Zell

Stichwahl: Rüthlein will in Zell die dicken Bretter bohren

Wer wird Nachfolger von Anita Feuerbach? Die Zeller SPD setzt auf den 32 Jahre alten Sebastian Rüthlein. Was hat er vor und was muss in Zell als erstes angepackt werden?
Sebastian Rüthlein (SPD) vor dem Zeller Rathaus.
Foto: Michael Pietschmann | Sebastian Rüthlein (SPD) vor dem Zeller Rathaus.

Sebastian Rüthlein ist seit 2008 im Zeller Marktgemeinderat. Der Enkel des Altbürgermeisters Dieter Weidenhammer wohnt mit seiner Frau im Zeller Klosterhof. Rüthlein, der von den Grünen unterstützt wird, will sich für mehr Bürgerbeteiligung und das Ehrenamt stark machen. Im ersten Wahlgang lag er zehn Stimmen vor seinem Herausforderer Joachim Kipke.

Frage: Haben Sie damit gerechnet, in die Stichwahl zu kommen?

Sebastian Rüthlein: Ich bin schon davon ausgegangen, es schaffen zu können. Sicher sein konnte ich mir bei zwei so starken Gegenkandidaten natürlich nicht. Das zeigt auch das knappe Ergebnis.

In Bayern gilt wegen des Coronavirus der Katastrophenfall. Wie können Sie denn gerade Wahlkampf führen?

Rüthlein: Infostände, Haustürbesuche und größere Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen fallen flach. Dafür setzen wir weiter auf klassische Aktionen wie die Verteilung von Flyern und die Plakatierung, aber auch Botschaften und Videos über die sozialen Kanäle. Auf unsere Inhalte sind wir schon ausführlich in den letzten Wochen eingegangen. Jetzt geht es darum, mehr Persönliches zu zeigen.

Welche Aufgabe muss in Ihrer Gemeinde als erstes gelöst werden?

Rüthlein: In meinen Augen die Arbeitsweise und Struktur im neuen Marktgemeinderat. In der zu Ende gehenden Wahlperiode waren wir zwei Fraktionen, künftig sind es vier. Allein deshalb müssen wir vieles umorganisieren. Mir wäre sehr daran gelegen, die Bürger mehr zu Wort kommen zu lassen, allen Parteien die gleichen Informationen bereitzustellen und die ganzen Abläufe transparenter zu machen. Der zweite und dritte Bürgermeister sollte mehr Kompetenzen erhalten, etwa die des neu zu schaffenden Umweltreferenten.

Wie stehen Sie zum neuen Flächennutzungsplan?

Rüthlein: So wie er jetzt aufgebaut ist, kann er nicht bleiben, weil es zu viele offene Fragen gibt. Daher muss er in meinen Augen komplett auf null gesetzt werden. Bei der anschließenden Entwicklung würde ich sehr stark auf Bürgerbeteiligung und vorherige Untersuchungen setzen.

Was sind Ihre wichtigsten Ziele für die nächsten sechs Jahre?

Rüthlein: Ich habe oft kritisiert, dass die Gemeinde viel auf Sicht fährt. Daher würde ich gerne auch ganz dicke Bretter angehen – wohlwissend, dass es bis zur nächsten Amtszeit dauert, diese zu durchbohren. Dazu gehören beispielsweise, eine tragfähige Lösung für eine Reduzierung des Straßenlärms der Staatsstraße oder ein bedarfsgerechtes Konzept für den öffentlichen Nahverkehr.

Welche Qualifikation bringen gerade Sie mit, um diese Ziele umsetzen zu können?

Rüthlein: Ich habe seit 12 Jahren im Gemeinderat Erfahrung gesammelt. In dieser Zeit habe ich sowohl Phasen des chronisch Überstimmt-werdens als auch der konstruktiven Suche nach Mehrheiten erlebt. Jetzt ist der Rat wieder sehr bunt. Ich traue mir zu, diesen sachorientiert zu führen. Zell hat kompetente Verwaltungsmitarbeiter. Als junger Beamter kenne ich mich gut im Verwaltungsrecht aus und bin ein Fan der Digitalisierung. Ich glaube, dass wir das Rathaus gemeinsam fit für die Zukunft machen können.

Was schätzen Sie an Joachim Kipke?

Rüthlein: Joachim Kipke ist ein herzlicher Mensch, mit dem man reden und auch witzeln kann. Und er ist ein hervorragender Goldschmied. Er hat mir den Verlobungsring für meine Frau gefertigt.

Was ist Ihr Lieblingsplatz in Zell?

Rüthlein: Da gibt es zwei. Zum einen bei Sonnenaufgang friedlich mit unserem Hund am Main zu sitzen. Zum anderen vorbei am "Brückle", die Neue Straße entlang spazieren und den herrlichen Blick über Zell und das Maintal genießen.

Sebastian Rüthlein ist 32 Jahre alt. Der dritte Bürgermeister ist SPD-Mitglied, verheiratet und Lehrer am Würzburger Deutschhaus-Gymnasium mit der Fächerkombination Physik, Mathe und Ethik.
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