Würzburg

Würzburg: Wo trotz Corona-Lockdown schon der Maibock gebraut wird

Der Bierabsatz der Gastronomie ist durch den Lockdown stark zurückgegangen. Wie geht es den Brauereien in Stadt und Landkreis? Sind Hopfen und Malz bereits verloren?
Chef Michael Will (links) und Betriebsleiter Heiko Fleischman von der Goldenen Gans in der Burkarderstraße zwickeln den vor wenigen Tagen für den Biergarten eingebrauten Maibock.  Am 1. April will Will ihn eröffnen. Wenn das nicht klappt, wird's schwierig, sagt er.
Foto: Ulises Ruiz | Chef Michael Will (links) und Betriebsleiter Heiko Fleischman von der Goldenen Gans in der Burkarderstraße zwickeln den vor wenigen Tagen für den Biergarten eingebrauten Maibock.  Am 1.

Ein Jahr  mit Corona ist vergangen. Ein Jahr, in dem vieles nicht so war, wie man es gewohnt war.  Feiern und Feste, die bislang unverrückbar zum Jahreslauf gehörten, sind ausgefallen. Die Gastronomie hatte mit neuen Hygienevorgaben zu kämpfen, wenn sie denn überhaupt öffnen durfte. Getroffen hat dies auch die Brauereien. Der Verband Private Brauereien und der Deutsche Brauer-Bund schlugen jetzt mit einem Offenen Brief Alarm, den binnen weniger Tage rund 300 deutsche Brauereiinhaber unterzeichneten. Wie sind die  Brauereien in Stadt und Landkreis bislang durch die Pandemie gekommen?

Sorgfältig prüft der Brauer die Temperatur des Suds.
Foto: Ulises Ruiz | Sorgfältig prüft der Brauer die Temperatur des Suds.

Bei der Würzburger Hofbräu in der Zellerau spüre man die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich, heißt es auf Anfrage. Denn je nach Bereich sei der Absatz um bis zu 50 Prozent zurück gegangen.

"Wir wollen am 1. April starten."
Michael Will, Biergarten Goldene Gans

Weil man sich aber rechtzeitig auf den Lebensmittelhandel und die Getränkefachmärkte konzentriert habe, sei die Brauerei zwar sicher durch das Jahr 2020 gekommen, aber die Verluste durch den Lockdown in der Gastronomie und den gänzlichen Wegfall des Eventgeschäfts habe man leider nicht komplett ausgleichen können, schreibt Matthias Klingbeil, Produktmanager bei der Hofbräu.

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Das wirtschaftliche Ausmaß für die Brauerei sei im Moment nur schwer einschätzbar, weil ja noch niemand wisse, wie lange die derzeitige Ausnahmesituation andauere. Deswegen sei für Teile der Belegschaft zunächst bis zum 19. März dieses Jahres Kurzarbeit eingeführt worden, das Kurzarbeitergeld werde dabei von der Brauerei auf mindestens 80 Prozent aufgestockt, heißt es weiter.

"Das letzte Jahr ist den Umständen entsprechend gut gelaufen"

Unterhalb des Schloßbergs im Würzburger Mainviertel wird in der Burkarder Straße seit 1989 im Keller der Goldenen Gans Bier gebraut, wenn auch in weit kleinerem Ausmaß als bei der Hofbräu. Es ist eine klassische Hausbrauerei, der Absatz erfolgte bis zur Verpachtung der eigenen Gaststätte hauptsächlich über diese. Seit über zehn Jahren geht der Großteil des selbstgebrauten Bieres jetzt im Sommer im Biergarten "Goldene Gans" an der Schleuse unterhalb der Alten Mainbrücke über den Tresen.

"Das letzte Jahr ist den Umständen entsprechend gut gelaufen", sagt Chef Michael Will. "Weil wir den Biergarten ein bisschen erweitern konnten und unser Hygienekonzept gegriffen hat, war es eigentlich in Ordnung", zieht er Bilanz. "Wir freuen uns jetzt auf die Saison und hoffen, dass es bald losgehen kann."

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Ab Mitte März wird der Biergarten wieder aufgebaut. "Wir wollen am 1. April starten", erklärt Michael Will.  Und was, wenn Corona in diesem Jahr kein Biergartengeschäft und damit keinen Bierverkauf zulässt? "Dann wird's natürlich schwierig", sagt er - und nach kurzem Zögern: "Dann wird es auch bei uns eng." 

„Ein Drittel der Kunden können wir nicht mehr beliefern“

Mit einem „Tja“ beginnt Karl-Heinz Pritzl, angesprochen auf die Situation seiner Kauzen-Brauerei in Ochsenfurt. „Ein Drittel der Kunden können wir nicht mehr beliefern“, bilanziert er. Das könne auch der Flaschenbierverkauf, der besser laufe, bei weitem nicht auffangen. Der Betrieb bei Kauzen läuft derzeit in Kurzarbeit. „Wir können es schon noch ein wenig durchhalten,“ sagt der Brauereichef, aber: „Wie lange unsere Kunden?“ fügt er sorgenvoll hinzu.

Dietrich Oechsner von der Privatbrauerei Oechsner in Ochsenfurt glaubt nicht, dass heuer große Feste stattfinden werden. 
Foto: Privatbrauerei Oechsner | Dietrich Oechsner von der Privatbrauerei Oechsner in Ochsenfurt glaubt nicht, dass heuer große Feste stattfinden werden. 

Denn nachdem im vergangenen Jahr alle Feste ausgefallen sind, sowohl das große Bratwurstfest als auch Feste der Vereine, und auch heuer wohl nichts möglich sein wird, hofft Pritzl wenigstens auf die baldige Öffnung der Gastronomie, die „vorbildliche Hygienekonzepte“ habe. Denn normalerweise sei man für Feste von Mai bis August ausgebucht. Aber ein halbvolles Bierzelt, mit zwei Meter Abstand sitzen, eine Musik, die keine Stimmung machen darf – nein, das kann sich Pritzl nicht vorstellen. „Das Bierzelt lebt von der Nähe der Menschen.“

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Auch sein Ochsenfurter Kollege Dietrich Oechsner von der Privatbrauerei Oechsner schlägt ähnliche Töne an. Er spricht vom Wegfall eines bedeutenden Teils des Umsatzes wegen der Schließung der Gastronomie. „Es ist nicht in Ordnung, wie die Politik mit unseren Kunden umgeht.“ Nachweislich sei hier nur ein sehr geringes Infektionsgeschehen ausgegangen.

Karl-Heinz Pritzl (rechts) und sein Sohn Jacob Pritzl sind Inhaber der Kauzen Brauerei in Ochsenfurt. Auch bei ihnen verursacht der Lockdown einen Umsatzeinbruch.
Foto: Thomas Obermeier | Karl-Heinz Pritzl (rechts) und sein Sohn Jacob Pritzl sind Inhaber der Kauzen Brauerei in Ochsenfurt. Auch bei ihnen verursacht der Lockdown einen Umsatzeinbruch.

„Warum differenziert man nicht nach Regionen?“ fragt Oechsner, auch mit Blick auf den geöffneten Einzelhandel. Zum Glück habe man in der Vergangenheit solide gewirtschaftet. Denn für heuer seien eigentlich auch keine großen Feste seriös planbar, blickt er in die Zukunft.

„Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben“

Ein „Covid-Null“ werde es nicht geben, glaubt sein Kollege von der Kauzen-Bräu. „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben“, sagt Pritzl. Trotz der schwierigen Situation schaut er optimistisch in die Zukunft: „Wir werden es schaffen, aber es trifft uns sehr hart.“

Auch bei der Hofbräu in Würzburg würde man sich sehr freuen, wenn in absehbarer Zeit die Gastronomie wieder öffnen und möglichst viele Feste und Veranstaltungen stattfinden könnten, heißt es. Dort hält man es noch für zu früh, um verbindliche Aussagen treffen zu können.

Und Alles oder Nichts heißt es in der Goldenen Gans. Denn Chef Michael Will will nur noch nach vorne schauen: "Es muss ja weitergehen. Ich habe gerade den Maibock für den Biergarten eingebraut", sagt er.

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