Frickenhausen

Was König Salomon mit Frickenhausen zu tun hat

Bei der Restaurierung gab ein jahrhundertealtes Ölgemälde manches Geheimnis preis. Andere müssen erst noch gelüftet werden.
Im Sitzungssaal des historischen Rathauses von Frickenhausen erhält das knapp 400 Jahre alte Ölgemälde mit dem Urteil des Salomon einen Ehrenplatz. Im Bild Bürgermeister Günter Hofmann (links) und Peter Güttler, der die Restaurierung ermöglicht hat. 
Foto: Gerhard Meißner | Im Sitzungssaal des historischen Rathauses von Frickenhausen erhält das knapp 400 Jahre alte Ölgemälde mit dem Urteil des Salomon einen Ehrenplatz.

Wie lange das Ölgemälde schon im historischen Sitzungssaal des alten Frickenhäuser Rathauses hängt, wusste niemand so genau. Dass es das Urteil des biblischen Königs Salomon darstellte und die Ratsherren zu weisen Entscheidungen mahnte, ließ sich hinter Ruß und Patina allenfalls erahnen. Erst eine Restaurierung brachte jetzt ans Licht, was da seit Jahrhunderten ein wenig beachtetes Dasein fristete. Zu verdanken ist dies der Hartnäckigkeit von Peter Güttler und einer Handvoll großzügiger Spender. Doch die Geschichte des Bildes ist damit noch lange nicht zu Ende erzählt.

Seit Jahren stöbert Peter Güttler leidenschaftlich in den Kammern des alten Rathauses. Aus dem scheinbaren Gerümpel, das er dort vorfand, hat der kunstbeflissene Rentner bereits manche Überraschung zutage gefördert, darunter einen Taufstein aus dem 15. Jahrhundert und eine schmiedeeiserne Truhe mit einem geheimen Schließmechanismus aus der Zeit um 1580, in der früher vermutlich das Vermögen der Gemeinde verwahrt wurde.

Die Ortsgeschichte sichtbar machen

Peter Güttler hat es sich zum Ziel gesetzt, die Zeugnisse der Vergangenheit wieder öffentlich sichtbar zu machen und so das Interesse der Frickenhäuser für die bewegte Geschichte ihres Dorfes zu schärfen. "Ich möchte aus diesem Rathaus ein kleines Museum machen", sagt er. Mit der Ausstellung, die er inzwischen in der großen Rathaustenne aufgebaut hat, ist ihm der Anfang dazu bereits gelungen.

"Ich möchte aus diesem Rathaus ein kleines Museum machen."
Peter Güttler, Hobby-Historiker

Sein Wunsch, dem alten, geschwärzten Gemälde im Sitzungssaal auf den Grund zu gehen, scheiterte jedoch an den Kosten einer Restaurierung. "Ich habe erkannt, dass das keineswegs eine Laienarbeit ist", sagt Güttler. Darin hatte ihn auch Diözesankurator Wolfgang Schneider bestärkt. Der Kunstsachverständige ordnete das unsignierte Werk einem unbekannten fränkischen Meister in der Zeit um 1700 zu, erzählt Güttler. 

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Restaurator Christoph Schädel aus Randersacker veranschlagte eine Restaurierung auf 3000 Euro. Als Güttler damit vor zwei Jahren auf den Gemeinderat zuging, stellte der den Antrag erst einmal aus Kostengründen zurück, überließ es Güttler aber, selbst auf die Suche nach Finanziers zu gehen. Der nahm die Sache in die Hand und trieb neben einem Zuschuss der unterfränkischen Kulturstiftung Spenden von Firmen und privaten Gönnern auf. "Innerhalb von 14 Tagen war das Geld beisammen und es hat der Gemeinde keinen Cent gekostet", berichtet er.

König Salomon unter dem Fränkischen Rechen

Inzwischen hat auch Restaurator Schädel seine Arbeit vollendet. Schon die oberflächliche Reinigung zeigte, wie gut die leuchtenden Farben die Jahrhunderte überdauert hatten, schildert Peter Güttler. Die Leinwand und der Malgrund waren aber brüchig geworden. Daran trägt wohl auch die Hitze des Ofens Schuld, über dem das Gemälde früher gehangen hat. Dass es sich um das Werk eines fränkischen Meisters gehandelt haben muss, zeigt der Fränkische Rechen, der in dem Wappen über Salomons Thron zum Vorschein kam.

Den Rahmen ordnete der Restaurator der Entstehungszeit zu. Er war auf Spuren einer Vergoldung gestoßen, die er ebenfalls erneuerte. Unklar blieb aber, von wem und wann genau das Bild gemalt wurde. Dabei kam Peter Güttler nun der Zufall zur Hilfe. In einer Chronik fand er den Hinweis auf ein Ratsprotokoll aus dem Jahr 1624, in dem der Kauf des Bildes erwähnt wird. Damit wäre es noch 70 Jahre früher entstanden, als bisher angenommen, und ist beinahe so alt wie der Sitzungssaal selbst, dessen Vertäfelung und Ausstattung aus dem Jahr 1568 noch immer nahezu unverändert erhalten sind.

Spurensuche im Gemeindearchiv

Im Gemeindearchiv will Peter Güttler demnächst auf die Suche gehen, um auch das Geheimnis um den unbekannten Maler noch zu lüften. Bis dahin findet das Urteil des Salomon einen würdigen Platz über dem ehemaligen Ratstisch, an dem Brautpaare heute den Bund fürs Leben schließen.

Bürgermeister Günther Hofmann freut sich über das Engagement von Peter Güttler und seiner Frau Elke. "Es ist schön, dass sich jemand so für die Geschichte der Gemeinde einsetzt", sagt er, zumal die Restaurierung die finanziell klamme Gemeinde kein Geld gekostet hat. Statt des geplanten Empfangs mussten die Spender allerdings bislang mit einem Dankesschreiben vorlieb nehmen. "Das wird aber auf jeden Fall nachgeholt", verspricht Hofmann, "und einen guten Schoppen für die Spender gibt's natürlich auch."

Das Urteil des Salomon

Das Urteil des Salomon gilt als Sinnbild für weise und gerechte Entscheidungen und hat seinen Ursprung im Alten Testament. Erzählt wird von zwei Frauen, die beide behaupteten, die Mutter eines Neugeborenen zu sein. Um den Streit zu beenden, schlug König Salomon vor, das Kind in zwei Hälften zu teilen. Eine der Frauen willigte ein, die andere erklärte, auf ihren Anspruch zu verzichten, damit dem Kind kein Leid geschieht. Damit erwies sie sich als die wahre Mutter und bekam das Kind zugesprochen.
Quelle: Altes Testament, 1 Kön 3, 16-25
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