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Meine Erinnerung an Maradona: "Mit Müller setze ich mich nicht an einen Tisch!"

Diego Maradona und Thomas Müller: Wie Maradona einmal in München über den Bayern-Müller schimpfte. Meine Erinnerung an die argentinische Fußball-Legende.
Diego Armando Maradona nach einem Länderspiel im März 2010 in München. Links der damalige DFB-Pressesprecher Harald Stenger und Nationalspieler Thomas Müller, den Maradona damals nicht erkannte.
Foto: Achim Muth | Diego Armando Maradona nach einem Länderspiel im März 2010 in München. Links der damalige DFB-Pressesprecher Harald Stenger und Nationalspieler Thomas Müller, den Maradona damals nicht erkannte.

Ich habe in meiner Zeit als Sportreporter Diego Armando Maradona mehrmals live erlebt. Leider erst nach seiner aktiven Karriere als Spieler, die wir aber immerhin in den 80er Jahren als Teenager mit oftmals ungläubigem Staunen am Fernseher verfolgt haben. Kollege Peter Ahrens vom "Spiegel" hat gestern zum Tod von Maradona geschrieben, Maradonas Tor zum 2:0 bei der WM 1986 im Viertelfinale gegen England sei schön wie ein Gemälde gewesen. Er hat Recht. Wäre dieser kunstvolle Slalomlauf vorbei an fünf Gegnern auf Öl gebannt, er gehörte golden gerahmt in den Louvre. 

Meine bizarrste Begegnung mit Maradona sicherlich jene im März 2010. Diego war damals Trainer der argentinischen Nationalmannschaft und sollte nach dem Freundschaftsspiel in München gegen die DFB-Elf aufs Podium im Presseraum. Dort aber saß noch ein gewisser Thomas Müller. Es gab ein Wortgefecht, und Maradona machte klar, dass er sich keinesfalls gemeinsam mit diesem Burschen an den Tisch setzen werde. Später sagte er: "Ich wusste nicht, dass das ein Spieler war." Am Ende bilanzierte er: "Wenn Gott es will, werden wir in Südafrika eine gute Rolle spielen. Argentinien kann nach 24 Jahren wieder Weltmeister werden."

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Die Geschichte ist bekannt: Ein paar Monate später, in Kapstadt, lernte Diego Maradona diesen Thomas Müller richtig kennen: Im WM-Viertelfinale schoss der junge Deutsche nach drei Minuten das 1:0. Deutschland siegte 4:0, es war das Ende von Maradonas seltsamer Karriere als Nationaltrainer. Auf der erwähnten Pressekonferenz damals vor über zehn Jahren in München hatte der Weltmeister von 1986 auch noch gesagt: "Ich danke Gott, dass Lionel Messi ein Argentinier ist." Daraufhin meldete sich ein argentinischer Reporter zu Wort: "Wir danken Gott, dass du Argentinier bist, Diego!"

Das allerdings war immer noch nicht die Schlusspointe dieser denkwürdigen Pressekonferenz gewesen. Die setzte der damalige DFB-Pressesprecher Harald Stenger. Der wünschte Maradona zum Abschied "einen guten Rückflug". Diego antwortete, dass es für ihn nicht nach Argentinien, sondern nach Madrid gehe. Darauf Stenger: "Auch dahin werden Sie kaum zu Fuß gehen."

Gestern ist Diego Armando Maradona gestorben. Er wurde nur 60 Jahre alt. Irgendwo habe ich gelesen, Gott hat seine Hand wieder. Ein schönes und irgendwie auch tröstliches Bild. 

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