Würzburg

Sperrung Faulhaber-Platz: Kritik am OB

Das ging schnell: Der Kardinal Faulhaber Platz in Würzburg wurde nach dem Bürgerentscheid am Sonntag bereits am Montag von der Stadt Würzburg für Autos gesperrt. Auf den Parkplätzen stehen nun die Wanderbäume der LGS.
Foto: Thomas Obermeier | Das ging schnell: Der Kardinal Faulhaber Platz in Würzburg wurde nach dem Bürgerentscheid am Sonntag bereits am Montag von der Stadt Würzburg für Autos gesperrt. Auf den Parkplätzen stehen nun die Wanderbäume der LGS.

Die schnelle Räumung der öffentlichen Parkplätze am Faulhaber-Platz sorgt für Aufregung: Von den sozialen Netzwerken bis zur Rathauskantine wird über die Blitz-Aktion auf den Bürgerentscheid diskutiert. Die Entscheidung hat Oberbürgermeister Christian Schuchardt persönlich getroffen. Neben einigem Beifall für die prompte Reaktion, gibt es auch viel Kritik daran.

Feste Poller an den Zufahrten

Am Dienstagnachmittag war der ehemalige Parkplatz bis auf ein Dutzend Autos von Anwohnern leer geräumt. In der Mitte steht jetzt eine Litfaßsäule mit Werbung für die Landesgartenschau, drumherum sechs kleine Bäume in orangen Containern. An den Zufahrten sind bereits feste Poller in den Asphalt gesetzt.

Schon am Morgen nach dem Bürgerentscheid hatten Mitarbeiter mit der Räumung begonnen.

Die Eile hat die Stadt damit begründet, dass man den Willen der Bürger so schnell wie möglich umsetzen wolle. Rund 60 Prozent der Wahlberechtigten hatten am Sonntag gegen eine Tiefgarage unter dem Platz und für einen Park gestimmt.

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Kolbow: Schuss aus der Hüfte des OBs

Mit dem Stadtrat oder den Fraktionen, die das Ratsbegehren mit dem OB verloren haben, war das Vorgehen nicht abgesprochen. SPD-Faktionsvorsitzender Alexander Kolbow findet es nicht gut: „Die übereilte, sofortige Sperrung des Kardinal-Faulhaber-Platzes war ein Schuss aus der Hüfte des Oberbürgermeisters.Die Aktion wird in erster Linie den Unmut der Bürger erregen und verkehrstechnisch Chaos erzeugen, sonst nichts.“

Dennnoch gebe es weder eine Planung für die Umgestaltung des Parkes noch Geld. Kolbow betont gleichzeitig, dass die SPD das Ergebnis der Bürgerentscheids natürlich akzeptiert und so schnell wie möglich umsetzen möchte.

CSU begrüßt sofortige Sperrung

Auch die CSU wusste nichts von der Hau-Ruck-Aktion, begrüßt sie aber. „Man kann jetzt dokumentieren, dass der Bürgerwille umgesetzt wird“, erklärt Fraktionsvorsitzende Christine Bötsch.

Im Bürgerentscheid sei es ja auch darum gegangen, weniger Verkehr und weniger Feinstaub in die Stadt zu holen. „Mit der Entfernung der Oberflächenparkplätze wird das erreicht.“ Die Mehrheit der Bürger müsste Verständnis für die sofortige Sperrung haben.

Auch FWG-Fraktionschef Josef Hofmann findet die Reaktion der Stadt „konsequent“. Eine provisorische Begrünung könne man ja schnell aufbauen.

Sowohl über die Gestaltung in der Übergangszeit als auch mit der grundsätzlichen, soll sich ein Ausschuss des Stadtrats bereits am 18. Juli befassen.

OB ist im Trotzalter angekommen

„Jetzt ist der Oberbürgermeister definitiv im Trotzalter angekommen – machen die meisten Menschen so mit drei vier Jahren durch“, meldet sich ein verärgerter Würzburger zum Thema bei der Redaktion. „Das riecht doch ziemlich nach beleidigte Leberwurst“, lautet ein Kommentar auf der Homepage dieser Zeitung.

Auch in den sozialen Netzwerken wird geschimpft: „Sonst dauert alles ewig und wird totgeredet und jetzt kann es gar nicht schnell genug gehen? Das riecht förmlich nach Kindergarten...“. Oder: „Soll da durchs Hintertürchen versucht werden, die demokratische Entscheidung der Bürger madig zu machen?“

Sperrung straft Autofahrer

Ein Anrufer erklärt, dass die Stadt mit der unangekündigten Sperrung vor allem die Anhänger des Ratsbegehrens getroffen werden: Anwohner und Autofahrer, die für eine Tiefgarage am Faulhaber-Platz gestimmt hatten, weil weiter dort parken wollen, wären gestern ohne Vorwarnung vor dem ab 12 Uhr gesperrten Parkplatz gestanden.

Normalerweise kündigt die Stadtverwaltung so etwas tatsächlich im Vorfeld vorher an.

Sowohl auf Sperrungen von Parkplätzen während des Faschingszugs oder des Marathons wie auch während Kiliani auf der Talavera weist sie ein bis zwei Wochen vorher mit Schildern vor Ort und durch Mitteilungen an die Presse hing.

Warum also dieses Mal ohne Vorwarnung?

Stadtsprecher Georg Wagenbrenner: „Es gibt Schilder vor Ort, es gab eine Pressemitteilung am Montag und die Sperrung wird letztlich erst bis Freitag vollzogen. Es handelt sich aktuell um 35 Kurzzeit- und 29 Bewohner-Parkplätze.“ Pendler seien nicht betroffen gewesen.

Ein Parkverbot auf der Talavera habe eine andere Größenordnung.

Laut Wagenbrenner habe sich die Sperrung des Parkplatzes am Montag zwar auf den Verkehr in der Innenstadt ausgewirkt. „Diese Auswirkung hätte es aber auch am nächsten Montag gehabt.“

Warum regen sich alle auf?

Es gibt in den sozialen Netzwerken aber auch positive Reationen. „Warum regen sich hier alle auf? Es ist die Situation, die von der Mehrheit gewählt wurde und auf kurz oder lang eh eintreffen würde“, schreibt ein Nutzer. „Konsequente Umsetzung des Ergebnisses von Sonntag. Weniger Parkraum in der Stadt wie gewünscht“, ein anderer.

Ein weiterer Kommentar: „Völlig richtig, so ist mit dem ganzen Geschwafel der Verhinderer im Hinterkopf unmittelbar die Auswirkung zu spüren; auch die schweigende Mehrheit der Würzburger, die nicht abgestimmt haben, bekommt so doch schön unter die Nase gerieben, dass sie es auch anders hätten haben können.“

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