Ochsenfurt

Wie Ochsenfurt Teil der Deutschen Fachwerkstraße wurde

Die größte Stadt im Landkreis Würzburg gehört zur Regionalstrecke Franken, die gerade konzipiert wird. Wie es dazu kam und wie die Stadt davon profitieren kann.
Allein die so genannte Fachwerkzeile entlang der Ochsenfurter Hauptstraße ist schon von herausragender Qualität - doch es gibt noch jede Menge weiterer Besonderheiten an Bauweisen und Zierwerk.
Foto: Antje Roscoe | Allein die so genannte Fachwerkzeile entlang der Ochsenfurter Hauptstraße ist schon von herausragender Qualität - doch es gibt noch jede Menge weiterer Besonderheiten an Bauweisen und Zierwerk.

Ochsenfurt ist neuerdings Teil der Deutschen Fachwerkstraße. Aktuell wird die Regionalstrecke Franken konzipiert. Sie ist die Nummer 8 im Verbund und trägt den Untertitel "Genuss mit Wein und Bier". Was ist zu erwarten?

Keine Frage, Ochsenfurt als Bier- und Weinstadt im Fränkischen Weinland hätte man kaum außen vor lassen können. Nichtsdestotrotz, es stehen zuvorderst die Fachwerkbauten im Fokus. Deren Qualität muss stimmen. Dass auch das der Fall ist, die Stadt "herausragenden Bestand an historischen Fachwerkhäusern besitzt, die das Stadtbild maßgeblich prägen", war der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte (Fachwerk-ARGE) mit Sitz in Fulda von Oberkonservator Christof Haas, Landesamt für Denkmalpflege, im Vorfeld bestätigt worden.

"Bewerben haben wir uns gar nicht erst müssen, nur Ja sagen", freut sich Katharina Felton, Leiterin der Ochsenfurter Tourist-Info über die Initiative:  "Wir wurden auserwählt und angefragt!" Natürlich hat sie Ja gesagt. Die Fachwerk-ARGE biete mit der Deutschen Fachwerkstraße ein etabliertes internationales touristisches Marketing für ein herausragendes Erbe: "historische Fachwerkstadt". Natürlich gegen einen Obolus, aber Felton schätzt den Verbund von aktuell 140 Städten mit herausragender Fachwerk-Prägung als starken Auftritt ein.

"Wir wurden auserwählt und angefragt."
Katharina Felton, Leiterin der Ochsenfurter Tourist-Info

Typischerweise sind viele von ihnen wie Ochsenfurt deutlich kleiner als 20 000 Einwohner, und das Erbe ist zugleich städtebauliche Aufgabe. Der Tourismus sei deshalb auch nur ein Aspekt der Fachwerk-ARGE. Vereinszweck ist laut Satzung "die Förderung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege". Gegenseitige Erfahrungsaustausche von der Stadtentwicklung bis zur energetischen Sanierung gehören dazu, fachliche Fortbildungen und nicht zuletzt das Bewusstsein für dieses Kulturgut zu fördern sowie die Fachwerkstädte lebendig zu erhalten.

Die Lobby organisiert unter anderem die Fachwerk-Triennale, bei der 2022 das bezahlbare Wohnen Thema ist. Aktuell ist das spannende Bemühen, die teils weit mehr als 500 Jahre alten Gebäude zu erhalten und mit zeitgemäßen Funktionen zu versehen, in Ochsenfurt gerade am Arkadenbau des Spitals oder dem Doppelhaus in der Brückenstraße zu erkennen, bei dem just die Generalsanierung begonnen hat. An den Gasthäusern "Zum Anker" und "Zum Schmied" hingegen wurden jüngst Netze angebracht. Weil das Holz arbeitet, platzt Putz ab, erklärt Restaurator Siegfried Scheder. Eine Fassadenreparatur wird fällig.

Neidköpfe an der Stadt-Apotheke.
Foto: Antje Roscoe | Neidköpfe an der Stadt-Apotheke.

Dass der Erhalt lohnt, lässt sich an der Fachwerkzeile in der Hauptstraße ablesen. Sie spricht für sich, stand wahrscheinlich kaum je schöner da, seit einige Häuser vor etwa zehn Jahren saniert wurden. Die lebendige Abfolge von unterschiedlichem Fachwerk aus dem fränkischen Raum und mit unterschiedlicher Zeitprägung macht die besondere Qualität dieser Zeile aus, sagt Scheder. Dazu kommt die historische Farbigkeit von Fachwerk, der man vor etwa 30 Jahren mit Untersuchungen auf die Spur gekommen war. Alle Fachwerkbalken braun zu streichen, sei im 20. Jahrhundert eine Fehlinterpretation gewesen, so der Fachmann.

Ein schönes Beispiel für den Erhalt ist auch die Ratsapotheke, ein gotischer Bau, bei dem mit der Sanierung zwar nicht das ganze Fachwerk, aber die Gesimse mit den Inschriften freigelegt wurden. Datiert auf 1450, dürfte der Gebäudeteil am Marktplatz zu den ältesten Fachwerkbauten Ochsenfurts gehören. Die meisten stammen aus der Renaissance, dem 15. Und 16. Jahrhundert, viele seien barock modernisiert und damit verputzt worden. Abzulesen ist das bei der ehemaligen Weinstube Fröhlich in der Badgasse, die sich mit barocken Arkaden im Erdgeschoss und darüber (verputztem) Fachwerk von 1490 zeigt.

Ochsenfurts "Fachwerk-Bürgermeister"

Unter anderem zum Tag des offenen Denkmals, aber auch mit speziellen Führungen zur Fachwerkstadt Ochsenfurt und historischen Bauweisen will Felton auch den Ochsenfurtern ihre Schätze ins Bewusstsein rücken. Einer, der bei diesem Thema gänzlich befangen ist, ist Bürgermeister Peter Juks, der rein fachlich schon als Fachwerk-Bürgermeister qualifiziert ist. Der Zimmerermeister mit Ingenieursdiplom ist im Giebelbau der Fachwerkzeile aufgewachsen und hat da "einfach ein Faible für den Altbau und das Fachwerk bekommen".

"Nicht einfach nur Sanierung, sondern denkmalpflegerische Sanierungen" seien vom ersten Moment an sein berufliches Thema gewesen. Klassisch mit Lehm und Stroh ausgefacht, ist sein Wohnhaus ein vor 26 Jahren selbst errichteter Fachwerkbau und damit eine der seltenen Neubauten. Juks steht dazu: "weil es typisch ist für das Maintal, uns einfach gefällt und vom Raumklima sehr angenehm ist".

Deutsche Fachwerkstraße, Regionalstrecke Franken

Die Regionalstrecke Franken – Genuss mit Wein und Bier - wird nach derzeitiger Planung mit einer Hauptstrecke im Süden geführt: Ochsenfurt, Marktbreit, Bad Windsheim, Markt Cadolzburg, und Baunach. An der nordwestlichen Schleife liegen bislang Haßfurt, Königsberg i. Bayern und Markt Lauringen. Der nordöstliche Abschnitt verbindet unter anderem Ebern, Untermerzbach, Markt Marktzeuln und Seßlach. Es gibt weitere Interessenten sowie die Möglichkeit, nach Thüringen anzuschließen. Aktuell wird an der Streckenbeschreibung und ihren Inhalten gearbeitet. Weitere Informationen unter www.deutsche-fachwerkstrasse.de und www.fachwerk-arge.de
Quelle: co
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