Bad Kissingen

Jonas Langmann: Der Eishockey-Profi aus Bad Kissingen

Beim SC Bad Kissingen wurde der Goalie ausgebildet. Mittlerweile spielt der 28-Jährige für Ravensburg in der DEL2 - und das überaus erfolgreich.
Der gebürtige Bad Kissinger Jonas Langmann (Bild) im Trikot der Ravensburg Towerstars. Foto: Kim Enderle       -  Der gebürtige Bad Kissinger Jonas Langmann (Bild) im Trikot der Ravensburg Towerstars. Foto: Kim Enderle
| Der gebürtige Bad Kissinger Jonas Langmann (Bild) im Trikot der Ravensburg Towerstars. Foto: Kim Enderle

Bad Kissinger Eishockey-Kunst ist mittlerweile nur noch außerhalb der Kurstadt zu bestaunen. Unter anderem tief im Süden der Republik. In Ravensburg nämlich, wo Jonas Langmann im Tor der Towerstars steht. Als Profi in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Beim SC Bad Kissingen hat der 28-Jährige das Eishockey-Einmaleins unter Trainer Pavel Ekrt gelernt. Erstaunlicherweise erst als Feldspieler, um nach einer Verletzung von Goalie Jürgen Hartmann zwischen die Pfosten zu rücken - und dort bis heute zu bleiben. Nach einem Jahr in Höchstadt wechselte Jonas Langmann in die Nachwuchsabteilung der Schwenninger Wild Wings, spielte von 2005 bis 2007 in der Schüler-Bundesliga, gewann dann mit den Iserlohn Roosters die Deutsche Jugend-Meisterschaft. Sein Profi-Debüt feierte der Bad Kissinger in der Saison 2010/2011 im Trikot des Erstligisten Hannover Scorpions.

Aufgrund einer Verletzung haben Sie in dieser Saison noch kein Spiel für die Ravensburg Towerstars bestreiten können. Wie geht es Ihnen denn aktuell?

Jonas Langmann: Im letzten Vorbereitungsspiel, das war gegen Bietigheim-Bissingen, habe ich mir einen Muskelbündelriss im Oberschenkel zugezogen nach einer extremen Grätschbewegung, Dazu hat mich ein Gegenspieler noch am Bein erwischt. Das war zu viel für den Muskel. Aber ich bin auf dem Weg der Besserung und hoffe, in dieser Woche wieder auf dem Eis zu stehen.

Verletzt, und das in Corona-Zeiten. Da ist der Alltag wohl überschaubar.

Klar ist man eingeschränkt, aber für meinen Körper was tun konnte ich ja. Jeden Tag habe ich mit dem Physiotherapeuten und dem Athletiktrainer gearbeitet. Dass das aufgrund von Corona eine besondere Situation ist, merkt man natürlich insbesondere bei den Spielen vor komplett leeren Rängen. Aber auch im Training und vor den Spielen. Es gibt die vorgeschriebenen Testungen, es wird Fieber gemessen und es besteht Maskenpflicht. In der Umkleidekabine wurde alles so hergerichtet, dass wir die Abstandsregelungen einhalten können.

Sie tragen auf Ihrem Trikot die Nummer "34". Steckt da eine Geschichte dahinter?

Diese Nummer hatte ich mir damals in Iserlohn ausgesucht. Da habe ich noch in der U18 gespielt. Ich bin dann bei der Nummer geblieben und hatte immer das Glück, dass bei Vereinswechseln kein anderer Spieler diese Nummer hatte.

Ihre Profi-Karriere fand ja zunächst insbesondere im Norden statt mit Engagements in Hannover, Hamburg und Bremerhaven . Warum kam dann der geografische Schwenk in den Süden.

Das hat eigentlich einen ganz banalen Grund, denn als mein Vertrag in Bremerhaven auslief, bekam ich über einen Spielervermittler die Information, dass Ravensburg großes Interesse an einer Verpflichtung hätte, und zwar als Nummer Eins. Das war also letztlich eine rein sportliche Entscheidung, die auch mein Spielerberater, der meine vertraglichen Sachen seit fünf Jahren regelt, mitgetragen hat.

Würden Sie den Gewinn der DEL2-Meisterschaft im April 2019 mit den Towerstars als Karriere-Höhepunkt bezeichnen?

Das gelang mir ja schon davor in Bremerhaven mit den Fishtown Pinguins . Aber ja, mit Ravensburg war das etwas ganz Besonderes. Wir hatten auch in den Jahren zuvor immer eine Top-Mannschaft, aber dann haben endlich alle Puzzleteile gepasst. Und ich wurde von den Trainern, Offiziellen und über eine Abstimmung der Fach-Zeitschrift 'Eishockey-News' zum besten Goalie der Saison gewählt. Schade, dass es in dieser Saison keinen sportlichen Aufsteiger in die DEL gegeben hat, sonst wäre ich in Ravensburg geblieben und nicht nach Nürnberg gewechselt.

Bei den Nürnberg IceTigers waren es gerader mal sieben Einsätze. Nimmt man da dennoch etwas mit, es war ja immerhin die DEL, die höchste deutsche Liga.

Man muss sich ehrlich eingestehen, dass das in Nürnberg nicht so funktioniert hat. Sieben von 52 Spielen in der regulären Saison sind definitiv zu wenig Einsätze, gerade in meinem Alter.

Wie schauen Ihre sportlichen Ziele aus?

Ich will an die Erfolge anknüpfen, die ich hier hatte. Noch einmal eine DEL2-Meisterschaft mit Ravensburg zu feiern, wäre ein Traum, vielleicht sogar aufzusteigen. In dieser Saison gibt es aufgrund der Pandemie ja keine Auf- und keine Absteiger. Allerdings bräuchten wir als DEL-Team auch ein neues Stadion mit einem deutlich größeren Fassungsvermögen. Bei uns passen aktuell nur etwa 3400 Zuschauer in die Halle. Unsere Fans stehen übrigens hinter den Plänen eines Stadionneubaus.

Ravensburg und Jonas Langmann - das scheint zu passen. Aktuell spielst Du Deine insgesamt vierte Saison für die Towerstars.

Absolut. Hier stimmt das Umfeld, die Gegend ist schön und die Stadt idyllisch. Das ist wie eine neue Heimat. Auch meine Frau, die aus der Gegend von Augsburg kommt, fühlt sich hier sehr wohl. Mit der Zeit lernt man immer mehr Leute kennen, sodass wir uns einen Freundeskreis auch außerhalb des Sports haben aufbauen können.

Statt dem Meer liegen nun die Berge vor der Haustür. Was bevorzugen Sie denn im Urlaub?

Ich bin eher der Bergtyp und habe diesbezüglich natürlich alles hier in der Umgebung. Der Blick auf die Berge ist ein Traum. In der Freizeit bin ich aber eher am Bodensee unterwegs.

Die Schweiz ist ja zum Greifen nahe. Und die Eishockey-Liga der Eidgenossen gilt als extrem stark.

Gerade deshalb wäre es wohl extrem schwer, da bei einem Verein unterzukommen. Zumal es ein Ausländer-Kontingent gibt und ich darunter fallen würde. Die Schweizer legen eben viel Wert darauf, ihren eigenen Nachwuchs gut auszubilden.

Wie sind denn aktuell die Kontakte nach Bad Kissingen ?

Ich muss schon sagen, dass die Kontakte zu den ehemaligen Mitspielern weniger geworden sind, ich bin einfach schon zu lange weg. Und meine Eltern leben ja mittlerweile in Villingen-Schwenningen. Drei- bis viermal im Jahr bin ich dennoch in Bad Kissingen , um Oma und Opa zu besuchen. Die Spaziergänge im Kurpark finde ich nach wie vor schön. Von den früheren Teamkameraden treffe ich mich zumindest mit Viktor Ledin regelmäßig.

Die Eishalle geschlossen, der Eishockeyverein insolvent . Haben Sie das ganze Drama rund um den Bad Kissinger Eissport und die "Wölfe" mitbekommen?

Natürlich. Vor allem mein Opa hält mich diesbezüglich immer auf dem Laufenden. Das finde ich schon tragisch, vor allem für den Nachwuchs. Da wird immer betont, wie wichtig der Vereinssport sei. Aber getan wird offensichtlich kaum etwas, um den Eissport in Bad Kissingen am Leben zu erhalten. Es geht da ja nicht nur ums Eishockey , sondern auch ums Eislaufen für die Bevölkerung. Die Halle an einen Privatmann zu verkaufen, war womöglich ein Fehler.

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