Höchberg

Wie Altbürgermeister Stichler zum Maulwurf von Höchberg wurde

Bereits Ende April sollte Peter Stichler geehrt werden, doch dann kam Corona. Nun wurde die Auszeichnung nachgeholt. Warum er auch bei kleinen Kindern ankommt.
Als 'Maulwurf' im Untergrund: Zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 1994 zeichnete Bürgermeister Peter Stichler für die Kanalsanierung in der Höchberg Haupt- und Heidelberger Straße verantwortlich.
Foto: Waltinger | Als "Maulwurf" im Untergrund: Zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 1994 zeichnete Bürgermeister Peter Stichler für die Kanalsanierung in der Höchberg Haupt- und Heidelberger Straße verantwortlich.

Keine herzliche Umarmung, nicht mal Glückwünsche per Händedruck, allenfalls der Ellenbogengruß – in diesen Zeiten ist alles anders. Dennoch war es ein überaus warmherziger Empfang, den der Höchberger Gemeinderat seinem ehemaligen Chef am Dienstagabend in der Kulturscheune bereitet hatte. Das Gremium hatte entschieden, Peter Stichler zum Altbürgermeister zu ernennen.

Anlässlich der Ernennung zum Altbürgermeister überreichte Bürgermeister Alexander Knahn (links) Peter Stichler das Gemälde, das jahrelang in dessen Dienstzimmer hing.
Foto: Conny Puls | Anlässlich der Ernennung zum Altbürgermeister überreichte Bürgermeister Alexander Knahn (links) Peter Stichler das Gemälde, das jahrelang in dessen Dienstzimmer hing.

Dies wäre unter normalen Umständen sicher in einem weitaus größeren Kreis geschehen, doch Corona nimmt auch auf lang gediente Bürgermeister keine Rücksicht. So fand die Feier lediglich im kleinen Kreis des aktuellen Gemeinderates statt. Dafür aber mit Sekt und Häppchen.

Viele Baumaßnahmen zur Weiterentwicklung der Gemeinde 

Die Ernennung unter all den Corona-Regeln bedauerte auch Bürgermeister Alexander Knahn in seiner Ansprache, denn "wie kann man Dank und Anerkennung am besten vermitteln als mit einem warmen Händedruck und einer herzlichen Umarmung?" Er versuchte es stattdessen mit würdigenden Worten zu Stichlers 26-jähriger Amtszeit, die mit einer riesigen Kanalbaumaßnahme 1994 begonnen hatte. "So wie wir dich heute Abend schon fast im Untergrund feiern müssen, hast Du deine Dienstzeit im Untergrund begonnen. Mit dem Kanalbau in der Haupt- und Heidelberger Straße wurdest Du zunächst zum Maulwurf von Höchberg", scherzte denn auch Thomas Scheder, der sich als dienstältester Gemeinderat für das Gremium bei Peter Stichler bedankte. In diesem Zusammenhang erinnerte er an die eigens dafür von Stichler gestaltete Bauzeitung mit dem Titel "Maulwurf", für die er oft noch nächtelang im Büro gesessen hatte.

Peter Stichler (Mitte) wird zum Altbürgermeister ernannt. Bürgermeister Alexander Knahn (rechts) und SPD-Gemeinderat Thomas Scheder übergaben die Urkunde.
Foto: Conny Puls | Peter Stichler (Mitte) wird zum Altbürgermeister ernannt. Bürgermeister Alexander Knahn (rechts) und SPD-Gemeinderat Thomas Scheder übergaben die Urkunde.

Schier unendlich scheint seine Umtriebigkeit in Bautätigkeiten gewesen zu sein, "auch wenn ich mir als Bauamtsleiter das ein oder andere mal anhören musste: 'Wir bauen ja gar nichts'", zitierte Knahn seinen ehemaligen Chef. Die Liste seines Wirkens liest sich allerdings anders: vom Baugebiet Mehle II über vier Seniorenwohnanlagen bis hin zur Kulturscheune und letztlich auch dem tegut-Neubau am Mainlandzentrum.

Du hattest stets ein offenes Ohr, warst immer positiv und freundlich."
Thomas Scheder, SPD-Gemeinderat

Vor allem die letztgenannte Baumaßnahme hob dann auch Stichler in seiner Rede hervor, weil ihm hier die Gemeinderatsdiskussionen besonders positiv in Erinnerung blieben. Selten sei eine Entscheidung in einem solch guten Konsens verlaufen, "auch wenn man es nicht allen recht machen kann". Indes aber sei es vor allem seinem Umgang mit Menschen geschuldet, dass er Höchberg so weit voran gebracht habe. Darin waren sich die Laudatoren Knahn und Scheder einig. "Man muss die Menschen lieben", zitierte Knahn seinen Vorgänger und beschrieb damit einmal mehr dessen Grundsatz, dass "Bürgermeister und Verwaltung für die Bürger da zu sein haben". Genau dies habe Peter Stichler "24 Stunden an sieben Tagen die Woche und 365 Tage im Jahr" gelebt, bemerkte auch Scheder in seiner sehr persönlichen Rückschau.

"Als Hans Dampf in allen Gassen" sei er Tag und Nacht für die Bürger, Vereine, seine Freunde und Familie dagewesen, "hattest stets ein offenes Ohr, warst immer positiv und freundlich", meinte Scheder und erinnerte an eine Anekdote von seinem damals dreijährigen Sohn Tobias, der auf Stichlers Frage hin, was er mal werden möchte, antwortete: "Bürgermeister - so wie du." Dann müsse er aber immer freundlich lächelnd und grüßend durchs Dorf gehen, riet ihm Stichler seinerzeit, woran sich der Knirps zur Freude seiner Eltern auch fortan gehalten habe - "bis zur Pubertät", scherzte Scheder.

Ein Gemälde zum Abschied

26 Jahre Dienstzeit sind aber nicht nur von positiven Erlebnissen, sondern auch von Schicksalsschlägen geprägt. Neben dem Tod der vier Gemeinderäte Alfred Wilhelm, Adolf Ullmann, Raimund Braunreuther und Jutta Schelberg traf Peter Stichler besonders der Tod seiner Frau Elli am 11. Januar 2019. "Sie war meine größte Stütze, mein Anker und mein Ruhepol", bedankte er sich posthum für ihren jahrelangen Rückhalt. Mit Aussicht, an diesem Abend aber zum dritten Mal Großvater zu werden, fasste sich Stichler schnell wieder und nahm umso freudiger das Abschiedsgeschenk des Gemeinderates entgegen: das Gemälde, das die letzten zehn Jahre in seinem Dienstzimmer hing.

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