Würzburg

Umbenennung Würzburger Straßen: Das könnte der Fahrplan sein

Auf Empfehlung einer Kommission sollen NS-belastete Straßennamen in Würzburg verschwinden oder eine Erläuterung erhalten. Im Stadtrat ging es jetzt um den Zeitplan dafür.
Für den Heiner-Dikreiter-Weg gab die Straßennamenkommission eine Empfehlung zur Umbenennung ab.
Foto: Fabian Gebert | Für den Heiner-Dikreiter-Weg gab die Straßennamenkommission eine Empfehlung zur Umbenennung ab.

Es geht um Namenspaten Würzburger Straßen und ihre Verstrickung ins NS-Regime. Eine elfköpfige Kommission aus Wissenschaftlern und Stadträten hatte vier Jahre lang 120 Straßennamen untersucht, bei neun Namen sieht die Kommission Handlungsbedarf und gab in ihrem Abschlussbericht Empfehlungen ab.

Diese zielen auf Umbenennungen von Straßen oder erklärende Zusätze ("Kontextualisierungen") an den Schildern ab. Unter den betroffenen Namensgebern befinden sich in Würzburg so bekannte Personen wie Heiner Dikreiter, Begründer der Städtischen Galerie, Michael Kardinal Faulhaber und der Mozartfest-Begründer Hermann Zilcher.

Nach einer Vorberatung im Kulturausschuss beschäftigte sich jetzt erstmals der Gesamtstadtrat mit dem Thema. Von vornherein hatte festgestanden, dass der Stadtrat in seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag noch keine Entscheidung über einzelne Straßen treffen würde. Stattdessen stimmte das Gremium einstimmig einer Beschlussvorlage zu, nach der die Stadtverwaltung auf Grundlage des Kommissionsberichtes im Laufe des kommenden Jahres konkrete Umsetzungsvorschläge für Umbenennungen und Kontextualisierungen vorlegen soll. 

Debatte dürfte sich mindestens über ein Jahr erstrecken

Wie der Fahrplahn im nächsten Jahr sein könnte, erläuterte Kulturreferent Achim Könneke, der zugleich Leiter der Straßennamenkommission ist. Demnach würde der Stadtrat im Februar einige Grundsatzbeschlüsse über das weitere Vorgehen treffen. Ab März würden – Beschluss vorausgesetzt – Kontextualisierungen vorgenommen, im Sommer könnten sowohl Bürgeranhörungen als auch ein von der Kommission empfohlenes Symposium über Kardinal Faulhaber stattfinden.

Danach würden die Ergebnisse von Anhörungen und Symposium ausgewertet. Im Winter 2021/22 würde dann der Stadtrat über Umbenennungen entscheiden, im Vorfeld würden auch Vorschläge für neue Straßennamen erarbeitet. 

Die Arbeit der Straßennamenkommission erfuhr im Stadtrat breite Würdigung, ebenso die Tatsache, dass es in Würzburg die Debatte überhaupt gibt. "Es ist richtig, darauf zu schauen, ob diese Namen auf der Basis unserer Werte überhaupt noch gerechtfertigt sind", sagte SPD-Fraktionschef Alexander Kolbow. Konstantin Mack (Grüne) sprach von Straßennamen als "kollektivem Eigentum". "Wir müssen uns fragen, welche Werte unsere Stadt vertritt", sagte er und meinte mit Blick auf die Namenspaten: "Begangenes Unrecht wird nicht weniger schlimm, wenn man auch gute Taten verübt hat."

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CSU-Fraktionschef Wolfgang Roth mahnte mit Blick auf Angehörige der betroffenen Namenspaten einen sensiblen Umgang an, schließlich füge man "diesen Personen Schmerz und Leid zu". Christiane Kerner (ÖDP-WL) empfahl, dass sich auch Würzburger Schulen mit dem Thema beschäftigen sollten. Sebastian Roth (Linke) regte an, gleich noch weitere Straßennamen zu überprüfen, darunter Fritz Haber, der als "Vater des Gaskriegs" im ersten Weltkrieg gilt.

Den Blick auf juristische Aspekte warf Wolfgang Baumann (ZfW). Für die Namenspaten gelte ein "postmortales Persönlichkeitsrecht", das ein "hohes Schutzgut" sei. Ein Entzug der Namenspatenschaft bedeute ein "Unwerturteil" mit Auswirkung für Betroffene und Angehörige. Letztere sollten deshalb angehört werden – was Kommissionsleiter Könneke auch zusagte.

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