Würzburg

Warum der dienstälteste Stadtrat Würzburgs geht

Nach 47,5 Jahren legt Erich Felgenhauer sein Mandat nieder. In den Stadtrat kam er 1966. Der Würzburger ist aus mehreren Gründen eine bemerkenswerte Persönlichkeit.
Erich Felgenhauer bei einer Führung durchs Röntgenmuseum.  
Foto: Theresa Müller | Erich Felgenhauer bei einer Führung durchs Röntgenmuseum.  

Er ist ein bunter Hund, ein sturer kann er auch sein und sein Bernhardinerhund "Philipp" war einst genauso stadtbekannt wie Herrchen Erich Felgenhauer. Als 25-Jähriger wurde er 1966 als Deutschlands jüngster Stadtrat gewählt. 53 Jahre später legt er an diesem Donnerstag als dienstältestes Mitglied des Rates sein Mandat nieder. Nachrückerin ist Julia Kock. 

"Wir bedauern das", sagt CSU-Kreisvorsitzende Christine Bötsch. Der christsozialen Fraktion gehört Felgenhauer 41 Jahre an. "Es gibt wenige, die mit so viel Herzblut für ihre Stadt brennen," sagt Bötsch über den 78-Jährigen. "Und wenige Politiker, die so bodenständig und für Bürger immer ansprechbar sind." Mit 47,5 Jahren Amtszeit ist Felgenhauer das dienstälteste Mitglied des Gremiums. Er sammelte regelmäßig Stimmenrekorde. Zuletzt wählten ihn die Würzburger 2014 von Listenplatz 20 auf Rang zwei vor. Mit fast 28 000 Stimmen erzielte er damals das drittbeste Ergebnis aller Kandidaten.

"Meine Sprechstunde halte ich auf der Straße."
Erich Felgenhauer über seine Politikstil

"Meine Sprechstunde halte ich auf der Straße", hat Felgenhauer seinen Politikstil selbst einmal beschrieben. Da war er noch rund um die Uhr unterwegs. Morgens zum Frühstücken im Café, abends bei Veranstaltungen oder in der Weinstube. Dazwischen radelte er durch die Stadt. In den vergangenen Monaten war er aber nur noch selten in der Öffentlichkeit.    

Er hat mindestens genauso viel Spaß, wie die Kinder: Erich Felgenhauer beim Ferienprogramm 1989.
Foto: Obermeier | Er hat mindestens genauso viel Spaß, wie die Kinder: Erich Felgenhauer beim Ferienprogramm 1989.

"Die Gesundheit lässt es leider nicht mehr zu", begründet Felgenhauer gegenüber dieser Redaktion seinen Rückzug. "Ich bin traurig, aber gleichzeitig auch froh, diese Pflicht abgeben zu können." Aufgrund seines angegriffenen Zustands habe er sich in den vergangenen Monaten zurück gezogen.     

"Die Gesundheit lässt es leider nicht mehr zu."
Erich Felgenhauer über seinen Rückzug

So lange er konnte, hat er sich engagiert. Zum Beispiel für den Tierschutz, damit verbunden den Bau von Taubenhäusern oder zur Geburtskontrolle der Vögel. Oder für das Stadtbild, zum Beispiel mit lautstarkem Protest gegen den Umbau des Kilianshauses am Dom. Aber auch für kleinen Dinge, wie den Bau von Toilettenhäuschen, kämpfte er. 

50-jähriges Wirken in der Stadt

Vor allem ging es ihm um die Menschen. So pflegt Felgenhauer zum Beispiel seit Jahren das Grab des linksradikalen Theatermachers Wolfgang Schulz – dem er in den späten 70er Jahren am liebsten die Werkstattbühne geschlossen hätte. "Altersmilde" bezeichnet sich der einstige Anti-Kommunist Felgenhauer heute. "Die Zeit war schön", sagt er über sein fast 50-jähriges Wirken in seiner Heimatstadt. Zu diesem  zählen neben der Kommunalpolitik auch unzählige Stadtführungen.       

Dritter Bürgermeister war Felgenhauer von 1978 bis 1990. Eine politische Zwangspause legte er zwischen 1996 und 2002 ein: Damals war er aus der CSU aus- und als parteiloser Oberbürgermeisterkandidat bei der Kommunalwahl angetreten. In der Stichwahl verlor er gegen den damals amtierenden OB Jürgen Weber und blieb die nächsten sechs Jahre dem Stadtrat fern. 2002 zog er mit dem von ihm mitgegründeten Bürgerforum wieder ein. 2008 kehrte er zur CSU zurück. 

Der damalige Präsident der Regierung von Unterfranken, Paul Beinhofer, überreichte Erich Felgenhauer 2007 eine Medaille für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung. 
Foto: Ruppert | Der damalige Präsident der Regierung von Unterfranken, Paul Beinhofer, überreichte Erich Felgenhauer 2007 eine Medaille für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung. 

"Er liebt diese Stadt und ihre Menschen", sagt Alt-OB Jürgen Weber über Felgenhauer. Die beiden kennen sich seit der Jugend, haben lange gemeinsam Kommunalpolitik gemacht und waren aber auch politische Gegner. Weber schätzt die "Formulierungskunst" Felgenhausers und dessen leidenschaftlichen Einsatz. "In den letzten gemeinsamen Jahren im Stadtrat haben wir uns auch  wieder gut verstanden."   

Blumen zum Interview

Andere Weggefährten schildern "den Erich" als einen aufmerksamen und hilfsbereiten Menschen. So ist zum Beispiel Charlotte Schloßareck (Bürgerforum Stadträtin) dankbar, dass er sie einst zur Kommunalpolitik gebracht und ihr viele Tipps und Tricks beigebracht hat.            

Dass im Junggesellen Felgenhauer ein Gentlemen alter Schule steckt, weiß auch die Autorin dieses Textes. Zu Interviews brachte er ihr immer einen Blumenstrauß mit. Damals durften älterere Männer so etwas noch tun und jüngere Journalistinnen das auch noch annehmen...

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