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Klara Bühl: "Fußball ist sowohl Männer- als auch Frauensport"

Die 19-jährige Nationalspielerin stammt aus Trossenfurt und spielt beim FC Bayern München. Was denkt sie 50 Jahre später über das Verbot für Frauen, Fußball zu spielen?
Gehört zum Stammpersonal der deutschen Nationalmannschaft: die aus Trossenfurt stammende  Klara Bühl (rechts, im Duell mit der Spanierin Marta Corredera).
Foto: Heiko Becker | Gehört zum Stammpersonal der deutschen Nationalmannschaft: die aus Trossenfurt stammende  Klara Bühl (rechts, im Duell mit der Spanierin Marta Corredera).

Klara Bühl (19) wurde im Landkreis Haßberge geboren, ihre Kindheit verbrachte sie allerdings im Schwarzwald. Seit diesem Sommer spielt die Fußballerin beim FC Bayern München in der Frauen-Bundesliga. Die Mannschaft führt nach neun Spielen mit 27 Punkten und 30:1 Toren die Tabelle an. Beim 3:0-Sieg in Meppen am 8. November erzielte die Nationalspielerin ihren ersten Treffer für die Münchnerinnen, eine Woche später gewannen Bühl und der FC Bayern das Spitzenspiel gegen Wolfsburg mit 4:1.

Erst seit 50 Jahren ist Frauenfußball in Deutschland (wieder) erlaubt. Was denken Sie darüber, dass Fußball für Frauen tatsächlich mal verboten war?

Klara Bühl: In meiner Generation kann man das gar nicht glauben, dass Frauenfußball mal verboten war. Natürlich hat der Fußball immer irgendwann seinen Ursprung. Aber dass es Frauenfußball irgendwann einmal nicht gab, ist für mich unvorstellbar. Deshalb freut es mich umso mehr, dass wir jetzt schon 50 Jahre bestehen und mittlerweile eine immer wichtigere Rolle in der Gesellschaft einnehmen.

Viele Zitate etlicher Prominenter aus der damaligen Zeit klingen heute mehr als lächerlich. Gerd Müller hat mal gesagt: „Frauen sollen lieber kochen statt kicken.“ Was würden Sie ihm heute antworten?

Bühl: (lacht) So etwas hört man natürlich nicht gerne. Ich würde das einfach mal so stehen lassen. Denn wir und viele andere wissen, wie viel Ehrgeiz, Leidenschaft und Professionalität heutzutage auch im Frauenfußball aufgebracht werden. Im Profifußball leisten Männer und Frauen heute das Gleiche, das ist – glaube ich – allgemein bekannt.

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Wie sehen Sie allgemein die Frauenrechte, Stichwort „equal pay“ (Gleicher Lohn für die gleiche Arbeit)?

Bühl: Auf den Frauenfußball bezogen, gab es in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte. Vor zehn Jahren gab es in Deutschland noch fast keine Vollprofis im Frauenfußball. Da hat sich viel getan, was uns gleichzeitig nicht davon abhalten darf, uns für weitere Verbesserungen stark zu machen.

In Ihrem Heimatdorf Trossenfurt gab es schon in den spätem 60er-Jahren Frauenfußball - auch in Ihrer Familie. Ihre Großtante Rosa Bühl war da schon aktive Fußballerin. Haben Sie mit ihr schon einmal über die damalige fußballerische Zeit gesprochen?

Bühl: Wirklich? Das wusste ich gar nicht, das freut mich. Bei nächster Gelegenheit werde ich sie auf alle Fälle darauf ansprechen.

In der Frauen-Bundesliga gibt es nur Schiedsrichterinnen. "Pfeifen" Frauen anders als Männer?

Bühl: Jeder Schiedsrichter pfeift das Spiel auf seine Art und Weise. Natürlich werden auch mal Entscheidungen getroffen, mit denen man nicht einverstanden ist oder die auch falsch sind. Aber das ist alles im menschlichen Bereich. Ob es für mich als Spielerin einen Unterschied macht, ob ein Mann oder eine Frau pfeift, kann ich gar nicht beurteilen. Bei uns gibt es ja ausschließlich Schiedsrichterinnen.

Ihre Mannschaft, der FC Bayern München, hat jetzt neun Spiele bestritten, dabei neunmal gewonnen und erst ein Gegentor – ein Elfmeter im Topspiel gegen Wolfsburg – kassiert. Nehmen die Frauen des FC Bayern bald die gleiche dominante Rolle ein wie die Männer?

Bühl: Natürlich geben wir an jedem Spieltag immer 100 Prozent, und natürlich wollen wir in Zukunft auch solch eine dominante Rolle einnehmen. Das ist ja kein Geheimnis. Wir arbeiten uns Stück für Stück nach oben, um in den nächsten Jahren eben auch solch eine Dominanz zu erreichen.

Sie sind auch auf Instagram sehr aktiv, posten viele persönliche Fotos von sich. Gehört das „Modeln“ zum Frauenfußball dazu oder ist das mehr eine private Leidenschaft?

Bühl: Ich glaube, dass man sich in den sozialen Medien als Person ganz natürlich darstellen und auch ein bisschen was aus seinem privaten Leben zeigen kann. Im Männerfußball geht das so nicht, aber wir Frauenfußballerinnen können normaler leben und eben auch in den öffentlichen Kanälen posten. Dabei versuche ich aber immer, ich selbst zu bleiben.

Sind Sie Vollprofi im Fußball?

Bühl: Mein Leben bestimmt hauptsächlich der Fußball, ich würde auch sagen, dass ich im Profifußball angekommen bin. Dennoch absolviere ich noch ein Fernstudium in Medienmanagement, als zweites Standbein und auch als Ausgleich.

Was wünschen Sie sich für die nächsten 50 Jahre für den Frauenfußball?

Bühl: Dass er sich so weiterentwickelt und er noch ein bisschen besser vermarktet wird. Ich würde mich freuen, wenn er weitere Unterstützer dazugewinnt und, sobald möglich, wieder viele Menschen in die Stadien lockt. Wir freuen uns auf die nächsten 50 Jahre und sind gespannt, wie er sich in den nächsten Jahrzehnten entwickelt.

Klara Bühl

Alter: 19
Geburtsort: Haßfurt
Aufgewachsen in: Trossenfurt
Position: offensives Mittelfeld
Stationen: Spvgg Untermünstertal, SC Freiburg, FC Bayern München;
Nationalmannschaft: elf Einsätze (7 Tore).
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