Würzburg

Warum Chemieprofessor Braunschweig den Forschungsrat begeistert

Erfolgreicher Chemiker: Gleich zweimal wurde der Würzburger Professor Holger Braunschweig mit dem „Advanced Grant' vom europäischen Forschungsrat ausgezeichnet.
Foto: Patty Varasano | Erfolgreicher Chemiker: Gleich zweimal wurde der Würzburger Professor Holger Braunschweig mit dem „Advanced Grant" vom europäischen Forschungsrat ausgezeichnet.

Was er als Kind werden wollte, weiß Holger Braunschweig nicht mehr ganz genau. Aber eines wusste er: „Alles, nur kein Chemiker!“ Er habe sich eher für Tiere, Pflanzen und Minieralien interessiert. Heute ist er Professor für Chemie an der Uni Würzburg und noch dazu sehr erfolgreich.

Gleich zweimal hat er für seine Forschungen eine hochdotierte Auszeichnung, den „Advanced Grant“ vom europäischen Forschungsrat (ERC) bekommen. Im Jahr 2001 und in diesem Jahr wurde er für seine Untersuchungen zum Element Bor ausgezeichnet.

Nüchtern und überlegt wirkt Holger Braunschweig, während er davon erzählt. Auch seine Entscheidung, Chemie zu studieren, hat der heute 53-Jährige aus rein rationalen Gründen getroffen, wie er selbst sagt. „Ich konnte mir vom typischen Studienverlauf her irgendwie vorstellen, dass das passt. Dass es Spaß macht. Dass man damit fertig wird.“ Er wurde damit fertig.

Nach Studium, Promotion und Habilitation an der Universität Aachen wechselte er als Senior Lecturer und später Reader für Chemie ans Imperial College in London. Im Jahr 2002 wurde er dann an die Universität Würzburg berufen, erzählt Braunschweig und lehnt sich zurück.

Vor ihm steht seine dunkelrote Kaffeetasse. „Same shit different day“ steht in großen, gelben Buchstaben darauf. Frei übersetzt heißt es etwa: Gleicher Mist, anderer Tag. Die Bilder an der Wand erzählen von seinen Arbeitsstationen, die gerahmten Urkunden von seinen Erfolgen.

Es ist ein unstetes, ein unplanbares Leben, das man als Wissenschaftler führt. Der Druck, immer neue Forschungsergebnisse vorlegen zu müssen, wiegt schwer. Und dann die permanente Sorge, ob die Fördergelder ausreichen und wo weitere Drittmittel zu akquirieren sind. „Das ist nicht unbedingt schön, vor allem wenn man Familie hat, bringt es Probleme mit sich. Aber man weiß es ja vorher.“

Braunschweig hat das nicht abgeschreckt. Viel zu sehr schlägt sein Herz für die naturwissenschaftliche Forschung. „Wir betreiben Grundlagenforschung. Das ist ganz wichtig, weil man damit wirklich Wissen schafft, weil man über die Grenzen des Bekannten hinausgeht.“ So wie bei seinen Forschungen zum Element Bor. Schon in seiner Doktorarbeit hat er sich mit dem Thema beschäftigt und es bis heute weiter untersucht.

Bor ist ein chemisches Element, das im Periodensystem neben dem Kohlenstoff steht. Früher waren die Bleichmittel in vielen Waschmitteln auf Perboratbasis. Auch in Gläsern ist Bor enthalten, damit die Silicate nicht kristallisieren. Bor-haltige Verbindungen werden etwa in Vielfarbdisplays, in Halbleitertechnologien und sogar in Krebsmedikamenten eingesetzt.

„Das Besondere an dem Element sind seine elektronischen und physikalischen Eigenschaften“, erklärt Braunschweig. Und die nimmt er nun schon seit mehr als 20 Jahren unter die Lupe. Die Ordner in seinem Büro erzählen von seiner Arbeit. „Polymere“ steht etwa darauf, oder „Kation - Anion“. Braunschweig möchte neue Verbindungsklassen realisieren. Ein zumeist wenig prestigeträchtiges Forschungsgebiet.

Nicht so bei dem Professor. Vor zwei Jahren veröffentlichte er eine Arbeit, in der er Mehrfachverbindungen von Bor nachwies. Zuvor hatte es in der Wissenschaft kaum gesicherte Erkenntnisse über Zwei- oder Dreifachbindungen des Elements gegeben. „Die Arbeit wurde in der Wissenschaft mit Begeisterung aufgenommen. Bor-Mehrfachbindungen bieten Eigenschaften, die es bislang nicht gab und die genutzt werden können.“ Wie? Daran arbeiten die Forscher derzeit.

Dieses Forschungsergebnis brachte ihm die zweite ERC-Auszeichnung ein – und 2,5 Millionen Euro Fördergelder. Eine Summe, die in der Wissenschaft schnell ausgegeben ist. „Wir haben ein teures Hobby“, sagt Braunschweig und lacht. Und eines, von dem er nach all den Jahren noch nicht genug hat. „Ich finde es faszinierend, zu versuchen zu verstehen, was da eigentlich passiert.“ Neugier ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Wissenschaftlers, sagt Braunschweig. Und neugierig ist er, keine Frage. Ob er schon auf den nächsten ERC-Auszeichnung hinarbeitet? Braunschweig zögert kurz, dann sagt er „ Schau'n wir mal. Es braucht ein tragfähiges Thema. Manchmal geht es dann ganz schnell.“

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Sara Sophie Fessner
Chemiker
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
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