BALDERSHEIM

Stadtrat vertagt Entscheidung über den Funkmast

Ulrich Wittfeld von der Firma Telent, die den Funkmast für den digitale Behördenfunk in Baldersheim errichten will, hatte keinen leichten Stand im Stadtrat. Dabei war er eigens noch einmal in den Stadtrat gekommen, um Fragen zu beantworten und um Zustimmung zu werben für den Antrag des staatlichen Bauamtes Würzburg, den Antennenträger nahe Baldersheim errichten zu dürfen.
So wollen's die Auber nicht: Der mit Antennen von Mobilfunkbetreibern gespickte ehemalige Fernsehverstärker oberhalb der Auber Heerstraße.
Foto: ALFRED GEHRING | So wollen's die Auber nicht: Der mit Antennen von Mobilfunkbetreibern gespickte ehemalige Fernsehverstärker oberhalb der Auber Heerstraße.

Wittfeld erinnerte daran, dass die in Deutschland geltenden Grenzwerte von 27 000 Millivoltmeter (mV/m) mit 70 mV/m beim ursprünglich geplanten, 710 Meter vom Ortsrand entfernten Standort am Wartturm und mit 45 mV/m beim 1,36 Kilometer entfernten Alternativstandort weit unterschritten werden.

Die Firma Telent ist zwar bereit, den Sendemast am Alternativstandort zu errichten, allerdings müsste dann der Mast nicht 40, sondern 50 Meter hoch werden und die Stadt Aub müsste die Kostenmehrung zumindest teilweise übernehmen.

Als Wittfeld die Frage von Bürgermeister Robert Melber, ob denn sichergestellt sei, dass nicht auch andere Funknetzbetreiber den Sendemast nutzen würden, ausweichend beantwortete, kam im Gremium deutliche Skepsis auf. Nach Wittfelds Aussage bewirbt der Freistaat Bayern zwar nicht, dass andere Netzbetreiber den Sendemast mit nutzen, würde sich dem aber auch nicht verschließen, wenn der Grundstückseigentümer dies wünsche.

„Wir sind gebrannte Kinder. Wir haben damals um einen Fernsehsenderverstärker in Aub gekämpft und gefeiert, als der Sendemast an der Heerstraße errichtet wurde. Heute ist der mit Mobilfunkantennen gespickt wie ein Igel und wir können unser Baugebiet nicht mehr vermarkten,“ begründete zweiter Bürgermeister Claus Menth seine Skepsis weiteren Senderbetreibern gegenüber.

Roman Menth wollte wissen, ob es möglich sei, durch vertragliche Regelungen andere Antennenbetreiber auszuschließen. Wittfeld schloss dies nicht aus. Auf die Frage, ob die Stadt eine Möglichkeit habe, den Standort abzulehnen, antwortete Wittfeld, dass dann das fehlende Einvernehmen der Stadt Aub durch die Regierung von Unterfranken ersetzt werde. Die Stadt könne nur Einfluss nehmen, wenn sie dem Bau zustimme und versuche, vertraglich weitere Nutzungen auszuschließen.

Edwin Schimmer, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft der Baldersheimer Flurbereinigung, schlug vor, das Alternativgrundstück, dass der Teilnehmergemeinschaft gehört, der Stadt Aub im Tausch zu übereignen. So könnte die Stadt selbst den Vertrag mit dem Vertreiber gestalten und zusätzliche Antennen ausschließen.

Auf die Anmerkung von Ratsmitglied Lioba Kinzinger, der Kostenanteil der Stadt Aub für den Alternativstandort sei zu hoch (im Gespräch sind rund 60 000 Euro) erwiderte Wittfeld, dabei handele es sich um einen Beschluss des Ministeriums, über den er nicht verhandeln könne.

Ob denn noch Zeit bleibe, mit der Teilnehmergemeinschaft über den Tausch und mit dem Ministerium über die Kostenbeteiligung der Stadt zu verhandeln, wollte dritter Bürgermeister Michael Neckermann wissen.

„Dieser Mast ist schon sehr rot. Für weitere Verzögerungen ist keine Zeit mehr,“ gab Wittfeld zu bedenken. Dennoch beschloss das Gremium abschließend einstimmig, eine Entscheidung über die Zustimmung zum Bau des Sendemasten auf die nächste Sitzung zu vertagen, um mit der Flurbereinigungsteilnehmergemeinschaft zu verhandeln und den Kostenanteil für den Alternativstandort der Stadt Aub nochmals zu überprüfen.

Schnell abgehandelt war im Gremium dagegen der Antrag Baldersheimer Bürger zur Standortsicherung für diesen Sender. Die Baldersheimer begründen ihre Ablehnung des vorgesehenen Standortes nahe des Wartturmes mit Interessen des Naturschutzes, des Denkmalschutzes und des Kulturschutzes. Sie wollen erreichen, dass der Funkmast auf dem weiter vom Ortsrand gelegenen Alternativstandort errichtet wird.

Dazu sollte nach ihrem Antrag die Stadt Aub ein entsprechendes Vorranggebiet für einen solchen Masten ausweisen, einen sachlichen Teilflächennutzungsplan erstellen und für andere mögliche Standorte eine Veränderungssperre erlassen.

Nach Aussage des Bauamtsleiters der Verwaltungsgemeinschaft, Volkmar Meyer, ist ein solcher Mast allerdings genehmigungsfrei. Wenn ein Grundstückseigentümer wie im Baldersheimer Fall sein Grundstück dafür zur Verfügung stellt, hat die Stadt keine Möglichkeit, den Bau zu verhindern.

Ein Vorranggebiet hätte somit keine Konsequenz, ebenso wenig die gewünschte Veränderungssperre. In der Abstimmung erhielt deshalb der Antrag der Baldersheimer Bürger nicht eine einzige Stimme.

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