Würzburg

Spitäle zeigt Jan Peter Kranig

'Paar Cadaques' deutet über den Wohnsitz des surrealistischen Malers Salvatore Dalí, Cadaques, auf ein Erweckungserlebnis des jugendlichen Jan Peter Kranig. 
Foto: Joachim Fildhaut, Katalog | "Paar Cadaques" deutet über den Wohnsitz des surrealistischen Malers Salvatore Dalí, Cadaques, auf ein Erweckungserlebnis des jugendlichen Jan Peter Kranig. 

Die kleineren Würzburger Bildersäle Spitäle und BBK-Galerie öffnen wieder, beide mit figurativen Gemälden. Das Spitäle an der Alten Mainbrücke schritt am Samstag voran mit Jan Peter Kranig. Zwei Jahre nach seinem plötzlichen Tod zieht die Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens in ihrer Galerie einen Querschnitt durch die letzten 18 Jahre seines Schaffens: gegenständlich, akribisch und sehr interessiert an Licht, Raum, Bewegung – und an Farbe, auch wenn er das Kunststück fertigbrachte, die Lilien im Felde einfach mal schwarzweiß zu porträtieren. Naturstücke dieser Art erinnern an seine Maltechnik, das altmeisterliche Lasieren, bei dem eine unterste Farbschicht die Schwarzweiß-Kontraste des fertigen Bilds zu Grunde legt.

Motivisch weit entfernt von den Pflanzen scheint die Serie "Crash" zu liegen. Da hat Kranig farbige Spiegelfolien zusammengeknüllt und abgemalt. Aber: Was dort die Gräser, sind hier die Knicke. Und die Dynamik bleibt ähnlich. Auch sind die Wiesen des gebürtigen Würzburgers, aufgewachsen in Lohr und Mitgründer der Künstlergruppe SpessArt, keine Mini-Urwälder, sondern Kulturlandschaft und damit entfernte Verwandte von Plastikmüll.

Die Konturen der flimmernden Zweigelemente von 'Aubachtal' tauchen auch auf den Spiegelfolien der 'Crash'-Serie auf. 
Foto: Joachim Fildhaut, Katalog | Die Konturen der flimmernden Zweigelemente von "Aubachtal" tauchen auch auf den Spiegelfolien der "Crash"-Serie auf. 

Es gibt nähere Verbindungen zwischen den einzelnen bildnerischen Aufgaben, denen sich Kranig laut seiner Witwe Gisela Schlemmer, einer promovierten Kunsthistorikerin, "besessen" widmete. Der ausgebildete Grafikdesigner bevorzugte das Quadrat. Oft sind die Szenen auf irgendeine Weise waagerecht bewegt und umspielen somit die Blickrichtung des Betrachters in das Bild hinein – eine einfache Konstellation, die dem Gemälde aber immer eine zusätzliche Intensität verleiht. Und so wie starke Symbolik manchem Werk tiefe Bedeutung gibt, so scheint auch hinter den simplen Grasstücken und Waldlichtstudien eine weitere, andere Ebene zu liegen. Noch einmal Schlemmer: "Mein Mann war ein sehr ernster Mensch."

Er konnte seine Zuschauer durchaus foppen

Der seine Zuschauer dennoch foppen konnte. Seine Städtefotos etwa hat er aus vielen, vielen Einzelaufnahmen zusammengesetzt, für die er seinen Standpunkt langsam verschob: Sieht aus wie Superweitwinkel, ist aber Collage. Nicht unter den 25 Exponaten im Spitäle, aber auf der Website des Künstlers zeigt sich so ein Venedig, wie man es nur in der Wirklichkeit für möglich gehalten hätte. Bei all diesen unterschiedlichen Techniken kam Jan Peter Kranig sein Mannheimer Gestaltungsstudium zugute.

Wenn er später keine Design-Aufträge abzuarbeiten hatte, saß er an seiner Staffelei, bis tief in die Nacht, berichtet Gisela Schlemmer. Sein erster Gang am Morgen galt der Leinwand: um zu sehen, wie die Farben bei Sonnenlicht wirkten. Denn entstanden sind sie, zum guten Teil aus dem Kopf heraus, unter elektrischen Strahlen.

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