Würzburg

Würzburger Ukraine-Tagebuch: "Blickt nach vorne und seid optimistisch!"

Claudia und Matthias Görde aus Würzburg haben zwei Ukrainerinnen aufgenommen, die vor dem Krieg geflohen sind. Welches Fazit sie nach dem Auszug der Gäste ziehen.
Claudia (mit Brille) und Matthias Görde mit Tochter Fanny und Hund Ava vom Heuchelhof hatten zwei ukrainische Frauen Mutter Valentyna Stepanenko  (68) und Tochter Mascha Stepanenko (46) aufgenommen. Jetzt haben die beiden eine eigene Wohnung in Gerbrunn bezogen.
Foto: Thomas Obermeier | Claudia (mit Brille) und Matthias Görde mit Tochter Fanny und Hund Ava vom Heuchelhof hatten zwei ukrainische Frauen Mutter Valentyna Stepanenko (68) und Tochter Mascha Stepanenko (46) aufgenommen.

Liebe Masha, liebe Valentyna,
Ich schreibe euch diesen Brief, weil ich gebeten wurde ein Fazit zu schreiben. Zu unserer gemeinsamen Zeit, unseren Erlebnissen unseren Gefühlen.
Sieben Wochen habt Ihr bei uns gewohnt. Mein Tagebuch, das ich hier veröffentlicht habe, haben Hunderte von Menschen verfolgt. Mal kopfschüttelnd, mal traurig, mal laut lachend und auch mal ärgerlich. Viele haben mit Euch und uns mitgefühlt.

Für uns als Familie Görde hat sich viel verändert

Für uns als Familie Görde hat sich viel verändert: Unser Blick auf die Ukraine, auf Russland, auf deutsche Behörden, auf den Umgang mit Geflüchteten, auf den Umgang mit Krisen. Wir haben euch aufgenommen und sofort ins Herz geschlossen. Ihr wurdet ein Teil unserer Familie. Ob das immer so gut war, weiß ich nicht. Denn viel Nähe bedeutet auch Reibung. Die gab es hin und wieder schon. Oft haben wir auch nicht verstanden, warum Ihr euch so verhaltet, wie Ihr euch eben verhalten habt. Vielleicht wäre manchmal ein wenig Abstand besser gewesen. Vor allem aber hat uns die Sprachbarriere viele Missverständnisse eingebrockt.

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Ich habe sehr viel bürokratische Dinge erledigt. Ein Buch könnte ich schreiben. Die Telefonate und Emails kann ich nicht zählen. Ich hätte mir gewünscht, dass man euch von Anfang an erklärt hätte, wie das hier so läuft in Deutschland. Ich denke nämlich Ihr hattet eine andere, nämlich hoch digitalisierte, Vorstellung unseres Landes. Ihr habt mich, oft gefragt: Wozu, warum, weshalb? So kam auch ich an meine genervte Grenze. Und dabei wollen wir euch nur helfen Arbeit und Wohnung zu finden und euch hier zu integrieren.

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Ich weiß nicht, ob wir wieder eine Familie aufnehmen würden

Ich weiß nicht, ob wir wieder eine Familie aufnehmen würden, oder ob ein anderer Weg Hilfe anzubieten, nicht besser für uns ist. Denn es hat sehr viel Kraft, Nerven und Zeit gekostet. Zu Lasten meiner eigenen Familie. Auch jetzt, wo Ihr ausgezogen seid, telefoniere ich noch viel mit Ämtern, schreibe Mails oder organisiere Termine. Und leider bekommt man seitens der Verwaltung wenig schnelle und unkomplizierte Hilfe. Gerade ältere Gastfamilien, die keine Affinität zum Internet, Sozialen Medien oder Messengerdiensten haben, sind aufgeschmissen. Ich frage mich, wie die das machen.

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Ihr seid nach wie vor herzlich willkommen. Mein Rat, den Ihr leider nicht immer angenommen habt: Nehmt alle Integrationsangebote an, blickt nach vorne, seid optimistisch und versucht unsere Sprache zu lernen. Denn sie ist der Zugang zu uns. Alles andere fügt sich, denn wir Deutschen sind tolle Helfer. Wir wissen, dass Ihr euer Land nicht freiwillig verlassen habt.

Für mich endet nun langsam der Weg als Gastmutter

Für mich endet nun langsam der Weg als Gastmutter. Helfen werde ich euch nach wie vor. Und wir sehen uns regelmäßig, um warmes Bier zu trinken und über die Neuigkeiten aus Eurer Heimat zu reden. Und bald, liebe Masha, wirst Du hier auch arbeiten können.
Ihr werdet immer „meine Mädels“ bleiben.
Eure Claudia

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