Rottenbauer

Test, Test, Test: Wie die Würzburger Corona-Studie in Kitas läuft

Die große Corona-Studie in Würzburger Kitas hat begonnen. Ihr Ziel: die Kinderbetreuung während der Pandemie zu sichern. Wie Kinder und Eltern den Test-Marathon empfinden.
Im Oktober hat in Würzburg die Wü-KiTa-CoV-Studie begonnen: Hier wird beim vierjährigen Timo vom Kinderhaus Schatzinsel in Rottenbauer ein Nasenabstrich gemacht.
Foto: Patty Varasano | Im Oktober hat in Würzburg die Wü-KiTa-CoV-Studie begonnen: Hier wird beim vierjährigen Timo vom Kinderhaus Schatzinsel in Rottenbauer ein Nasenabstrich gemacht.

Das Wattestäbchen wird zwei bis drei Zentimeter tief in die Nase geschoben. Mats muss niesen. "Kitzelt", kichert der Zweijährige auf dem Schoß seiner Mutter. So locker wie Mats sieht es Jonathan nicht. Der Vierjährige weint und hat ein bisschen Angst. Doch das lila Logo, das der Assistenzarzt in sein Raupenheft stempelt, überzeugt ihn, beim Corona-Test still zu halten. Mats und Jonathan sind zwei von 600 Teilnehmern der groß angelegten Studie "Wü-KiTa-CoV". Die Organisatoren - Stadt, Universität und Universitätsklinikum Würzburg -sprechen von einem "deutschlandweit einmaligen Monitoring in der Kinderbetreuung".

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1000 Personen wurden zu der Studie eingeladen, darunter Kinder und ihre Betreuer an neun Würzburger Kindertagesstätten. Dies entspreche etwa 20 Prozent aller in Würzburg betreuten Kinder unter sechs Jahre, sagt Oliver Kurzai, Professor für Mikrobiologe an der Universität und einer der beiden Studienleiter. Ziel sei es, zu verhindern, dass sich das Coronavirus unbemerkt in einer Kita verbreite und am Ende die ganze Einrichtung geschlossen werden müsse.

Außerdem wollen die Wissenschaftler und Ärzte herausfinden, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Corona-Virus tatsächlich spielen und wie man frühzeitig erkennen kann, wenn ein Kind oder Betreuer infiziert ist. Und vor allem geht es um die Frage, welche Untersuchungsmethode  und Kontrolldichte den Kindern dabei noch zuzumuten ist, so der zweite Studienleiter, Professor Johannes Liese, Leiter der pädiatrischen Infektiologie der Universitätskinderklinik.

Assistenzarzt Philipp Fecher mit dem dreijährigen Tom, der auf dem Schoß seiner Mutter sitzt. Nach dem Corona-Test gibt es einen Belohnungsstempel ins Raupenheft.
Foto: Patty Varasano | Assistenzarzt Philipp Fecher mit dem dreijährigen Tom, der auf dem Schoß seiner Mutter sitzt. Nach dem Corona-Test gibt es einen Belohnungsstempel ins Raupenheft.

Die Eltern von etwa 600 Kindern haben der Teilnahme an der Studie zugestimmt. Die Kita-Kinder lassen nun regelmäßige Nasenabstriche, Speichelproben und einen Fingerpieks bei der Blutentnahme für den nötigen Antikörpertest zu Studienbeginn über sich ergehen. "Dafür, dass es nicht immer angenehm ist, sind wir mit der Teilnehmerzahl sehr zufrieden", sagt Kinder- und Jugendarzt Johannes Liese. Die Teilnehmer werden nun regelmäßig auf das Coronavirus getestet. Einige von ihnen nur, wenn sie Zeichen einer Atemwegsinfektion zeigen. Andere unabhängig von Symptomen einmal pro Woche. Wieder andere sogar zwei Mal wöchentlich.

Corona-Tests wie am Fließband

Das bedeutet: Corona-Tests wie am Fließband, drei Monate lang. Geplant sind insgesamt 6000 Tests bis Januar. Wie verkraften das die Kinder? Die meisten, die an diesem Donnerstag im Kinderhaus Schatzinsel im Stadtteil Rottenbauer getestet werden, verziehen kurz das Gesicht. Der vierjährige Edwin zappelt. Die fünfjährige Diana trotzt. Tom, drei Jahre alt, und Santino, fünf, nehmen es gelassen. Scheinen aber froh, als das Wattestäbchen wieder verschwindet.

Denn zwar ist der Abstrich in der mittleren Nasenmuschel bei den Kleinen nicht vergleichbar mit dem tiefen Nasenabstrich bis zum Rachen bei Erwachsenen. Und auch wenn die angehenden Mediziner und Eltern sich viel Mühe geben, mit den Kindern spielerisch den Test hinter sich zu bringen: Angenehm scheint es nicht zu sein.

"Ich halte die Tests für sinnvoll, damit Infektionen schnell entdeckt werden und die Kita offen bleiben kann."
Julia Bergis, Mutter eines Vierjährigen

"Es ist erstaunlich, wie prima die Kinder mitmachen. Man merkt, dass die Eltern, die sich dazu bereit erklärt haben, dahinterstehen", sagt Studienleiter Liese. In den ersten drei Wochen habe man schon einen positiven Corona-Fall herausfiltern und somit ein "kleines Infektionsfeuer" in einer Einrichtung verhindern können. 

Gerade jetzt, in einer Zeit sprunghaft steigender Infektionsraten, mache die Studie besonders viel Sinn. "Es ist genau der richtige Zeitpunkt", so der Arzt. Bisher hätten Corona-Studien bei Kindern vor allem in der Phase des Lockdowns stattgefunden, daher blieben viele Fragen unbeantwortet. Liese erhofft sich aus der Würzburger Studie nun "entscheidende Antworten" dafür, wie es 2021 weitergehe. Die Studie wird vom Bundesforschungministerium mit 1,2 Millionen Euro gefördert.

Wie die Eltern den Test-Marathon sehen

Der Leiter der Rottenbauer Kita, Thomas Grob, lässt sich wie sein ganzes Team ebenfalls zwei Mal wöchentlich testen. Die Studie sei ein großer Gewinn für seine Einrichtung, sagt Grob, weil man gerade im Umgang mit kleinen Kindern keinen Mindestabstand einhalten könne. Testergebnisse lägen innerhalb von 24 Stunden vor. "Und das gibt auch meinen Kollegen die Sicherheit, dass sie, wenn sie mal angehustet werden, sich nicht gleich mit dem Coronavirus angesteckt haben."

Doch überwiegt bei den Kindern und ihren Eltern, die den dreimonatigen Test-Marathon über sich ergehen lassen, das Gefühl der Sicherheit oder die psychische Belastung? Auch dieser Frage geht das 20-köpfige Studienteam nach. Deshalb sind nicht nur Virologen, Epidemiologen, Mikrobiologen, Allgemeinmediziner und Kinderärzte dabei, sondern auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik. Die Kinder bewerten mit Smileys, wie es ihnen beim Testen ergangen ist. Die Erwachsenen geben ihr Feedback über Fragebögen ab. 

"Es ist hoffentlich hilfreich", meint Patrizio Fusarri. "Ich halte die Tests für sinnvoll, damit Infektionen schnell entdeckt und die Kita offen bleiben kann", sagt Julia Bergis. Alexa Friedel sagt, die Tests gäben ihr Sicherheit. Julia Moritz ergänzt: "Wir haben ältere Menschen in der Familie. Auch wenn es unangenehm ist, besser so, als wenn die ganze Familie krank wird." Und Andrea Zenker meint: "Schön ist das nicht, aber wir schaffen das."

Im Bild: Assistenzarzt Philipp Fecher mit Jonathan, vier Jahre, und seiner Mutter.
Foto: Patty Varasano | Im Bild: Assistenzarzt Philipp Fecher mit Jonathan, vier Jahre, und seiner Mutter.
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