Würzburg

Baskets gegen Hamburg: Die Heimatgefühle des Johannes Richter

Zwei Jahre spielte der Franke bei den Baskets, die nach dem Coup gegen Bamberg bei seinem neuen Klub in Hamburg antreten. Ein Gespräch über Verletzungen und eine Doktorarbeit.
Johannes Richter 2019 im Trikot von s.Oliver Würzburg.
Foto: Heiko Becker | Johannes Richter 2019 im Trikot von s.Oliver Würzburg.

Im Endspurt der Hauptrunde der Basketball-Bundesliga geht's weiter im Schweinsgalopp: Nur 46 Stunden nach dem überraschenden 82:78-Erfolg von s.Oliver Würzburg gegen Brose Bamberg, mit dem die Baskets den Klassenerhalt beinahe schon perfekt gemacht haben, treten die Unterfranken am Freitag (19 Uhr) bei den Hamburg Towers an. In den Diensten des turmhohen Favoriten stehen mit dem US-Amerikaner Kameron Taylor (26) und Johannes Richter (27) zwei Akteure, die auch schon für Würzburg Körbe verteilten. Ein Gespräch mit dem gebürtigen Franken Richter über Heimatgefühle, Verletzungspech und seine Doktorarbeit.

Frage: Nach ihrem Abschied aus Würzburg im Sommer heuerten Sie erst in Gießen an und gingen zum Jahreswechsel dann nach Hamburg. Anstelle mit Würzburg und Gießen gegen den Abstieg spielen Sie bald mit Hamburg in den Play-offs. In Würzburg hieß es vor der Runde immer: Wir müssen so viel sparen. Als regelmäßiger Beobachter konnte man aber auch den Eindruck bekommen, der Klub habe sich trotz allem nötigen Haushaltens auch nicht besonders angestrengt, Sie zum Bleiben zu bewegen, obwohl Sie der Mannschaft in dieser Saison vermutlich sehr gutgetan hätten. Also letztlich Glückwunsch: Alles richtig gemacht!

Johannes Richter: Naja, das war vielleicht schon auch ein Punkt. Für mich war es wichtig, in einem System spielen zu können, in dem auch meine Stärken besser herauskommen. Ich bin ja nun nicht so ein Monsterathlet oder der Allerlängste, sondern eher ein spielender Big Man, der auch nicht immer ausschließlich Pick-and-Roll spielen will. Und natürlich ist es auch schön, dass man ein bisschen Geld verdienen kann mit Basketball – aber ich spiele nicht Basketball wegen des Geldes. Ich studiere ja auch Medizin, und wenn ich das Studium nicht wegen des Sports würde ruhen lassen, wäre ich vielleicht jetzt schon Arzt. Ich gehe nicht wegen ein paar Euro mehr woanders hin. Aber ob das letztlich alles so richtig war . . . Ich würde es für mich jedenfalls bis jetzt erst mal als ziemlich turbulente Saison bezeichnen.

Ihr Wechsel im Winter nach Hamburg war dann dennoch überraschend.

Richter: Man muss auch sehen: Die Hamburger hatten damals Verletzungssorgen. Sie haben nach einem großen Deutschen gesucht, und so viele große Deutsche gibt's in der Bundesliga ja auch nicht. Und in der Zeit in Gießen habe ich nicht ganz schlecht gespielt.

Haben Sie sich eingelebt inzwischen?

Richter (lacht etwas gequält und stöhnt ein bisschen): Der Umzug war sehr stressig. Es war kurz, nachdem meine Frau entbunden hat.

Herzlichen Glückwunsch.

Richter: Danke. Unser Jona kam am 4. Dezember auf die Welt, und wir sind Anfang Januar umgezogen. Das war alles relativ heftig, aber wir hatten auch Unterstützung von unseren Eltern. Aber ja, mittlerweile sind wir ganz gut angekommen.

Auch wenn es in Ihrem Sport ziemlich schwierig ist mit Konstanz und Ihr Vertrag erst einmal nur bis Ende dieser Saison läuft: Könnten Sie sich vorstellen, in der Millionenstadt Hamburg auch heimisch zu werden?

Richter: Für die nähere Zukunft schon. Ich komme gut mit Trainer Pedro Calles klar, und Hamburg ist eine sehr attraktive Stadt, nicht nur vom Basketballerischen her. Aber auf Dauer, für spätere Zeiten, wenn unser Sohn dann mal in die Schule geht oder so, dann werden wir auf jeden Fall wieder in Franken sein.

Sie stammen aus Neustadt an der Aisch und scheinen heimatverbunden zu sein.

Richter: Auf jeden Fall. Wir haben ja auch eine Wohnung in der Nähe von Würzburg und werden den Sommer dort auch wieder verbringen. Da gibt's Heimatgefühle.

Haben heute noch regelmäßig Kontakt: Johannes Richter (links) und Baskets-Kapitän Felix Hoffmann.
Foto: Heiko Becker | Haben heute noch regelmäßig Kontakt: Johannes Richter (links) und Baskets-Kapitän Felix Hoffmann.
Dann darf man auch davon ausgehen, dass Sie den Weg der Würzburger in dieser Saison verfolgt haben, oder?

Richter: Klar, ich bin noch ziemlich eng in Verbindung mit Felix Hoffmann (Anmerk. d. Red: Kapitän der Baskets), wir telefonieren regelmäßig und spielen auch das eine oder andere Onlinegame zusammen. Außerdem habe ich auch noch ziemlich viel Kontakt mit dem ganzen Staff. Sie haben ein sehr interessantes Team zusammengestellt, aber die ganze Saison war halt von sehr vielen Verletzungssorgen beeinträchtigt. Ich habe viele ihrer Spiele gesehen und fand es gut, wenn die Deutschen viele Minuten bekommen haben, weil man gesehen hat, was sie imstande sind zu leisten.

Nach dem überraschenden 82:78-Sieg gegen Bamberg am Mittwoch sind die Baskets praktisch auch aller Abstiegssorgen ledig - und sind trotzdem krasser Außenseiter bei Euch.

Richter: Ich habe schon vor diesem Sieg nicht geglaubt, dass Würzburg akut vom Abstieg bedroht ist. Natürlich ist es ein besonderes Spiel für mich, weil ich eine schöne Zeit in Würzburg hatte. Aber es ist natürlich auch Teil des Geschäfts: Wir sind nicht im Fußball, wo es üblicher ist, dass man Vier-, Fünfjahresverträge unterschreibt. Das Basketball-Business ist anders, da wechseln Spieler einfach viel häufiger und schneller. Insofern trifft man natürlich auch häufiger auf ehemalige Klubs.

Sie sagen besonderes Spiel. Ist dann auch die Einstellung oder Motivation besonders oder zumindest anders als sonst?

Richter: Nein, gar nicht. Ich muss außerdem gerade auch ein bisschen auf mich schauen. Ich war jetzt neuneinhalb Wochen komplett raus, weil ein Teil meiner Kniescheibe abgebrochen ist. Ich bin auch erst seit einer Woche wieder im Teamtraining, nutze also jedes einzelne Training, jedes Spiel, um wieder Kondition und Rhythmus aufzubauen. Insofern ist es gerade eigentlich egal, ob es gegen Würzburg geht oder eine andere Mannschaft. Wenn ich jetzt bei 100 Prozent wäre, hätte ich Ihnen vielleicht eine andere Antwort gegeben.

Und was macht inzwischen Ihre Doktorarbeit?

Richter: Ich habe das Physikum, aber das Studium ruht derzeit. Die Doktorarbeit ist immer noch in Arbeit. Ich habe vor, sie diesen Sommer fertigzustellen.

Das haben Sie im Februar vor einem Jahr im Trainingslager der Baskets in Valencia auch schon mal angekündigt . . .

Richter (lacht herzlich): Stimmt, aber diesmal wird's auch was.

Zur Person

Johannes Richter, geboren am 6. Dezember 1993 in Neustadt an der Aisch, begann seine Karriere bei den Franken Hexern aus Nürnberg, bevor der frühere Jugend-Nationalspieler 2010 in den Nachwuchs des damaligen Meisters Bamberg wechselte. Dank einer Doppellizenz spielte er in dessen Farmteam aus Breitengüßbach in der drittklassigen ProB und kam zu Kurzeinsätzen in der Bundesliga. Richter, der inzwischen 189 Bundesligaspiele absolvierte, hat zwei Titel gewonnen: 2012 mit Bamberg die deutsche Meisterschaft, 2016 mit Frankfurt den Europe Cup.
Quelle: tbr

Richter zu Gast im Podcast

Wer noch mehr von Johannes Richter erfahren will, kann sich ab Samstag 0 Uhr Folge 38 des Sport-Rate-Podcasts "And the Winner is Charlie" anhören. Da war Richter kurz nach diesem Interview zu Gast.

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