Mainbernheim

Christian Rasp: Trotz Corona durch die Eisrinnen im Bob-Weltcup

Mitte November soll die Saison starten. Der Vizeweltmeister aus Mainbernheim muss sich im Lochner-Team neuer Konkurrenz stellen - und sagt Dauersieger Friedrich den Kampf an.
Werbung für den Bobsport: Florian Bauer, Pilot Johannes Lochner, Unterfranke Christian Rasp und Eric Franke (von links) im Sommer an einem Wasserfall am Königssee. Es fehlen Benedikt Hertel, Marc Rademacher und Christopher Weber.
Foto: Christian Rasp | Werbung für den Bobsport: Florian Bauer, Pilot Johannes Lochner, Unterfranke Christian Rasp und Eric Franke (von links) im Sommer an einem Wasserfall am Königssee.

Christian Rasp vergleicht die Erschwernisse für Leistungssportler durch die Corona-Pandemie mit einer langwierigen Verletzung. "Auch das ist eine Situation, die nicht zu verändern ist, und für die man viel Geduld braucht", sagt der 31-jährige Anschieber im Bob-Team von Johannes Lochner. Während man bei einer Verletzung aber erst wieder einsteigen kann, wenn sie ausgestanden ist, versuchen sich die Bob- und Schlittensportler mit Covid-19 zu arrangieren und ihren Wettkampfwinter trotz aller Einschränkungen durchzuziehen.    

Der Bob-Weltcup wird ganz ohne Überseerennen ausgetragen, einzig das Weltcup-Finale im März soll außerhalb von Europa stattfinden, auf der künftigen Olympiabahn von Yanging (China). Die Weltmeisterschaft wurde von Lake Placid  (USA) ins sächsische Altenberg verlegt, wo sie schon dieses Jahr ausgetragen worden war. 

Keine Vierer-Wettbewerbe bis Jahresende

Auch der Weltcup-Start ab 15. November steht im Zeichen der Pandemie. Bis zum Jahresende wird es keine Vierer-Wettbewerbe geben. Die Aufwärmbereiche und die Startzone machten das Einhalten der Abstandsregeln bei der Zahl der Athleten zu schwierig, meint der Bob- und Skeleton-Weltverband.  Deshalb werden bei den insgesamt vier Weltcups in Sigulda (Lettland) und Innsbruck-Igls nur Zweierbob-Rennen ausgetragen. "Man will erst mal sehen, wie man mit der dafür nötigen Zahl von Personen am Start klarkommt", sagt Rasp. 

Für ihn bedeutet das eventuell weniger Weltcup-Starts. Der Unterfranke hat auf 98 kg Körpergewicht auftrainiert, ist aber nur 1,82 Meter groß und damit trotz mancher Siege auch im Zweierbob vor allem Spezialist für den letzten, auch aerodynamisch wichtigen Platz im Viererbob. Statt normalerweise acht wird es wegen der Veränderung 2020/21 nur vier Weltcup-Termine in der Königsklasse des Bobsports geben.

"Zwei Mal Vize - das gibt Motivation, mal wieder einen WM-Titel zu holen."
Bobfahrer Christian Rasp

Aber der frühere Sprinter aus Mainbernheim (Lkr. Kitzingen) macht sich da keine Sorgen. "Ich werde auch Zweier-Einsätze kriegen", glaubt er, weil die Belastung von vielen Rennen in kurzer Zeit auf mehr Anschieber verteilt werden müsse. Eine Rolle spielt dabei zudem, dass die schweren Bobs für den Rücktransport vom Ziel zum Start nach jedem Lauf von den Besatzungen selbst in die und aus den Transportern herausgetragen werden müssen. Auch das Helfen kostet Kraft. 

'Ich werde auch Zweier-Einsätze kriegen', glaubt Christian Rasp (hinten, hier im Zweierbob-Weltcup im Dezember 2019 in Lake Placid/USA mit Johannes Lochner).
Foto: Hans Pennink, dpa | "Ich werde auch Zweier-Einsätze kriegen", glaubt Christian Rasp (hinten, hier im Zweierbob-Weltcup im Dezember 2019 in Lake Placid/USA mit Johannes Lochner).

Im Team des Berchtesgadeners Lochner, der die vergangene Weltmeisterschaft als Silber-Gewinner im Zweier und Vierer jeweils hinter dem sächsischen Dauersieger Franceso Friedrich höchst erfolgreich beendet hatte, ist die Konkurrenz unter den Anschiebern ohnehin gewachsen. Zu Rasp, Christopher Weber und Florian Bauer gesellen sich nun Neuzugang Erik Franke - bisher im Team des nach einer Wirbelsäulenverletzung zurückgetretenen Nico Walther -, der bisherige Ersatzmann und nun fest verpflichtete Benedikt Hertel sowie Marc Rademacher, der aber erst aus einer langen Verletzung zurückkommt.

Lochner hat größere Ambitionen 

"Wir sind jetzt ein großes Team", bestätigt Rasp und äußert Verständnis für die Verpflichtung von Franke. "Ich verstehe, dass Hansi ihn geholt hat. Ich hatte in den letzten Jahren mit einigen Verletzungen zu kämpfen. Das hat uns fast Weltcup-Starts gekostet."   

Zumal Lochner, der als Speed-Junkie in der Freizeit sommers gerne mit schnellen Autos und Motorrädern unterwegs, mit den größeren personellen Möglichkeiten auch größere Ambitionen verbindet. "Franceso muss sich warm anziehen", sendete der  30-Jährige, der gerade an seiner Master-Arbeit in Elektrotechnik setzt, eine Kampfansage an den Branchen-Dominator Friedrich.

"Franceso muss sich warm anziehen."
Kampfansage von Johannes Lochner an Dauersieger Franceso Friedrich

"Zwei Mal Vize - das gibt Motivation, mal wieder einen WM-Titel zu holen", sagt auch Rasp. 2017 gewannen er und Lochner auf der Heim-Eisrinne am Königsee die Vierer-Weltmeisterschaft, damals zeitgleich mit Friedrich. Dazu gesellten sich bisher drei Team-Weltmeisterschaften.

Der famose Abschluss der letzten Saison, die auch Turbulenzen wie eine Zurückstufung im Zweierbob durch Bundestrainer Rene Spies enthalten hatte, beschert Lochner eine stressarme Vorbereitung. Seine beiden Bobs sind wie die von Doppelweltmeister Friedrich für den Weltcup gesetzt. 

Balgen um einen noch freien deutschen Startplatz

Während sich mehrere Piloten in drei Selektionen um den einen noch freien deutschen Startplatz balgen, testen Lochner & Co. als Spurbobs bei den internen Rennen in Ruhe ihr Material. "Wir können athletisch viel langsamer aufbauen, die anderen Teams haben schon jetzt ihren Saisonhöhepunkt", nennt Rasp einen weiteren Vorteil.

Main-Post-Redakteur Hans Strauß (links) traf Christian Rasp im Februar 2018 in Frankfurt bei der Rückkehr des Teams Deutschland von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang.
Foto: Heiko Becker | Main-Post-Redakteur Hans Strauß (links) traf Christian Rasp im Februar 2018 in Frankfurt bei der Rückkehr des Teams Deutschland von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang.

Während andere Sportverbände unsicher reagierten, ob ihre Top-Athleten dem von der Politik verordneten Profi-Status zur Fortführung der sportlichen Aktivitäten während des November-Lockdowns genügen, hat der als beständiger Medaillenlieferant hoch angesiedelte Bob- und Schlittenverband durch Vorstand Axel Resch daran schon vergangene Woche keinen Zweifel gelassen. Mit den Reglementierungen, die Corona mit sich bringt, müssen sich die Bob-Asse nun einfach arrangieren.

Keine Zuschauer an den Bahnen 

Bei der ersten Selektion in Winterberg sei das Hygienekonzept gut umgesetzt worden und auch in Altenberg, wo diese Woche gefahren wird, klappe es gut, berichtet Rasp. Außerhalb der Bobs herrscht Maskenpflicht, jedes Team hat eine separate, provisorische Umkleidekabine, zudem gibt es getrennte Essenszeiten. "Wir achten auf Abstände und Hygiene. Jeder macht sehr gut mit, man achtet aufeinander", fasst der Polizei-Oberkommissar zusammen.

Ein bisschen Stimmung bei ihren Wettkämpfen fänden die vom Zuschauerinteresse nicht verwöhnten Bobfahrer allerdings gut. Dass auf den immerhin 1,5 Kilometer langen Kunsteisbahnen keinerlei Zuschauer zugelassen sind, hält Christian Rasp für übertrieben.

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