderat deshalb überwiegend dazu, das Angebot zunächst nicht in Anspruch zu nehmen.

Bestärkt wurde der Gemeinderat in seiner Überzeugung durch einen informativen Vortrag eines Vertreters der Mainfranken Netze GmbH (MFN). Dabei handelt es sich um ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Stadtwerke Würzburg AG. Dieser hatte neben Bürgermeisterin Andrea Rothenbucher (Parteilos) den Gemeinderat auf eine ab dem Jahr 2023 geänderte Gigabit-Richtlinie des Bundes hingewiesen – inklusive eines voraussichtlich damit verbundenen Förderprogramms. Gleichzeitig empfahl der MFN-Vertreter dem Gemeinderat, im Vorfeld eines beabsichtigten örtlichen Breitbandausbaus einen unabhängigen Breitband-Berater zu Rate zu ziehen, sowie die Durchführung einer Bedarfsuntersuchung.

"Nicht gleich auf ersten Zug aufspringen"

Nach Überzeugung und persönlichen Erfahrungen aus seiner beruflichen Tätigkeit bestätigte Jochen Klos (UBH): "Die aktuell durch die Telekom zu Verfügung gestellten Kapazitäten reichen in unserem Betrieb in der Raiffeisenstraße in Hettstadts Gewerbegebiet vollkommen aus für 30 zeitgleich betriebene Online-Arbeitsplätze." Statt eines überstürzten Breitbandausbaus empfahl Klos, zunächst die Überprüfung der jeweiligen Vertragsbedingungen und der darin vereinbarten Übertragungsraten. Vielfach reiche es aus, beim aktuellen Anbieter einfach einen höheren Tarif zu buchen, befand Klos.

Auch Nicole Wollert (UBH) äußerte die Überzeugung, nicht gleich auf den ersten Zug aufzuspringen, zumal bei Recherchen überwiegend negative Erfahrungen mit einem Breitbandausbau durch die Deutsche Glasfaser verbunden seien. Sebastian Zorn (CSU) sah in dem von der Deutschen Glasfaser beabsichtigten "Trenching-Verfahren" eine vollkommen neue Infrastruktur. Dies bringe nach Zorns Auffassung "augenscheinliche Einsparungen, die die Gemeinde womöglich bei nachfolgenden Tiefbauarbeiten ganz schnell wieder einholen." Beim "Trenching-Verfahren" erfolgt die Verlegung von Versorgungsleitungen bei möglichst minimalen Eingriff in die Oberflächen von Straßen oder Gehwegen in gefrästen engen Erdkanälen. Häufig besteht nach vielfachen bisherigen Erfahrungen hierbei allerdings die Gefahr, dass im Arbeitsbereich verlaufende andere Versorgungsleitungen beschädigt oder gar durchtrennt werden.

Susanne Haake (CSU) sah schnelles Internet gerade jetzt für erforderlich, für eine stabile Nutzung durch Home-Schooling oder Home-Office. Weil die aktuellen Anschlüsse hierzu häufig unbefriedigend seien, sollte eine Befragung der Bevölkerung erfolgen, forderte Haake.

Weitestgehend einig äußerte sich allerdings der Gemeinderat hinsichtlich zu mittlerweile zu vieler bekannter negativer Erfahrungen beim Ausbau durch die Deutsche Glasfaser. Deshalb folgte das Gremium dem Vorschlag von  Bürgermeisterin Andrea Rothenbucher, zunächst die empfohlene Bedarfsanalyse in Angriff zu nehmen. Die Verwaltung wurde einstimmig beauftragt, hierzu Angebote vorzulegen.

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