Würzburg

Zölibat: Würzburger Priesterehepaar lebt, was Ex-Papst Benedikt fürchtet

Die Befürchtung Josef Ratzingers, dass der Zölibat gelockert wird, kann der Würzburger Priester Endre Koncsik nicht nachvollziehen. Er ist seit 1968 verheiratet.
Sie haben 1968 geheiratet - vor der Weihe von Endre Koncsik zum griechisch-katholischen Priester. 'Es war Liebe auf den ersten Blick', sagt Ute Koncsik.
Foto: Theresa Müller | Sie haben 1968 geheiratet - vor der Weihe von Endre Koncsik zum griechisch-katholischen Priester. "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt Ute Koncsik.

Ute Koncsik aus Würzburg kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn das Thema "Zölibat" wieder einmal hohe Wellen in der katholischen Welt schlägt. Die jüngsten Äußerungen dazu von Benedikt XVI., des 2013 von seinem Amt zurückgetretene Papstes, sind für sie nicht nachvollziehbar. Ute Koncsik ist über 50 Jahren verheiratet - mit dem griechisch-katholischen Priester Endre József Koncsik aus Ungarn. Dort dürfen angehende Geistliche vor ihrer Weihe vor den Traualtar treten.

Weil die katholische Kirche durch die kommunistische Regierung großen Repressalien ausgesetzt war, flüchtete das Priesterehepaar 1990 mit seinem Sohn nach Würzburg. Bis 2013 war Endre Koncsik als Vizeoffizial der Diözese tätig. Seine Berufung und seine Arbeit als Geistlicher habe nie unter seiner Ehe gelitten, sagt Koncsik.

"Auch verheiratete Priester leben in der Hingabe an Gott und versorgen ihre Gemeinden."
Endre Koncsik, griechisch-katholischer Priester

Genau dies befürchtet jedoch Joseph Ratzinger durch eine Lockerung des Zölibats, den er jetzt öffentlich verteidigte. Dass sich der emeritierte Papst zu dem heiklen Thema priesterliche Ehelosigkeit äußerte, wurde als Affront gegen Papst Franziskus gewertet. Am Dienstag indes distanzierte sich Benedikt XVI. jedoch von der  Co-Autorenschaft des bereits vor der Veröffentlichung vieldiskutierten Buches über Priestertum und Zölibat - nicht aber von seinem Beitrag darin. Herausgeber ist Kurienkardinal Robert Sarah. Laut Erzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär des emeritierten Papstes, sollen Namen und Bild von Benedikt auf dessen Wunsch vom Bucheinband entfernt werden. Ebenso Teile im Buch, die er nicht mitverfasst habe.

Das Archivfoto zeigt Papst Franziskus (links) und den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Gespräch im Kloster Mater Ecclesiae in Rom.   
Foto: Archiv Vatican Media/dpa | Das Archivfoto zeigt Papst Franziskus (links) und den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Gespräch im Kloster Mater Ecclesiae in Rom.   

"Da ich aus einer großen Priesterfamilie stamme, habe ich einen sehr guten Einblick", sagt Endre Koncsik. "Auch verheiratete Priester leben in der Hingabe an Gott und versorgen ihre Gemeinden. Unsere Pfarrhäuser in Ungarn sind durchgehend offen, so dass man uns auch in Problemfällen erreichen konnte." Auch in Würzburg habe die Familie ihm den Rücken freigehalten. "Durch meine eigenen Erfahrungen im Familienleben kann ich die Probleme der Menschen ganz anders verstehen und helfen",so Koncsik.

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"Wir haben stets alle Aufgaben gemeinsam gemeistert", sagt auch Ute Koncsik. Als Pfarrersfrau sei sie oft die erste Ansprechpartnerin gewesen und nicht immer der Priester als Respektsperson. "Mit der Frau - oft auch Beichtmutter - lässt es sich leichter reden. In Ungarn schätzt man die Pfarrersfrauen. Sie sind die Seele des Hauses."

"Ich sehe das, was Joseph Ratzinger tut, als letztes Aufbäumen, um die Abschaffung des Pflichtzölibats zu verhindern."
Wunibald Müller, Theologe aus Würzburg

Endre Koncsik sieht noch einen weiteren Vorteil in der Möglichkeit der Priesterehe: "In meiner ungarischen Diözese gibt es keinen Priestermangel, den gab es noch nicht einmal im Kommunismus!" Seit dem Ende dieser Ära gebe es sogar mehr Bewerber, als man im Priesterseminar aufnehmen könne, so Koncsik. "Demzufolge wählt der Bischof die besten Kandidaten aus, die dann oft auch in Rom studieren. So hat jede Gemeinde ihren eigenen Pfarrer, was ja für die Weitergabe des Glaubens und der kirchlichen Tradition von großer Bedeutung ist."

Der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller hofft, dass sich Papst Franziskus durch die Äußerungen seines Vorgängers Benedikt XVI. zum Thema Pflichtzölibat nicht beeindrucken lässt.
Foto: Patty Varasano | Der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller hofft, dass sich Papst Franziskus durch die Äußerungen seines Vorgängers Benedikt XVI. zum Thema Pflichtzölibat nicht beeindrucken lässt.

Der Würzburger Theologe Wunibald Müller hofft, dass sich Papst Franziskus von den Einlassungen seines Vorgängers Benedikt XVI. nicht beeindrucken lässt und bewährte verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden können. "Damit wird das Ende des Pflichtzölibats eingeleitet", sagt er auf Nachfrage. "Ich sehe das, was Joseph Ratzinger tut, als ein letztes Aufbäumen, um die Abschaffung des Pflichtzölibats zu verhindern." Müller ist sich sicher: "Es wird ihm aber nicht gelingen. Und das ist gut so. Auch weil er ohnehin oft nicht mehr gelebt wird." Zudem sei der Pflichtzölibat die Ursache für großes Leid und stellt einen Risikofaktor für sexuellen Missbrauch dar, so Müller.

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