Würzburg

Welpen-Schmuggel: Wie es den in Würzburg geretteten Chihuahuas geht

Der illegale Handel mit Tieren im Internet boomt, erwischt werden die Verkäufer nur selten. Anders im Fall von drei kleinen Hunden, die das Tierheim Würzburg aufpäppelt.
Zwei der geretteten Chihuahua-Welpen, die aus Bulgarien importiert wurden und am Samstag auf dem Würzburger Talavera-Parkplatz verkauft werden sollten. 
Foto: Melanie Schmidt | Zwei der geretteten Chihuahua-Welpen, die aus Bulgarien importiert wurden und am Samstag auf dem Würzburger Talavera-Parkplatz verkauft werden sollten. 

Große braune Augen blickten die Beamten verängstigt aus zwei Hundekörben an. Die Strapazen, die die drei Chihuahua-Welpen hinter sich haben, kann man nur erahnen. Am vergangenen Samstagmittag hatten sie ein Ende: Dank einer Tierschützerin aus München ist in Würzburg ein Fall illegalen Welpenhandels aufgedeckt worden.

Mitarbeiter von Polizei und dem Fachbereich Verbraucherschutz, Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung der Stadt fingen auf dem Talavera-Parkplatz Verkäufer aus Mainz ab. Und sie stellten, so die Mitteilung der Stadt, drei Chihuahua-Welpen sicher. Die Tierschützerin hatte  im Internet nach unseriösen Verkaufsangeboten gesucht und war auf einen Scheinkauf der Chihuahuas eingegangen. Pro Welpe sollte sie 1800 Euro bezahlen.

Ohne gültige Tollwutimpfung aus dem Ausland transportiert

Diese Rechnung ging für die Händler nicht auf. Denn bei der Begutachtung der Welpen und der mitgeführten EU-Heimtierausweise bestätigte sich der Verdacht, dass die jungen Hunde ohne Mikrochip-Kennzeichnung und ohne gültige Tollwutimpfung aus Bulgarien nach Deutschland gebracht worden waren. Und zwei der drei Welpen laut Eintrag erst acht Wochen alt - deutlich zu jung für einen Transport aus dem Ausland. 

Auf dem Weg ins Tierheim: Der kleine Chihuahua-Rüde wird dort derzeit noch wegen eines Nabelbruchs behandelt.
Foto: Melanie Schmidt | Auf dem Weg ins Tierheim: Der kleine Chihuahua-Rüde wird dort derzeit noch wegen eines Nabelbruchs behandelt.

"Das hatte ich schon geahnt, als ich die Hunde auf einer Ebay-Anzeige entdeckte", sagt Melanie Schmidt im Gespräch mit der Redaktion. Die Münchnerin arbeitet seit 2015 ehrenamtlich im Tierschutz und verbringt jede freie Minute damit, illegale Verkaufsangebote aufzuspüren. "Schon bei den ersten Telefonaten mit der Verkäuferin konnte sie mir weder ein Bild des Muttertieres, noch eine Ahnentafel zeigen",  berichtet Schmidt. Zudem seien die drei Welpen im Hasenkäfig untergebracht gewesen. Also sei sie zum Schein auf den Kauf eingegangen, habe den Übergabe-Termin in Würzburg ausgemacht und die Polizei informiert. 

Alles sei schnell und reibungslos über die Bühne gegangen, sagt die Tierschützerin. Polizei und Veterinär Dr. Lieven Pool,  der Fachbereichsleiter der Stadt, seien sofort zur Stelle gewesen und hätten alles überprüft.

Kein Nachweis über Tollwutimpfung, aber Schutz vor Parvovirose

„Hinweise auf ein gestörtes Allgemeinbefinden der Tiere wurden bei der Erstuntersuchung nicht festgestellt“, sagt Pool. Da aber keine Information über eine Tollwutimpfung der Welpen vorliege und eine mögliche Einschleppung der tödlichen Zoonose unbedingt verhindert werden müsse, ordnete er Quarantäne an. Bis ein gültiger Impfschutzes vorliegt, müssten die drei Hunde isoliert im Tierheim Würzburg bleiben. Das könne mehrere Wochen dauern.

Pool zeigt sich zumindest erleichtert darüber, dass die zwei Hündinnen und der Rüde zumindest gegen Parvovirose, eine besonders für Welpen hoch ansteckende und akut verlaufende Infektionskrankheit mit starkem Durchfall geimpft waren. "Damit erhöht sich ihre Überlebenschance deutlich." 

Bei der tierärztlichen Untersuchung im Tierheim sei bei dem kleinen Rüden ein Nabelbruch entdeckt worden, berichtet Maxim Jochim, Tierpfleger und Sprecher des Tierheims. Ansonsten gehe es den drei Welpen entsprechend gut. "Sie sind stabil und werden jeden Tag gewogen." 

Bußgeldverfahren angekündigt

Dem Leiter des Fachbereichs Verbraucherschutz, Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung der Stadt liegt viel daran, den Händlern das Handwerk zu legen: "Wir leiten auf jeden Fall ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein", sagt Pool. Das lukrative Geschäft sei nur schwer einzudämmen. Den schlimmsten Fall habe er im vergangenen Jahr erlebt, als auf der A3 ein Transporter mit 99 Welpen aufgegriffen wurde. Dies sei aber eher selten. In Würzburg würden vier bis fünf Fälle pro Jahr bekannt.

Die Kosten für die Unterbringung im Tierheim - 75 Euro pro Tag ohne tierärztliche Versorgung - und für das Bußgeldverfahren gehen zulasten der Verkäufer. Wie hoch das Bußgeld sein wird, ist noch nicht klar. Ist es ein Wiederholungsfall? Wurden die Tiere gequält? Wollten die Verkäufer nur Geschäfte machen? "All das zu beweisen ist oft schwierig", sagt Pool aus Erfahrung. Und Tierschützerin Melanie Schmidt fügt hinzu: "Leider können die Besitzer, sofern alles bezahlt wurde, ihre Tiere wieder aus dem Tierheim abholen. Solange die Politik davor keinen Riegel schiebt, wird sich das nie ändern."

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