WÜRZBURG

Stolperstein-Verlegung: Erinnerung mit Zeitzeugen

14. Stolperstein-Verlegung: 18 weitere Gedenksteine wird Gunter Demnig am Mittwoch in Würzburg verlegen. Ein ganz besonderes Ereignis, denn jüdische Verwandte oder Freunde der Opfer sind dabei.
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Es wird wohl für viele der ehemaligen jüdischen Würzburger Bürger ein sehr emotionaler Tag werden, wenn der Künstler Gunter Demnig am kommenden Mittwoch 18 neue Stolpersteine verlegen wird. Die Opfer, an die sie erinnern, waren nämliche Verwandte oder Freunde der Besucher, die ab Montag Gäste der Stadt sind.

An Sofie Reiss und Ida Freudenberger wird um 10.30 Uhr in der Bismarckstraße 10 erinnert. Ida Freudenberger (geb. 1870) kam 1887 mit ihrer Familie nach Würzburg. Ihr Mann führte in der Domstraße ein Textilgeschäft. Nach seinem Tod wohnte sie ab 1941 im jüdischen Altersheim in der Konradstraße 3. Am 23. September 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie nach nur drei Wochen starben.

Freudenbergers Schwester Sofie Reiss (geb. 1867) kam zusammen mit ihrem Gatten Hermann 1887 nach Würzburg, wo dieser eine Branntweinbrennerei und Likörfabrik gründete. Ihr Mann hinterließ ihr nach seinem Tode 1937 ein großes Vermögen, was bei der Gestapo denunziert wurde. 1940 wurde sie wegen Devisenvergehen festgenommen und bestraft. Der Deportation entging sie, indem sie am 15. November 1941 Suizid beging. Ihren Kindern gelang noch die Emigration.

Zweite Station wird um 10.50 Uhr die Schönleinstraße 7 sein sein, wo ein Stolperstein für Moritz (Moses) Stryker verlegt wird. Der 1888 in Galizien geborene zog 1910 zu seinem Bruder nach Würzburg und war als reisender Textilwarenhändler tätig. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg betrieb er eine Weingroßhandlung, zunächst am Sanderring, seit 1933 in der Schönleinstraße. Im Oktober 1937 floh er zu seinen Töchtern nach Paris. Von dort wurde er 1943 nach Auschwitz deportiert und vermutlich ermordet.

Um 11.20 Uhr wird an ihrem Wohnhaus in der Ludwigstraße 8 an Frieda Steinberg (geb. Rosenbaum) erinnert. Die gebürtige Würzburgerin (geb. 1881) war mit dem Kleiderfabrikanten Julius Steinberg verheiratet, der die Kleiderfabrik ihres Vaters führte. Nach seinem Tod wurde Frieda mit ihrem Sohn Teilhaberin der Firma. Ab 1933 lebte sie im jüdischen Altersheim in der Bibrastraße. Zusammen mit ihrer Schwester wurde sie am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 4. Juni 1943 ermordet wurde.

Um 11.45 Uhr wird ein Stolperstein für Bertha Löbmann in der Kapuzinerstraße 21a verlegt. 1871 in Mosbach geboren, zog sie mit ihrer Familie 1877 nach Würzburg, wo ihr Vater eine Hadern- und Knochengroßhandlung betrieb, in der auch ihr Mann Teilhaber war. Nach dessen Tod zog sie 1935 nach Frankfurt. Von dort wurde sie 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 5. November 1942 starb.

In der Hofstallstraße 3 wird um 12.05 Uhr ein weiterer Stolperstein zum Andenken an Hans Adolf, Fritz Max, Heinrich und Blanka Zeilberger verlegt. Alle vier gehörten einer Würzburger Textilkaufmannsfamilie an. Sie wurden am 20. Oktober 1941 von Frankfurt aus ins Ghetto Lodz deportiert und anschließend in einem Vernichtungslager ermordet.

Ein weiterer Stolperstein soll in der Franz-Ludwig-Straße 11 an Lazarus und Paula Stahl, geb. Oestreicher, erinnern. Er wird um 12.50 Uhr verlegt. Lazarus Stahl, Inhaber einer Eisenwarenhandlung, wurde bereits während des Novemberpogroms 1938 festgenommen und im KZ Buchenwald inhaftiert. Am 17. Juni 1943 wurde er mit seiner Frau nach Theresienstadt und im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert. Dort wurden beide ermordet.

Selma Pollak wurde 1887 in Giebelstadt geboren und lebte vermutlich ab 1939 bei ihrem Bruder in Würzburg und war als Haushaltshilfe tätig. Am 27. November 1941 wurde sie nach Riga ins Außenlager Jungfernhof gebracht und wenig später ermordet. An sie erinnert ein Stolperstein in der Domerschulstraße 25, der um 14.30 Uhr verlegt wird.

Um 14.50 Uhr wird ein Stein zum Andenken an Samuel, Berta und Karola Nußbaum in der Domstraße 32 verlegt. Samuel Nußbaum (geb. 1873) arbeitete ab 1892 als Schneidergeselle in Würzburg und gründete 1902 eine eigene Firma. Seine Schwägerin Berta und ihre dreizehnjährige Tochter Karola, die mit ihm zusammenlebten, wurden im November nach Riga-Jungferndorf deportiert, wo sie starben. Samuel wurde gemeinsam mit seiner Schwester Lina Mimetz am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er am 18. April 1944 starb. Für Lina Mimetz wird um 15.50 Uhr ein Stolperstein in der Franz-Ludwig-Straße 25 verlegt.

Klara Sichel wurde 1869 in Tauberrettersheim geboren. Mit ihrem Mann, einem Viehhändler, kam sie in den 1920er-Jahren nach Würzburg. Nach seinem Tod lebte sie im jüdischen Altersheim in der Bibrastraße. Im September 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert wo sie im Januar 1943 ein Opfer der unmenschlichen Lebensbedingungen wurde. Ihr Stolperstein wird um 15.20 Uhr am Peterplatz 4 verlegt.

Ida Grünebaum (geb. 1895) wurde ebenfalls am 23. September 1942 nach Theresienstadt und 1944 nach Auschwitz gebracht, wo sie ermordet wurde. Sie betrieb in Würzburg ein Schuhgeschäft in der Sterngasse. Ihr Stolperstein wird um 16.15 Uhr in der Dürerstraße 20 verlegt.

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