Würzburg

Vor 500 Jahren starb der Würzburger Abt Trithemius

Für das Grab des Abtes Johannes Trithemius, der in der Kirche des Klosters St. Jakob beigesetzt wurde, schuf kein geringerer als Tilman Riemenschneider die Grabplatte. Heute befindet sie sich in der Neumünsterkirche.
Foto: B. Wörz | Für das Grab des Abtes Johannes Trithemius, der in der Kirche des Klosters St. Jakob beigesetzt wurde, schuf kein geringerer als Tilman Riemenschneider die Grabplatte. Heute befindet sie sich in der Neumünsterkirche.

Er war einer der herausragendsten Historiker und Humanisten seiner Zeit, auch wenn er als Chronist manche Details erfand. Vor genau 500 Jahren verstarb am 13. Dezember 1516 in Würzburg der berühmte und hoch gelehrte Benediktiner Johannes Trithemius, Abt des Schottenklosters St. Jakob im Mainviertel.

1462 in Trittenheim an der Mosel – daher der latinisierte Name Trithemius – als Sohn von Winzersleuten geboren, verlor er früh seinen Vater, erhielt heimlich Unterricht bei einem Nachbarn, interessierte sich für klassische Sprachen und verließ, da er sich mit seinem Stiefvater nicht verstand, über Nacht sein Elternhaus. Zu Studien hielt er sich in Trier, den Niederlanden und Heidelberg auf.

Ein Würzburger Brief bestätigt die Existenz von Faust

Auf dem Weg von der pfälzischen Residenzstadt am Neckar nach Hause gelangte er im Januar 1482 in das Kloster Sponheim im Hunsrück. Dieses sagte ihm so sehr zu, dass er spontan eintrat, die Mönchsgelübde ablegte und bereits nach eineinhalb Jahren in Anerkennung seiner Begabung und seines Eifers mit nur 20 Jahren zum Abt gewählt wurde.

Wichtige Quelle für das Leben des Trithemius, den Freundeskreis und die geistigen Interessen ist sein zum Teil erhaltener Briefwechsel. Er lebte nach dem Motto alles, was in der Welt zu wissen ist, zu lernen; doch räumte er ein, dass hierzu ein Menschenleben zu kurz und der Geist zu schwach sei.

Hoch geachtet und dennoch suspekt

Im Kloster Sponheim konsolidierte er rasch die wirtschaftlichen Verhältnisse. Er ließ die Klostermühle neu aufbauen und die Einkünfte in Büchern erfassen. Als erster Historiker schrieb er eine Chronik des Konvents und erweiterte die noch kleine Klosterbibliothek zu einer der größten Humanistenbibliotheken in Deutschland. Über 90 Werke historischer, theologischer und bibliographischer Natur haben sich erhalten. In Basel ließ er 1494 ein umfassendes biographisches Verzeichnis kirchlicher Schriftsteller drucken. Der Kurfürst Joachim I. von Brandenburg bezeichnete ihn als den „Glanz unseres Zeitalters“.

Trithemius befasste sich aber auch mit Geheimsprachen und schrieb zwei kryptologische Werke. Durch eine doppelte Chiffrierung sollten geheime Botschaften, ohne Verdacht zu erregen, versandt werden können. Offensichtlich neigte er zu einer gewissen Prahlerei über seine übernatürlichen Fähigkeiten. 1503 geriet er in den Verdacht der schwarzen Magie. Es gab Gerüchte, er könne Tote zum Leben erwecken, habe höllische Dämonen beschworen, um Diebe und Räuber einzufangen, und könne die Zukunft weissagen.

Missgunst unter den Mönchen wegen seines gelehrten Umgangs mit den Größen seiner Zeit – beispielsweise traf er in Köln Kaiser Maximilian zu einem Gespräch über religiöse Fragen – und Anfeindungen wegen steigender Kosten für seine häufige Abwesenheit und den Ausbau der Bibliothek bewogen ihn 1506, den Konvent zu verlassen.

In Heidelberg traf er Konrad, den Abt des Würzburger St. Stephansklosters, der ihm die Leitung des Würzburger Schottenklosters St. Jakob anbot. Trithemius schien die Aussicht willkommen, in einer kleinen Gemeinschaft ein ruhiges, den Studien gewidmetes Leben zu führen und sagte zu. Der Würzburger Bischof Lorenz von Bibra zeigte sich begeistert, in seiner Diözese den berühmten Abt zu beherbergen, so dass Trithemius, als er im Oktober 1506 in Würzburg eintraf, gewählt und feierlich in sein neues Amt eingeführt wurde.

Grabmal von Riemenschneider

Dieses letzte Lebensjahrzehnt gestaltete sich äußerst fruchtbar. Erfolgreich ordnete er auch hier die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters, aktualisierte das Archiv, legte Besitzverzeichnisse sowie Rechnungsbücher an und baute die Bibliothek aus. Der Bischof förderte ihn finanziell. Trithemius schloss zahlreiche seiner literarischen, historischen und theologischen Werke ab, kaufte einen Globus, erwarb Erdkarten mit den neu entdeckten Gebieten in Amerika und astronomische Geräte.

Sein Interesse für die Schriftsteller der griechischen und römischen Klassik, für die Geschichtsschreibung und die Medizin war ungebrochen und hinderte ihn nicht, weiter den magischen Künsten – er glaubte wohl an Dämonen – anzuhängen.

Um seine genealogischen Theorien glaubhafter erscheinen zu lassen, erfand er einen Chronisten namens Hunibald; die fränkische Einwanderung nach Germanien datierte er aus dem vierten nachchristlichen in das fünfte vorchristliche Jahrhundert zurück. Großen Wert legte er indes auf weltliche Bildung, die ihm Vorstufe war zum Studium der Heiligen Schrift, zur Erkenntnis Gottes, zur Beschränkung der Leidenschaften und zur Besserung der Sitten.

Überraschend verstarb er kurz vor Weihnachten 1516 im Alter von 54 Jahren und 10 Monaten. Seine letzte Ruhestätte fand er, die „schillernde Persönlichkeit an der Zeitenwende“, so sein Biograph Klaus Arnold 1991, zuerst in der Kirche des Jakobsklosters. Das von Tilman Riemenschneider gestaltete, eindrucksvolle Grabmal steht heute in der Neumünsterkirche.

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