Heidingsfeld

Warum in Heidingsfeld jetzt ein Koffer aus Beton steht

Nach der zentralen Gedenkstätte am Hauptbahnhof, gibt es nun auch im Städtle einen DenkOrt. Was der Koffer in Heidingsfeld mit den Koffern am Hauptbahnhof zu tun hat.
Ein Beton-Koffer erinnert an die aus Heidingsfeld deportierten Juden. Benita Stolz, Josef Schuster, Christian Schuchardt, Johann Schweiger und Achim Könneke (von links) gehörten zu den ersten Besuchern am DenkOrt .
Foto: Johannes Kiefer | Ein Beton-Koffer erinnert an die aus Heidingsfeld deportierten Juden. Benita Stolz, Josef Schuster, Christian Schuchardt, Johann Schweiger und Achim Könneke (von links) gehörten zu den ersten Besuchern am DenkOrt .

Ein Koffer. Starr, aus Beton gegossen, steht nun vor den Stelen am Dürrenberg in Heidingsfeld. Niemand hat ihn hier vergessen. Er steht absichtlich an diesem Ort und ist mehr als ein simples Gepäckstück. Der Koffer soll an die jüdische Gemeinde erinnern und ein Mahnmal für die Deportation der Juden sein, die auch von Heidingsfeld aus durch die Nazis in Konzentrationslager verschleppt wurden.

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Koffer als Erinnerung und Mahnung an die Deportation jüdischer Mitbürger sind in Würzburg nichts neues. Vor rund vier Monaten wurde vor dem Würzburger Hauptbahnhof die zentrale Gedenkstätte DenkOrt Deportationen mit 47 Skulpturen in Form von Koffern und Rucksäcken installiert. Jedes Gepäckstück steht für eine jüdische Gemeinde aus Unterfranken und erinnert an die insgesamt 2069 Menschen, die zwischen 1941 und 1943 von dort aus verschleppt wurden. Jeder symbolische Koffer am Hauptbahnhof bekommt ein identisches Gegenstück in der jeweiligen ehemaligen jüdischen Gemeinde.  

Ein wachsender "DenkOrt"

Für Oberbürgermeister Christian Schuchardt ist das Projekt mit seiner zentralen Gedenkstätte am Hauptbahnhof und in den unterfränkischen Gemeinden einzigartig. Dabei sei der DenkOrt am Würburger Hauptbahnhof "der Knotenpunkt eines Netzes aus Gedenkstätten, das ganz Unterfranken überspannt" und ein "wachsendes Denkmal". Schon bald sollen weitere Gepäckstücke am Hauptbahnhof und in den jeweiligen Gemeinden hinzukommen. Vor der Schoa habe es rund 109 jüdische Gemeinden in Unterfranken gegeben, so Schuchardt. 

Für Benita Stolz vom Verein DenkOrt Deportationen e. V. trägt das Projekt auch zur lokalen Aufarbeitung jüdischer Geschichte bei: "Wir haben schon viele Gepäckstücke in ehemaligen jüdischen Gemeinden installiert. Es ist wunderbar, wie die jeweiligen Orte dafür ihre jüdische Geschichte recherchieren. In den Dörfern kommt dadurch eine ganz eigene Erinnerungskultur zustande."

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Im 19. Jahrhundert war die jüdische Gemeinde in Heidingsfeld nicht nur relativ groß, sondern auch bedeutend. So war das Wohnrecht für jüdische Bürger in der damaligen Stadt viel eher gegeben als in Würzburg und auch das ehemalige Rabbinat hatte seinen Sitz in Heidingsfeld, wie Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, erklärte.

Für Schuster ist das Denkmahl in Heidingfeld deswegen ein wichtiges historisches Zeichen: "Die zwei jüdischen Gemeinden in Heidingsfeld und Würzburg waren damals räumlich getrennt voneinander. Die Deportationen haben also in der Stadt und in Heidingsfeld stattgefunden, deswegen finde ich es richtig und historisch korrekt, wenn ein symbolisches Gepäckstück sowohl in Heidingsfeld als auch in der Innenstadt daran erinnert." Am 27. Oktober wird in der Altstadt ein weiterer "DenkOrt" eingeweiht und soll an die jüdische Gemeinde in der Stadt erinnern. 

Der Koffer wurde von den Berufsschülern der Josef-Greising-Schule in Heidingsfeld zusammen mit ihrem Fachlehrer Mario Metz entworfen. Die angehenden Straßenbauer und Straßenwärter haben die Schalung für den hellgrauen Koffer gefertigt und den Beton gegossen, wie Schulleiter Johann Schweiger erklärte.

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Dass gerade junge Menschen an der Entstehung des Mahnmals beteiligt waren, findet Oberbürgermeister Schuchardt "großartig", gerade in Anbetracht der aktuell zunehmenden antisemitischen Stimmung im Land und der damit verbundenen Straftaten.

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