Würzburg

Wie der Würzburger Landrat Thomas Eberth seine Zukunft sieht

Kaum im Amt, schon hat sich der neue Würzburger Landrat mit der Regierung angelegt. War das mutig? Oder zu wenig demütig? Welche Bilanz Thomas Eberth zieht. Ein Gespräch.
Seit einem halben Jahr ist Thomas Eberth Landrat im Landkreis Würzburg. Wie hat der 45-Jährige die ersten sechs Monate seiner Amtszeit erlebt?
Foto: Fabian Gebert | Seit einem halben Jahr ist Thomas Eberth Landrat im Landkreis Würzburg. Wie hat der 45-Jährige die ersten sechs Monate seiner Amtszeit erlebt?

Seit einem halben Jahr ist Thomas Eberth (CSU) Landrat. Der 45-Jährige hat sich viel vorgenommen, aber in Zeiten von Corona kommt für ihn und seine Politik doch alles anders als gedacht. Was hat er von seinen Wahlkampfthemen bereits umgesetzt? Wo hapert es noch? Und war es klug, sich gleich mit der Regierung anzulegen? Ein Gespräch über Mut, Demut und die Zukunft.

Frage: Mutig aber mit Demut wollten Sie das Amt des Landrats angehen. Wo waren Sie bisher mutig?

Thomas Eberth: Demütig wäre einfacher zu beantworten. Mutig war es sicher, die eine oder andere Entscheidung zu treffen. Da denke ich gerade an den Streit in der Landkreis-Feuerwehr. Und natürlich auch die Frage, wie stellen wir uns im Landratsamt künftig personell auf. Mutig war es auch, Container für die Mitarbeiter des Jugendamtes aufzustellen, damit das zusätzliche Personal für das Gesundheitsamt im Haus Platz hat. Und sicher war auch mein Wunsch, Christine Haupt-Kreutzer dem Kreistag als meine Stellvertreterin vorzuschlagen, ein mutiger Schritt.   

Hätte da nicht ein bisschen Demut gutgetan? Zumindest was den Respekt vor den Grünen angeht, die bei der Kommunalwahl als zweitstärkste Partei viel besser abgeschnitten haben als die SPD. 

Eberth: Nein, wie gesagt, das war ein mutiger Schritt. Ich habe mir gewünscht, eine Konstante zu haben. Und das ist Christine Haupt-Kreutzer, weil sie die erste Stellvertreterin des Landrats auch in der vergangenen Wahlperiode war. Ein Affront gegen die Grünen, geschweige denn gegen Karen Heußner, war das nicht. 

War es auch mutig, der Regierung mal zu sagen: 'Lasst doch Sieben gerade sein', als es um die Überprüfungen der Kommunalwahlen ging?

Eberth: Ob das mutig war, weiß ich nicht. Erfreut war die Regierung jedenfalls nicht über diesen Satz. Das wurde schon deutlich.

Es gab einen Anruf vom Regierungspräsidenten?

Eberth: Wir sehen uns oft genug und dann reden wir kurz drüber. Nun mal im Ernst. Es gab da mehrere Dinge, die mich verärgert haben. Beispielsweise, dass die betroffenen Kreisräte einen Bescheid bekommen haben – und wir im Landratsamt diesen erst drei Tage später zu Gesicht bekamen. Denn ich hätte gerne mit Winfried Weidner, der durch die Nachprüfung jetzt nicht mehr im Kreistag ist, persönlich gesprochen, bevor er es offiziell zugestellt bekommt. 

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'Lasst doch mal Sieben gerade sein': Der Satz fällt ihnen jetzt ein bisschen auf die Füße, weil gerade in Eisenheim, wo das Landratsamt die Wahl für ungültig erklärt hat, dieses Ermessen vom Landratsamt gefordert wird.

Eberth: Ich hätte in Eisenheim gerne die Sieben gerade sein lassen, wenn die Regierung nicht gesagt hätte, dass wir die Kommunalwahl überprüfen müssen.

Damit drücken Sie ja auch aus, dass nicht alles so genau genommen werden muss. Bereuen Sie Ihre Aussage im Nachhinein, gerade auch vor dem Hintergrund, dass in unserer Gesellschaft die Demokratie bisweilen auch angegriffen wird?

Eberth: Meine Aussage ist im Kontext zu sehen. Unter normalen Umständen gibt es überhaupt keine Diskussion darüber, dass eine Wahl korrekt ablaufen muss und alle ihren Job ordentlich machen. Der Satz, 'Lasst doch mal Sieben gerade sein', ist im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und einem Katastrophen-Fall gefallen, den es so noch nie gab. In diesem Kontext hätte man aufgrund der Sondersituation durchaus etwas großzügiger sein können. Es ist immer die Frage, wem schadet und wem nutzt es. In diesem Fall hätte es niemanden geschadet, wenn man die Akten zugelassen hätte. Denn der Demokratie wurde ja genüge getan. Es wurde ordentlich gewählt.

Landrat Thomas Eberth (rechts) im Gespräch mit den Main-Post-Redakteuren Torsten Schleicher (links) und Thomas Fritz. 
Foto: Fabian Gebert | Landrat Thomas Eberth (rechts) im Gespräch mit den Main-Post-Redakteuren Torsten Schleicher (links) und Thomas Fritz. 
Die ersten Monate ihrer Amtszeit waren ziemlich bewegt: Corona, die Wahlüberprüfung, der Zoff in der Feuerwehr, dann mussten Sie auch noch die Mobbing-Angelegenheit im Landratsamt aufarbeiten. Hätten Sie es sich ein bisschen ruhiger vorgestellt? 

Eberth: (lacht) Das ist eine sehr gute Frage. Es war ein Start mit 100 Prozent in einer Situation, in der das Ankommen nicht so möglich war, wie ich es mir vorgestellt hätte. Ich konnte die Mitarbeiter im Landratsamt noch nicht so kennen lernen, wie ich es mir gewünscht hätte. Gleiches gilt auch für das Abschiednehmen. Gerne hätte ich meinen Kollegen im Kürnacher Rathaus ordentlich Tschüss gesagt. Das mit der Feuerwehr, das gebe ich zu, hätte ich mir in dieser Dimension nicht vorgestellt.

Ist der Feuerwehr-Streit die größte Herausforderung für Sie als Landrat bisher?

Eberth: Es ist die emotionalste Herausforderung bisher, nicht die größte. Denn ich kann diesen Streit nicht verstehen. Vor allem verstehe ich nicht, warum gestandene Feuerwehrmänner so miteinander umgehen. 

Kommt da der Punkt, wo Sie bereuen, kein Dorfbürgermeister mehr zu sein?

Eberth: Nein, so leicht gebe ich nicht auf. Bis jetzt bereue ich den Schritt ins Landratsamt seltenst. 

Aber Sie bereuen ihn.

Eberth: Seltenst, denn es gibt auch genug positive Momente und Ergebnisse.

Wie oft haben Sie schlecht geschlafen?

Eberth: Ich schlafe relativ gut. Aber wenn ich jetzt auf die Auseinandersetzung in der Feuerwehr blicke, ist das schon etwas, das mich bewegt und schlechter einschlafen lässt. Weil ich mich immer wieder selbst hinterfrage: Habe ich einen Fehler gemacht? Vielleicht habe ich überreagiert oder bin ich vielleicht auf dem Holzweg?

Und welche Lehre ziehen Sie aus der Mobbing-Affäre? Ein Fachgebietsleiter Ihres Hauses konnte vor Beginn Ihrer Amtszeit auf seine Mitarbeiter ziemlichen Druck ausüben.

Eberth: Wir ziehen daraus nicht nur Lehren, sondern handeln und versuchen zum Beispiel auch mit einer Sozialpädagogin, die wir zur Betrieblichen Sozialberatung eingestellt haben, diese Problematik aktiv anzugehen. Mit ihr kann jeder Mitarbeiter ganz offen sprechen. Der andere Schwerpunkt ist das Coaching von Führungskräften, gerade zu der Frage, wie gehe ich mit Mitarbeitern um.

Kommen wir zurück zu Ihrem Wahlkampf. Sie haben versprochen, das Landratsamt soll ein Dienstleistungszentrum werden. Wie weit ist das denn schon gediehen?

Eberth: Ich glaube, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Man muss dazu sagen, dass es in Zeiten von Corona schwierig ist, Bürgeranfragen schneller zu beantworten. Wobei wir uns mit dem Corona-Bürgertelefon in diesem Bereich neu aufgestellt haben. Mir ging es um die Breitenwirkung und ein vernünftiges Beschwerdemanagement. Ich glaube, dass wir es in manchen Angelegenheiten schon geschafft haben, wieder zum Telefon zu greifen und mit den Betroffenen zu sprechen, statt einen Behörden-Brief zu schreiben. So werden wir als menschlich wahrnehmbares Landratsamt besser und damit auch für den Bürger freundlicher. Und das macht es aus. 

Haben Sie konkrete Anweisungen an die einzelnen Abteilungen gegeben, so zu agieren?

Eberth: Nein. Ich habe das zusammen mit meinen Geschäftsbereichsleiterinnen und Geschäftsbereichsleitern definiert. Und ich habe eine neue Stabsstelle integriert, die sich um die interne Kommunikation kümmert. Sie soll im Amt Verständnis füreinander wecken und das mitteilen, was nicht so gut läuft.  

Welchen Verbesserungsbedarf haben Sie denn in der internen Kommunikation gesehen?

Eberth: Vor allem soll das Verständnis der unterschiedlichen Fachbereiche füreinander verbessert werden. Was macht eigentlich meine Kollegin? Was hat die Hausspitze entschieden und warum ist das sinnvoll? Solche Fragen und Informationen sollen intern geklärt werden.  Und auch das Thema der Innovation ist hier angesiedelt, damit manche Prozesse verbessert werden können. Beispielsweise die digitale Ausrichtung oder das Beschwerdemanagement. 

Dienstleistungszentrum Landratsamt war eines ihrer Wahlkampfthemen. Ein anderes die Innenentwicklung in den Dörfern. Wie sieht es damit aus?

Eberth: Da bin ich einen großen Schritt vorangekommen. Ich möchte, dass die Gemeinden erkennen, dass sie attraktiven Wohnraum anbieten können. Ganz egal, wie weit entfernt sie von der Stadt Würzburg sind.  

Was haben Sie dafür konkret unternommen?

Eberth: Es gibt mittlerweile vier Entwürfe von Förderrichtlinien und ein Gesamtkonzept. Jetzt muss der Kreistag in der Haushaltsdebatte die Gelder dafür frei geben und die Ausschüsse über die Richtlinien debattieren. Dann will ich das den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern vorstellen. Dabei geht es um Öffentlichkeitsarbeit und die Beratung von Eigentümern, Gemeinden und Bürgern. Dazu gehören Architekten, die Mitarbeiter im Kreisbauamt und ein neu zu etablierender Innenentwicklungslotse. Wir wollen aber auch vernünftige Entsorgungswege aufzeigen, wenn es beispielsweise um einen Abbruch geht und gegebenenfalls finanziell fördern, wenn jemand einen städtebaulichen Mehraufwand hat – wenn er es also besonders schön machen will, soll er gefördert werden.  

Können Sie mal ein Beispiel dafür nennen?

Eberth: Wenn der beratende Architekt beispielsweise dazu rät, statt grüner Farbe für den Anstrich eine blaue zu verwenden und die Fenster lieber in Gelb sehen würde. Dass das Gebäude dadurch eben städtebaulich an frühere Strukturen anpasst wird und das gesamte Dorf einen Mehrwert hat und aufgehübscht wird. 

Einen Schwerpunkt seiner politischen Arbeit sieht Landrat Thomas Eberth in der Innentwicklung von Ortschaften. Das Foto entstand Anfang dieses Jahres im Zeller Altort 
Foto: Thomas Obermeier | Einen Schwerpunkt seiner politischen Arbeit sieht Landrat Thomas Eberth in der Innentwicklung von Ortschaften. Das Foto entstand Anfang dieses Jahres im Zeller Altort 
Was konnten Sie denn von Ihren Wahlkampfzielen noch nicht umsetzen?

Eberth: Dass sich das Personal des Landratsamtes auf mich neu einstellen kann. Ich hätte gerne einmal bei einer Personalversammlung alle kennengelernt, mich als Person und meine Ziele vorgestellt. Corona macht das im Moment leider etwas schwierig. 

Welche verkrusteten Strukturen haben Sie denn im Landratsamt gefunden?

Eberth: Keine, im Sinne von 'Da läuft aber etwas total falsch'. Ich glaube, dass das eine oder andere durch Corona von sich aus anders gelaufen ist als zuvor. Wir haben viele engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die müssen wir jetzt weiter motivieren. Dazu gehört auch das nächste Projekt, das ich jetzt angehen möchte: Es nennt sich 'Selbstverständnis Landratsamt'. Dabei stehen die Fragen, was sind wir, für was stehen wir, welche "Marke" verkörpern wir im Vordergrund. 

Zu einer Marke gehört auch ein Werbeslogan: Wie würde Ihrer fürs Landratsamt aussehen?

Eberth: Das sollte sich aus der Belegschaft heraus entwickeln. Das ist somit ein gemeinsamer Prozess. 

Aber Sie gehören ja auch zur Belegschaft.

Eberth: 'Wir für die Menschen' wäre mein Slogan.

Das ist aber schon sehr CSU-nah. 

Eberth: Nein, die haben 'Näher am Menschen' als Slogan. Freilich kann ich da meine politische Herkunft nicht verhehlen (lacht).  Aber, im Ernst. Wir als Landratsamt müssen uns bei allem was wir negativ und positiv kommunizieren besser verkaufen. 

Lassen Sie uns mal bei der Kommunikation bleiben. Die interne wollen Sie verbessern, für die nach außen gab es Kritik, zumindest was das Gesundheitsamtes betrifft. Warum waren Sie da so zurückhaltend?

Eberth: Wir waren doch nicht zurückhaltend. Wir können nicht nur für sämtliche Regierungsbehörden Statistiken füllen und für alle Medien Anfragen beantworten. Da möchte ich das Gesundheitsamt nach acht Monaten Dauerstress in Schutz nehmen. Ab und zu müssen wir auch unseren Job machen. Und da gab es auch von mir die klare Ansage in dieser heißen Phase der hohen Inzidenzen, dass das Gesundheitsamt sich um seine Arbeit und die Pressestelle sich um die Auskünfte kümmern soll. An einem Tag gab es zum Beispiel 38 Anfragen der Medien. Und alle wollten mit Dr. Löw, dem Leiter des Gesundheitsamtes sprechen. Da lag für mich die Priorität darauf, dass er seine Arbeit vernünftig tut, statt auf jede Presseanfrage zu reagieren. 

Unterschätzen Sie da nicht das öffentliche Interesse, das bei der Corona-Pandemie besonders groß ist?

Eberth: Freilich spricht jeder von Corona. Die Fragen werden immer medizinischer. Ich scheu mich davor nicht. Nur manchmal, gerade im Hinblick auf die virologische Entwicklung, braucht es die Experten des Gesundheitsamtes. Und da gebe ich zu, habe ich das öffentliche Interesse unterschätzt. Ich dachte, das Thema Corona sei in der Öffentlichkeit irgendwann einmal durch. Das war vielleicht etwas naiv von mir. Im Nachhinein wäre es vielleicht besser gewesen, einen medizinischen Pressesprecher einzurichten. Nur, ich habe niemanden, der es machen könnte. 

Sie sind jetzt 45 Jahre alt. Wenn Sie zwei Mal wiedergewählt würden, könnten Sie mit 62 in Pension gehen. Halten Sie das durch?

Eberth: Das ist ganz einfach zu beantworten. Ich bin froh und dankbar, dass ich in der Stichwahl zum Landrat gewählt wurde. Den Auftrag habe ich bis zum 30. April 2026. Wie es dann in fünfeinhalb Jahren aussieht - da würde ich mir heute noch keine Prognose zutrauen. 

Sie könnten sich also auch eine Karriere in München vorstellen?

Eberth: Ich würde für mich München, Berlin und Brüssel ausschließen. Weil ich Kommunalpolitiker mit Leib und Seele bin. 

Ihr Platz ist in Würzburg . . . 

Eberth: Mein Platz ist definitiv in der Region und soll es auch bleiben. 

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