Zellingen

Wasser westlich von Würzburg muss weiter abgekocht werden

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Trinkwasseralarm – den gab es in Unter- und Oberfranken in den vergangenen Jahren mehrfach. Aktuell groß ist die Aufregung in den Gemeinden im westlichen Landkreis Würzburg sowie in Zellingen und Retzbach (Lkr. Main-Spessart): Insgesamt 49 400 Einwohner müssen seit einigen Tagen ihr Leitungswasser abkochen. Bei einer Routinekontrolle wurden gesundheitsgefährdende Keime im Hochbehälter in Zellingen nachgewiesen. Von dort aus fließt das Wasser in viele Gemeinden westlich von Würzburg. Betroffen ist der ganze Versorgungsbereich West des Zweckverbands Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM). Seitdem stehen die Telefone bei den beiden Gesundheitsämtern nicht mehr still.

Erster Fall der FWM seit zehn Jahren

Experten des Trinkwasserlabors der Fernwasserversorgung Franken (FWF) in Sulzfeld am Main hatten am Freitag drei Enterokokken (Fäkalkeime) je 100 ml Wasser entdeckt. Alle anderen mikrobiologischen Parameter lagen unter den Grenzwerten beziehungsweise bei Null. Die deutsche Trinkwasserverordnung regelt, bis zu welcher Konzentration Eisen, Natrium, Sulfat oder auch Chlor im Trinkwasser vorkommen darf. Enterokokken haben ebenso wie Kolibakterien nichts darin zu suchen.

„Bislang gab es in den vergangenen zehn Jahren im Versorgungsbereich des Zweckverbands (FWM) keinen einzigen Fall, in dem das Wasser abgekocht werden musste“, sagt die stellvertretende Werkleiterin, Eva von Vietinghoff-Scheel. Und doch gibt es immer wieder Fälle – auch in Unterfranken – in denen Umweltkeime ins Trinkwasser gelangen. Im Januar vergangenen Jahres beispielsweise mussten Anwohner in den Versorgungsbereichen Dallenberg und Nikolausberg, die von einer Tochterfirma der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs- GmbH (WVV) mit Wasser versorgt werden, ihr Leitungswasser abkochen.

Diese Aufforderung erhielten erst vor vier Wochen die Bürger von Hallstadt (Lkr. Bamberg), ebenfalls wegen Bakterien im Trinkwasser. Vor einem Jahr wurde aufgrund von Keimen und Enterokokken eine Abkochanordnung für das Stadtgebiet von Eltmann (Lkr. Hassberge) erlassen. Vor drei Jahren traf es die Gemeinde Theilheim (Lkr. Würzburg). Grenzwerte, hieß es damals aus dem zuständigen Gesundheitsamt, würden im Landkreis fünf- bis sechsmal pro Jahr überschritten. Ursache seien häufig Rohrbrüche.

Regelmäßige Routinekontrollen

Um Verunreinigungen im Trinkwasser möglichst zu verhindern, wird mit den Gesundheitsämtern ein Jahr im Voraus ein Probenahmeplan für Routinekontrollen erstellt. Es gibt Labore, die bei der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAKKS) registriert sind. Sie werden von den Wasserversorgern mit den Proben beauftragt und übermitteln ihre Ergebnisse direkt ans jeweilige Gesundheitsamt. Je nachdem, wie groß ein Unternehmen ist und welche Mengen Wasser durch sein Leitungsnetz fließen, variieren die Größe und der Umfang der Kontrollen.

Der Hochbehälter in Zellingen, der vom Zweckverband Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM) betrieben wird, wird alle vier Wochen kontrolliert. Er besteht aus drei Kammern. Zwei von ihnen gehören der FWM und einer der Trinkwasserversorgung Würzburg. Momentan ist nur eine der drei Kammern in Betrieb, da die beiden anderen gerade umgebaut werden. „Solche Wasserkammern wurden vor 30 bis 40 Jahren gebaut. Sie müssen genau wie Rohrleitungen schrittweise erneuert werden“, sagt Hermann Löhner, Werkleiter der Fernwasserversorgung Franken (FWF), dessen Labor die Enterokokken entdeckte. „Das Leitungsvolumen der zwei Kammern der FWM umfasst 7000 Kubikmeter – das entspricht sieben Millionen Liter Wasser.“ Die Fernwasserversorgung Franken hat für den Zweckverband FWM die technische Betriebsführung übernommen.

Ursache für Verunreinigung noch unklar

Nachdem am Freitag die Enterokokken entdeckt worden waren, die Durchfall und Übelkeit auslösen können, informierte das Gesundheitsamt sofort die Öffentlichkeit und erließ ein Abkochgebot für Leitungswasser. Am Wochenende setzten die Experten dem Trinkwasser Chlor bei, um alle Keime abzutöten. Am Sonntag hatte sich das Chlor dann in alle Ortsnetze verteilt. An mehr als 20 Standorten wurden Wasserproben eingesammelt. Diese werden derzeit noch im Labor ausgewertet. Ergebnisse waren am Montag noch nicht bekannt. Auch nach der Ursache für die Verunreinigung – möglicherweise Baumaßnahmen in der Nähe des Hochbehälters – wird noch gesucht. Krankheitsfälle in direktem Zusammenhang mit den Trinkwasserkeimen sind dem Landratsamt Würzburg bisher nicht bekannt.

Die Hotline des Gesundheitsamtes ist unter der Tel. (0931) 8003-5984 von Montag bis Freitag 7.30 bis 12 Uhr und Montag und Donnerstag von 14 bis 16.30 Uhr erreichbar.

Was Verbraucher wissen müssen

Betroffen ist der Versorgungsbereich West des Zweckverbands (FWM). Dazu gehören die Gemeinden Eisingen, Erlabrunn, Helmstadt, Hettstadt, Höchberg, Kist, Leinach, Neubrunn, Thüngersheim, Uettingen, Waldbüttelbrunn und Zell am Main (alle Lkr. Würzburg) sowie Zellingen mit Retzbach (Lkr. Main-Spessart). 
Wer dort das Wasser aus der Leitung trinkt, Lebensmittel wäscht, Geschirr von Hand spült, sich die Zähne putzt, das Wasser zur Wundreinigung oder Nasenspülung nutzt oder Haustiere damit versorgt, sollte das Wasser vorher einmal kurz und kräftig sprudelnd aufkochen, um Krankheitserreger abzutöten. Für Säuglingsnahrung sollte auf Flaschenwasser zurückgegriffen werden. 
Die Wasserversorgung ist in Unterfranken wie in ganz Deutschland eine kommunale Aufgabe. Das Wasser kommt aus über 560 Brunnen und 200 Quellen von rund 300 Unternehmen und Verbänden. Die kleinteilige, dezentrale Versorgungsstruktur ist historisch bedingt, weil viele Gemeinden beim Thema Wasser selbstständig bleiben wollten. 
Einige Gemeinden und Städte übernehmen die Aufgabe selbst – wie Würzburg, das die Wasserversorgung an die städtische Trinkwasserversorgung Würzburg GmbH übertragen hat. Diese fördert Wasser aus eigenen Quellen und bezieht zusätzlich rund 1,5 Millionen Kubikmeter vom Zweckverband Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM). (akl)
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