Würzburg

Würzburgs früherer OB Zeitler: Als Namensgeber für Straße geeignet?

22 Jahre war Klaus Zeitler Würzburger OB, später wechselte er von der SPD zu den Republikanern. Die CSU will prüfen lassen, ob Zeitler Namenspate für eine Straße sein kann.
Klaus Zeitler 1994 auf einer Veranstaltung der Partei 'Die Republikaner'.
Foto: Thomas Obermeier | Klaus Zeitler 1994 auf einer Veranstaltung der Partei "Die Republikaner".

Er hat die Geschichte Würzburgs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich mitgeprägt: 22 Jahre, von 1968 bis 1990, war Klaus Zeitler Oberbürgermeister von Würzburg. Am 23. Dezember 2020 ist er 91-jährig gestorben

Ein knappes halbes Jahr nach seinem Tod flammt jetzt eine Diskussion über Zeitler auf. Hintergrund sind seine politische Vergangenheit nach seiner Amtszeit als OB und die Frage, ob sich Zeitler als Namensgeber für eine Straße eignet. Bereits seit Ende 2020 wird in Würzburg über Straßennamen diskutiert, allerdings geht es dabei um aktive Verstrickungen von Namenspaten ins NS-Regime.

Zeitler war nach dem Ende seiner Amtszeit aus der SPD ausgetreten und 1992 Mitglied der Republikaner (Rep) geworden. Der Partei, die jahrelang vom Verfassungsschutz wegen des Verdachts rechtsextremistischer Bestrebungen beobachtet wurde, hatte Zeitler mit einer Unterbrechung bis 2003 angehört.

CSU will Eignung als Namensgeber prüfen lassen

Wenn es nach der CSU-Fraktion geht, dann soll jetzt geprüft werden, ob Zeitler ein "würdiger Kandidat für eine Straßenbenennung" ist, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Anlass ist die jüngste Sitzung des Stadtrats-Hauptausschusses. Auf der Tagesordnung hatte unter anderem ein Antrag der AfD gestanden, der die Benennung einer Straße nach Klaus Zeitler zum Ziel hatte, weil dieser "die Geschicke der Stadt mit viel Einsatz und Engagement erfolgreich geleitet" habe.

Zeitlers Wirken als OB ist nach Auffassung der CSU allerdings nicht allein ausschlaggebend für die Ehrung mit einem Straßennamen. Kritikwürdig sind für die Partei neben Zeitlers Engagement bei den Republikanern auch bestimmte Äußerungen in der 1989 erschienenen Autobiografie "Jahrgang 1929".

In dem Buch schildert Zeitler Erinnerungen an seine Jugend während des NS-Regimes – teils im Duktus der damaligen Zeit. Die CSU zitiert so eine Passage, in der es über Konzentrationslager im Jahr 1939 heißt: "...aber diese Lager waren für uns 'Umerziehungslager', was ja möglicherweise zu jenem Zeitpunkt noch richtig und nicht nur das Ergebnis einer massiven Propaganda war". Anstoß nimmt die CSU auch an Formulierungen, denen sie Rassismus und Antisemitismus attestiert.  

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"Ich kann mich noch gut an die Zeit nach 1992 erinnern, als Dr. Zeitler zusammen mit dem Herrn Schönhuber aufgetreten ist und welche Äußerungen da gefallen sind", sagt CSU-Fraktionschef Wolfgang Roth im Gespräch mit der Redaktion. Zeitler habe sich damals für eine Partei engagiert, die Wahlkampf mit ausländerfeindlichen Parolen gemacht habe.

"Alle Menschen, unabhängig ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit, müssen sich in Würzburg sicher fühlen. Rassistische Gedanken, die von Herrn Dr. Zeitler in der Vergangenheit öffentlich geäußert worden sind, führen nicht dazu", wird CSU-Stadtrat Emanuele La Rosa in der Pressemitteilung zitiert. 

Straßenbenennung ist frühestens 2023 möglich

Dass Zeitlers Name auf einem Straßenschild auftaucht, ist zumindest in den nächsten zwei Jahren ausgeschlossen. Erst drei Jahre nach dem Tod einer Person ist die Benennung einer Straße möglich, hier also 2023. Deswegen und weil Zeitler bereits auf einer "Straßennamenliste" stehe, sei der AfD-Antrag "erledigt" und müsse nicht weiterverfolgt werden, hieß es in der Beschlussvorlage der Verwaltung. 

Diesem Vorgehen hatte der Ausschuss mit elf Stimmen zugestimmt – bei vier Gegenstimmen der CSU-Stadträte Wolfgang Roth, Sabine Wolfinger, Emanuele La Rosa und Rainer Schott. Wie Wolfgang Roth sagte, gehe der CSU der Beschluss nicht weit genug. Deshalb wolle man mit der Prüfung klarstellen, ob Zeitler überhaupt auf die erwähnte Liste gehört.

Kulturreferent Achim Könneke, der auch Leiter der Straßennamenkommission war, verwies im Gespräch mit der Redaktion darauf, dass über die Benennung einer Straße immer der Stadtrat zu entscheiden habe. Die erwähnte Liste sei "ziemlich bedeutungslos" und sammle lediglich Vorschläge aus der Öffentlichkeit. Die Benennung einer Straße nach Zeitler stehe derzeit nicht an, gleichwohl könne man dem Prüfantrag der CSU nachkommen.

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