LINDLEINSMÜHLE

Wieder Debatten um Lindleinsmühle-Bad

Bad in der Lindleinsmühle: Im Stadtrat gab es wieder Debatten um Schließung oder Erhaltung. Ein Alternativkonzept sieht dort ein kleines Stadtteilzentrum vor.
Foto: THOMAS OBERMEIER | Bad in der Lindleinsmühle: Im Stadtrat gab es wieder Debatten um Schließung oder Erhaltung. Ein Alternativkonzept sieht dort ein kleines Stadtteilzentrum vor.

Eigentlich wollte Schul- und Kulturreferent Muchtar Al Ghusain eine Studie in den Fokus des Hauptausschusses stellen, in der es darum ging, ab wann und wie viele Schüler in Würzburg im Unterricht schwimmen lernen können. Darin enthalten waren auch verschiedene Szenarien, die Würzburger Bäder betrafen. Und als die Sprache auf das Hallenbad Lindleinsmühle kam, war das reine Thema Schulschwimmen vergessen und es setzte eine breite Diskussion über Erhalt oder Schließung ein. Eine Entscheidung trafen die Stadträte nicht, man einigte sich auf eine erste Lesung. Die Fortsetzung der Debatte steht am Donnerstag, 10. Mai im Schul- und Kulturausschuss und am 24. Mai im Stadtrat an. Und es werden weitere Termine folgen.

Das Bad in der Lindleinsmühle steht seit einigen Jahren nur noch den Schulen und Vereinen zur Verfügung. Nach einem aktuellen Stadtratsbeschluss wird das Bad geschlossen, sobald Reparaturen mit hohem Kostenumfang anfallen. Pro Jahr, so der Schulreferent, fallen Betriebskosten in Höhe von 200 000 Euro an. Nach einem Gutachten ist das Bad marode und eine Sanierung kostet zwischen 3,9 und 4,5 Millionen Euro.

Die Verwaltung hatte den Auftrag, sich Alternativen für ein Hallenbad einfallen zu lassen. Und die sehen nun laut Al Ghusain so aus: kleine Sporthalle für Schulen und Vereine; Aufenthaltsräume für ein Ganztagesschulangebot in der Lindleinsmühle; eine multifunktional nutzbare Mensa mit Küche; Büros für den allgemeinen Sozialdienst. Den Begriff kleines Stadtteilzentrum, das so mancher Stadtrat dann in die Runde warf, wollte der Referent allerdings nicht gelten lassen.

Unterstützung bekam Al Ghusain von Sozialreferent Robert Scheller. Der schilderte die Situation der Ganztagesbetreuung so: 50 Schüler seien derzeit im Gemeinde-Integrationszentrum am Schwarzenberg untergebracht. Doch das alte Gebäude in Bungalow-Bauweise sei dringend sanierungsbedürftig. Geschätzte Kosten: 1,2 Millionen Euro. Für Scheller ist das jetzige Hallenbad der ideale Standort, weil näher an der Gustav-Walle- und an der Wolffskeel-Real-Schule. Und auch der Sozialdienst, der die Lindleinsmühle betreut, braucht laut Scheller mehr Platz. Das Konzept ist für den Sozialreferenten eine runde Sache.

„Ich möchte wissen, was die Minimalsanierung des Hallenbades kostet“

Helga Hoepffner CSU-Stadträtin

Doch obwohl es seit März 2000 den Beschluss gibt, bei einer Groß-Reparatur zu schließen, stiegen die Parteien in der jüngsten Ausschusssitzung wieder in eine Grundsatzdiskussion ein. Besonders die CSU-Vertreter schienen plötzlich wieder über eine Rettung nachzudenken. Doch so konkret mochten es dann auch die beiden Partei-Vertreter Helga Hoepffner und Thomas Schmitt nicht in einen Beschlussvorschlag bündeln. Sie sammelten lediglich Argumente für den Erhalt des Bades. Hoepffner: Das Bad wird stark von Schulen und Vereinen genutzt; Die Fahrtzeiten für Schüler aus der Lindleinsmühle zu einem Schwimmunterricht in der Stadt wären viel zu lang, um dann einen Unterricht zu gewährleisten. Ich möchte wissen, was eine Minimalsanierung des Hallenbades kostet“, forderte sie. Die Zahl nannte der Referent: etwa eine Million für das Gröbste. Grünen-Chef Matthias Pilz hielt an dem Schließungsbeschluss fest. Er schlug vor, die Bürger im Stadtteil nach ihren Ideen für eine Weiternutzung zu befragen.

Eigentlich hatte SPD-Fraktionschef Alexander Kolbow schon für die Partei gesprochen: Würzburg habe zu viel Wasserfläche, die zu teuer ist. Das Nachfolgekonzept wäre ein Gewinn für die Lindleinsmühle. Doch dann brachte sein Vorgänger Hans-Werner Loew neben der Zustimmung zur Schließung Bedenken ein. Auch er forderte mehr Zahlen im Zusammenhang mit dem Bad in der Lindleinsmühle. Kämmerer Christian Schuchardt machte seinen Standpunkt deutlich: „Wir haben ein Gutachten, das sagt, das Bad ist ein wirtschaftlicher Totalschaden. Wenn wir uns jährlich über 200 000 Betriebskosten leisten wollen, verdrängen wir damit andere wichtige Investitionen.“

Die Bürgerinitiative, die für die Erhaltung des Bades kämpft, moniert, dass die Möglichkeit, das Bad zu erhalten und gleichzeitig Räume für die Ganztagesschüler zu schaffen, nicht zur Sprache kam. Denn durch den Rückbau der Einzelduschen und Umkleiden könnten laut Gutachten rund 250 Quadratmeter gewonnen werden. Auch die Notwendigkeit einer Mensa sieht die Bürgerinitiative und könnte sich vorstellen, diese auf dem Dach des Schwimmbades einzurichten. Eine Förderung durch den Freistaat gelte es einzukalkulieren.

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