Würzburg

Traditionsgeschäft: Warum der Pelzladen Drescher schließt

Nach 366 Jahren schließt das Geschäft Pelze und Leder Drescher seine Pforten. Was der Inhaber über die Gründe der Schließung in der Eichhornstraße sagt.
Joachim Drescher, Geschäftsführer der Firma Pelze und Leder Drescher, gibt sein Geschäft auf. 366 Jahre Firmengeschichte gehen so nun zu Ende. 
Foto: Ulises Ruiz | Joachim Drescher, Geschäftsführer der Firma Pelze und Leder Drescher, gibt sein Geschäft auf. 366 Jahre Firmengeschichte gehen so nun zu Ende. 

Ein großes weiß- und rotfarbenes Schild macht schon von Weitem darauf aufmerksam: "Räumungsverkauf" ist darauf zu lesen. 366 Jahre Firmengeschichte gehen hiermit zu Ende. Im Frühjahr 2021 schließt die Firma Pelze und Leder Drescher ihr Geschäft in der Eichhornstraße.

Die Wurzeln der von Jean Drescher Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Firma reichen weit zurück. Bereits 1654 nennt eine Chronik das Geschäft als Kürschnerei. Seither ging das Gewerbe immer vom Vater auf den Sohn über. "Mit einem Joachim hat es damals begonnen und mit einem Joachim wird es 2021 auch enden", berichtet Inhaber Joachim Drescher. Der "Urvater" des Familienbetriebs, wie Drescher sagt, hatte sich kurz nach dem 30-jährigen Krieg in Schweinfurt niedergelassen und dort eine Kürschnerei gegründet. Anfang der 1980er Jahre eröffnete sein Vater Hansgeorg eine Filiale in der Würzburger Schustergasse. Weil die Geschäfte gut gingen, musste schnell vergrößert werden: 1986 folgte der Umzug in die Eichhornstraße.

Online-Handel kommt für Inhaber nicht in Frage

Dass nun ausgerechnet er den jahrhundertealten Familienbetrieb schließen muss, schmerzt Joachim Drescher. Er nennt ein Bündel Gründe, die die Schließung in der Domstadt unumgänglich machen."Der Handel mit Pelzen ist grundsätzlich ein Saisongeschäft, im Winter muss der Großteil des Umsatzes erwirtschaftet werden", weiß er. Daher ergänzte die Firma das Sortiment schon vor Jahren um Artikel wie Taschen, Geldbeutel, Strohhüte sowie Dirndl, Tracht und Lederwaren, die auch im Sommer gehen.

Ein großer Banner macht deutlich: Der Laden schließt.
Foto: Ulises Ruiz | Ein großer Banner macht deutlich: Der Laden schließt.

Dennoch erschwerten die zunehmend warmen Winter und die heißen Sommer der vergangenen Jahre den Absatz der Waren. Auch wenn Pelz aus nachhaltiger, sauberer Erzeugung nach wie vor seine Liebhaber finde, so sei der Markt doch zu klein geworden, informiert die Firma in einer Pressemitteilung. Hinzu komme ein Wertewandel in der Gesellschaft, der einhergeht mit Veränderungen im Konsumentenverhalten. Dass vor allem die auswärtige Kundschaft zunehmend über die schlechte Erreichbarkeit der Innenstadt klagt, erschwere die Situation weiter. Nicht zuletzt hinterlässt auch der boomende Internethandel deutliche Spuren bei den alteingesessenen Geschäften in den Innenstädten. "Der Online-Handel kommt für uns nicht in Frage", erklärt der Inhaber. Dazu sei das Produkt zu hochwertig. Denn eine fachkundige Beratung finde man nicht im Internet, sagt er.

...doch dann kam Corona

Auch der Umbau der Eichhornstraße zur Fußgängerzone sitze den dort ansässigen Geschäftsleuten noch in den Knochen. "Dieser Herausforderung haben wir uns gestellt", sagt Drescher, trotz eines zeitweiligen Umsatzrückgangs von 30 bis 50 Prozent. "Die Jahre der Baustelle konnten wir mit unseren Rücklagen auffangen, da wir immer sparsam und umsichtig gewirtschaftet haben", so der Kaufmann. Geholfen habe auch das gute Baustellenmanagement in der Eichhornstraße: "Ende 2019 waren wir eigentlich wieder ganz gut dabei."

"Die Pandemie hat uns regelrecht ausgebremst."
Joachim Drescher, Inhaber

Doch dann kam Corona. "Die Pandemie hat uns regelrecht ausgebremst", kommentiert Drescher. Nach dem Shut-Down sei nichts mehr wie vorher gewesen. "Lieferanten konnten teilweise nicht liefern, weil Fabriken still standen. Kollektionen wurden gekürzt, der Dirndl- und Trachtenmarkt brach völlig zusammen." Auch die heimische Laufkundschaft nahm ab. "Steigende Inzidenzzahlen führen zu einem sofortigen Rückgang der Geschäfte", beobachtet Drescher.  Die zweite Welle jetzt im November verschärfe die Situation zusätzlich. Weil die Kosten gleichzeitig aber weiter laufen, "hat ein inhabergeführtes Unternehmen unserer Ausrichtung und Größenordnung kaum eine Überlebenschance", so Joachim Drescher.

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Den Zeitpunkt der Schließung hat der Geschäftsmann bewusst gewählt: "Es war mir ein großes Anliegen, dass meine langjährigen Mitarbeiterinnen, die kurz vor der Altersgrenze standen, noch geregelt in Rente gehen konnten, ohne kurz vor Schluss noch arbeitslos zu werden", macht er deutlich. Auch für die Stammkunden tue ihm die Schließung leid, denn "aufgrund der jahrelangen Bindung seien schon so etwas wie Freundschaften entstanden".

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