Greußenheim

Wildschwein-Massen in Greußenheim?

Jäger Berthold Kirchner beklagt eine Wildschwein-Plage im Landkreis Würzburg bei Hettstadt, befürchtet gar ein Ausbrechen der Afrikanischen Schweinepest. Schuld soll das "Universelle Leben" sein.
Dieses junge, von Räude befallene Wildschwein hat Berthold Kirchner in seinem Revier geschossen. Foto: Berthold Kirchner
| Dieses junge, von Räude befallene Wildschwein hat Berthold Kirchner in seinem Revier geschossen. Foto: Berthold Kirchner

Berthold Kirchner ist Jagdpächter in Greußenheim (Lkr. Würzburg) - und er ist sauer. In seinem Nachbarrevier würden die Wildbestände "so hoch gezüchtet", dass eine "normale Bejagung" nicht mehr möglich sei, schreibt er an die Redaktion. Das Nachbarrevier gehört laut Auskunft der Unteren Jagdbehörde beim Landratsamt Würzburg der Internationalen Gabriele-Stiftung Verwaltungs-GmbH.

Gegründet wurde die Stiftung mit Sitz in Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) ausweislich ihrer Homepage von Gabriele Wittek, der "Prophetin" der Religionsgemeinschaft Universelles Leben, deren Anhänger sich als "Urchristen" bezeichnen - und die die Jagd ablehnen. Letzteres wurmt Kirchner. Er schreibt, dass durch die Untätigkeit seiner Reviernachbarn "eine Überpopulation" von Wildschweinen entstanden sei. Schwarzwild-Rotten von 30 bis 40 Tieren seien "keine Seltenheit".

"Nicht überdurchschnittlich"

Im Landratsamt weiß man von Wildschwein-Massen im Bereich Greußenheim allerdings nichts. Zwar sei die Zählung von Schwarzwild "nach jagdfachlicher Anschauung nicht möglich", sagt die Untere Jagdbehörde auf Anfrage der Redaktion. Anhaltspunkte für die Größe der Population ergäben sich aus der Zahl der geschossenen Tiere. Und danach sei "der Bestand an Schwarzwild im nordwestlichen Landkreis Würzburg" weder "auffällig hoch", noch "überdurchschnittlich".

Laut Eva-Maria Schorno, Pressesprecherin des Landratsamtes, gibt es keine "aktuellen Beschwerden von Bürgern aus und um Greußenheim" über zu viele Wildschweine. Landwirte und Jäger träfen gemeinsam "die erforderlichen Maßnahmen, um auftretendes Schwarzwild entsprechend zu bejagen und damit den Wildschaden nach Möglichkeit so gering wie möglich zu halten", sagt sie. "Größere Wildschäden durch Schwarzwild" im Bereich Greußenheim seien nicht bekannt. Schorno: "Im Gegenteil. Die Klagen über Wildschäden durch Schwarzwild liegen in diesem Jahr deutlich unter den Vorkommnissen der Vorjahre."

Bleibt das Thema Krankheiten. Jäger Kirchner fürchtet das "Nahekommen der Afrikanischen Schweinepest" (ASP), einer Viruserkrankung, die auch Hausschweine befallen kann und fast immer tödlich endet. Zwar ist die ASP nur für Schweine und nicht für andere Haustiere oder gar Menschen gefährlich. Allerdings ist die Krankheit meldepflichtig und laut der "Schweinepest-Verordnung" müssen alle Schweine eines betroffenen Betriebs getötet und "unschädlich beseitigt" werden, wenn sie auftritt. Laut dem Veterinäramt des Landkreises Würzburg sind aber in ganz Deutschland noch keine positiv auf ASP getesteten Wildschweine aufgetaucht.

Und die Räude, über die Waidmann Kirchner klagt? Das sei eine "parasitäre Erkrankung", die durch Sarcoptes-Milben verursacht werden, sagt das Veterinäramt. Impfstoffe gebe es, wie auch gegen die ASP, nicht. Die Hautveränderungen infizierter Tiere seien vermutlich "eine allergische Reaktion auf die Milben und ihre Abfallprodukte".

Räude durch Milben

Sarkoptes-Milben können laut Veterinäramt zahlreiche Säugetiere und auch Menschen befallen. Bei wild lebenden Tieren seien vor allem Füchse, aber auch Wölfe, Luchse und eben Wildschweine betroffen. Gelegentlich würden auch Menschen infiziert, die in direktem Kontakt mit erkrankten Tieren stehen. "In der Regel" dehne sich die Krankheit bei ihnen aber nicht aus und heile in einem Zeitraum "von wenigen Tagen bis einigen Monaten" spontan ab.

Jäger Kirchner tröstet das nicht. "Durch die Überpopulation", die entstanden sei, weil die Nachbarn vom UL nicht jagen, seien in seinem Revier etwa "zehn Prozent" der Wildschweine von Räude befallen, schimpft er. Diese Wildschweine seien "zum Verkauf nicht mehr geeignet". Der Waidmann: "Es macht keinen Spaß, dass man Sauen schießt und sie dann in die Tierkörperbeseitigung fährt."

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