Kirchlauter

Fußball kurios: Wieso die Kirchlauterer Zweite die Erste retten darf

Warum der VfR Kirchlauter nun doch den Klassenerhalt in der A-Klasse feiern kann und was elf andere Vereine damit zu tun haben.
Das Derby zwischen dem VfR Kirchlauter (links Johannes Koch) und dem SC Lußberg-Rudendorf (rechts  Matthias Fischer) wird es auch in der kommenden Saison in der A-Klasse geben. Um das zu ermöglichen, musste eine ungewöhnliche Entscheidung herhalten.
Foto: Günther Geiling | Das Derby zwischen dem VfR Kirchlauter (links Johannes Koch) und dem SC Lußberg-Rudendorf (rechts  Matthias Fischer) wird es auch in der kommenden Saison in der A-Klasse geben.

Es ist das "verrückte Ende einer total verrückten Saison". Passende Worte, die der Fußballabteilungsleiter des VfR Kirchlauter, Christian Röthlein, da findet. Sein VfR, als Tabellenletzter der A-Klasse Schweinfurt 5 eigentlich abgestiegen, hält nun doch die Klasse – ohne aber etwas dafür zu können. Vielmehr muss sich der VfR bei elf anderen Vereinen bedanken. Warum?

Diese Elf Vereine spielten in der abgebrochenen Runde gemeinsam mit der zweiten Mannschaft des VfR in der B-Klasse Schweinfurt 5. Deren Meister, der TSV Westheim, steigt in die A-Klasse auf, alle weiteren Teams in dieser Liga von Platz zwei bis Platz zwölf verzichten auf den Aufstieg. Deshalb klingelte bei Röthlein in der vergangenen Woche das Telefon. Am Apparat: Kreisspielleiter Gottfried Bindrim. Und der bot dem VfR an, ab September doch wieder A-Klasse zu spielen.

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"Das war schon eine Überraschung. Zuerst habe ich mir gedacht: ,Was will er denn jetzt von mir?'", hatte Röthlein nicht erwartet, mit dem Thema Aufstieg beziehungsweise Klassenerhalt konfrontiert zu werden. "Aber irgendwie passt das ja zum vergangenen Jahr", findet der Justizvollzugsbeamte nichts Normales an der Saison 2019/21.

Bindrim hatte zuvor alle anderen Vereine in der B-Klasse 5 abtelefoniert, als Letzter verzichtete schließlich der TSV Wonfurt II auf den angebotenen Aufstieg. Und so landete der Kreisspielleiter beim Tabellenvorletzten, dem VfR Kirchlauter II. Denn: Paragraf 54 der Spielordnung des Bayerischen Fußball-Verbandes sieht vor, dass, wenn ein aufstiegsberechtigter Verein von seinem Recht, aufzusteigen, keinen Gebrauch macht, der jeweils nächste aufstiegsberechtigte Verein nachrückt.

Die Entscheidung fiel einstimmig

Röthlein sprach sich noch am gleichen Tag mit seinen Vorstandskollegen ab, deren Entscheidung für den Klassenerhalt erfolgte einstimmig. Über einen Messenger-Dienst informierte die Abteilungsleitung dann noch die Mannschaft. "Die waren natürlich auch alle überrascht, haben gedacht, wir könnten Wunder bewirken." Der VfR will natürlich nicht mit seiner Reserve in die A-Klasse, sondern "überträgt" das Spielrecht quasi an die erste Mannschaft.

14 Tage zuvor hatte man sich beim VfR noch genau über diese einzig verbliebene Möglichkeit, die Klasse zu halten, unterhalten, die Chance aber als total abwegig abgetan, "und dann tritt aber genau das ein. Da hat doch keiner von uns mit gerechnet", zumal mit den Sportfreunden Steinsfeld eine erste Mannschaft als Tabellendritter hätte aufsteigen dürfen, aber ebenfalls verzichtete.

"Dass ein Tabellendreizehnter aufsteigt, das passiert ja auch nur in der B-Klasse."
Gottfried Bindrim, Kreisspielleiter des Bayerischen Fußball-Verbandes

Die Kuriosität des VfR-Klassenerhalts ist Gottfried Bindrim durchaus bewusst, eine Art Wettbewerbsverzerrung sieht der Kreisspielleiter aber nicht. "Wenn eine Mannschaft verzichtet, geht das Aufstiegsrecht auf den Nächstplatzierten über. Dass natürlich ein Tabellendreizehnter aufsteigt, das passiert ja auch nur in der B-Klasse", weiß Bindrim. Vor einigen Jahren hätte die DJK Wettringen als B-Klassen-Letzter sogar aufsteigen können, es sich kurz vor der Ligeneinteilung dann doch wieder anders überlegt, erinnert er sich. Im Fall Kirchlauter könne er den Aufstiegswunsch nun aber absolut nachvollziehen, "weil der VfR ja eine A-Klassen-Mannschaft hatte. Es ist kurios, aber sie haben das Recht dazu."

Eine offizielle Aufstiegsfeier ist beim VfR Kirchlauter bis dato nicht geplant. "So wie das letzte Jahr sportlich gelaufen ist, haben wir keinen Grund zum Feiern", ist Röthlein Realist genug, um zu wissen, dass man die Spiele in der A-Klasse ab September nur "vielen Zufällen zu verdanken" hat.

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