Würzburg

Würzburger kaufen das Post-Areal am Bahnhof

Nach 13 Jahren will die Würzburger Beethovengruppe Posthalle und Hochhaus umgestalten. Geplant sind Wohnungen, Hotels und Büros. Der Konzertbetrieb geht zunächst weiter.
Würzburger kaufen das Post-Areal am Bahnhof       -  Das Posthochhaus grenzt das 33 500 Quadratmeter große Grundstück des Post-Areals zum Bahnhof hin ab. Seit 2003 wird eine neue Nutzung der Posthallen geplant.
Foto: Theresa Müller | Das Posthochhaus grenzt das 33 500 Quadratmeter große Grundstück des Post-Areals zum Bahnhof hin ab. Seit 2003 wird eine neue Nutzung der Posthallen geplant.

Die Würzburger Beethovengruppe hat das Post-Areal am Bahnhof gekauft. Die Geschäftsführer Niko Rotschedl und Alexander Weigand bestätigten gegenüber dieser Zeitung, dass ihre Projektentwicklungsgesellschaft Bismarckquartier GmbH das Gelände kürzlich vom mfi-Nachfolger Unibail-Rodamco erworben hat.

Frühesten in drei Jahren soll das rund 33 500 Quadratmeter große Grundstück mit Posthalle und Hochhaus umgestaltet werden. Geplant sind dort Wohnungen, Hotels, Büros sowie Nahversorgungseinrichtungen. Das Gelände wartet seit 13 Jahren auf eine Umnutzung.

Rund 50 verschiedene Mieter nutzen momentan das Areal, das vor 13 Jahren seine eigentliche Funktion als Sortierzentrum verloren hat. Die Mieter wurden bereits vom bisherigen Immobilienverwalter „mfi Shopping Center GmbH“ auf den Eigentümerwechsel hingewiesen.

Im zehnstöckigen Posthochhaus sind unter anderem das Regionalstudio Mainfranken des Bayerischen Rundfunks, Büros der Rexroth AG, eine Gemeinschaftspraxis und eine Postfiliale untergebracht. Räume in den Posthallen nutzen unter anderem Start-Up-Unternehmen, Grafiker, Fotografen, eine Tanzschule sowie seit kurzem ein 3D-Minigolf-Betreiber.

Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen finden im Keller der Halle im Jugend-Treff Immerhin und seit 2008 in der rund 3000 Quadratmeter großen Posthalle statt. Betreiber Jojo Schulz sagt gegenüber der Redaktion: „Wir machen weiter wie bisher.“ Gespräche über die Zukunft des Veranstaltungsorts mit den neuen Besitzern des Areals stünden in den nächsten Tagen an.

Auch mit der Rathausspitze werden sich Weigand und Rotschedl bald zusammensetzen. Denn Gesprächsbedarf gibt es: Das Post-Areal spielte in der Planung des Bahnhofsumfeldes immer eine große Rolle. Mit dieser ist die Stadt, im Gegensatz zur Bahn, die mit der Sanierung des Bahnhofs inzwischen begonnen hat, auch zehn Jahre nach dem Scheitern des auf auf dem Post-Areal geplanten Einkaufzentrums noch nicht weiter.

Die Stadt ist laut Rathaussprecher Christian Weiß über den Eigentümerwechsel am Bahnhof informiert gewesen. „Es eröffnen sich Chancen für die Investoren und für die Stadt,“ sagt Weiß.

Im vergangenen Sommer hatte Stadtbaurat Christian Baumgart nach mehrjähriger Pause dem Stadtrat einen neuen Masterplan für das Bahnhofsumfeld vorgestellt. In diesem war vorgesehen, dass die Äußere Pleich durch die Entwicklung des Post-Areals profitieren soll: Wohnungen, Büros und Nahversorgung sollten hier entstehen.

Außerdem schlug Baumgart vor, den Busbahnhof auf den Bahnhofsnahen Teil des Grundstücks zu verlegen. „Ich sehe diesen Gesprächen mit Interesse entgegen“, erklärt Stadtbaurat Baumgart im Gespräch mit der Redaktion.

Und was stellen sich die neuen Eigentümer vor? „Büros, Hotel, Wohnungen und Nahversorgung“, nennt Rotschedl die geplanten Nutzungen. „Wir stehen prinzipiell für Substanzerhalt“, ergänzt sein Partner Weigand im Hinblick auf andere Projekte der Beethoven Development GmbH.

Diese hat in Würzburg unter anderem für rund sieben Millionen Euro die Alte Universitätsdruckerei Stürz am Hauptfriedhof und für zehn Millionen Euro das Alte E-Werk in Unterdürrbach gekauft, saniert und vermietet. Auch in Kassel, Frankfurt oder Hanau ist die Beethovengruppe aktiv.

Frühestens in drei Jahren könnte es am Post-Areal losgehen, schätzen die Geschäftsführer. So lange werde es dauern, um gemeinsam mit der Stadt einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufstellen. „Dass wir vor Ort sind, wird der Entwicklung sicherlich gut tun,“ meint Weigand. Zur Höhe des Kaufpreises sei mit dem Verkäufer Stillschweigen vereinbart worden.

2003 hat mfi nach eigenen Angaben der Post 20 Millionen Euro für das Areal gezahlt.

Nachdem die mfi-Pläne für ein Einkaufszentrum im Bürgerentscheid 2006 gekippt wurden, hatte das Unternehmen mehrmals mit neuen Shopping-Konzepten im Rathaus angeklopft – und war immer wieder abgeblitzt. Warum der mfi-Nachfolger und Einkaufszentrumsentwickler Unibail Rodamco sich jetzt doch zur endgültigen Aufgabe dieser Pläne und zum Verkauf des Grundstücks entschieden hat?

Eine Antwort von Unibail Rodamco gibt es bislang nicht.


Post-Areal

Die Posthalle zwischen Bahnhof und Äußerer Pleich wurde von der Deutschen Bundespost in den 70er Jahren als Sortierzentrum gebaut. 2003 kaufte die mfi (Management für Immobilien) AG aus Essen das 33 500 Quadratmeter große Grundstück mit Halle und dem 1976 gebauten Post-Hochhaus, um dort ein Einkaufszentrum zu errichten. Geplant war neben dem rund 20 000 Quadratmeter großen Einkaufszentrum Arcaden zunächst auch eine Veranstaltungshalle.

Später wurde auch die Sanierung des Bahnhofs mit der Entwicklung des Post-Areal verbunden. In einem Bürgerentscheid lehnte die Mehrheit der Würzburger 2006 die Pläne von mfi, Stadt und Bahn allerdings ab.

2012 wurde das französische Immobilien- und Investmentunternehmen Unibail-Rodamco Haupteigentümer des deutschen Unternehmens mfi. Unibail-Rodamco gehören viele Einkaufszentren, es gilt als größter börsennotierter Immobilienkonzern Europas und drittgrößter weltweit. 2015 wurde mfi vollständig in die Unibail-Rodamco Gruppe integriert.

Um die rund 50 Mieter von Räumen in den Hallen entlang der Bismarkstraße und im zehnstöckigen Hochhauses am Bahnhofsvorplatz kümmerte sich seitdem die mfi Shopping Center GmbH im Namen von Unibail-Rodamco.

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