Würzburg

Würzburg gewinnt in Bamberg: Die Baskets schreiben Geschichte

Im elften Anlauf gelingt es den Basketballern von s.Oliver Würzburg, erstmals bei Brose Bamberg zu gewinnen. Weil sie den Sieg ein Stückchen mehr wollten.
Die Baskets feiern am Dienstagabend mit ihren Anhängern den Derbysieg in Bamberg.
Foto: Heiko Becker | Die Baskets feiern am Dienstagabend mit ihren Anhängern den Derbysieg in Bamberg.

Die Geschichte wäre wirklich außergewöhnlich gewesen: Maurice Stuckey, fünf Jahre lang Publikumsliebling in Würzburg, in seiner zweiten Saison nun in Bamberg angestellt, wo er aber keine große Rolle spielt, erzwingt gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber mit einem Dreier 0,4 Sekunden vor Ertönen der Schlusssirene zumindest die Verlängerung . . . Aber Stuckeys Ball landete am Ring, und so schrieb eben s.Oliver Würzburg am Dienstagabend in der Brose Arena Geschichte: Im elften Anlauf gelang Würzburgs Bundesliga-Basketballern der erste Sieg in Oberfrankens Basketball-Hochburg, und damit ist nun auch die letzte Halle eines Ligarivalen gestürmt.

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"Das war ein sehr wichtiger Sieg. In meinen sechs Jahren in der Bundesliga konnte ich hier noch nie gewinnen. Das ist natürlich ein spezieller Moment für mich", meinte Cameron Wells, abermals die Partie mitentscheidender Spielmacher der Baskets, nach dem 72:69 (35:38)-Erfolg beim fränkischen Rivalen. "Ich denke, wir werden ihn auf der Rückfahrt im Bus noch ein wenig feiern!"

Baskets-Trainer Denis Wucherer ist zufrieden

Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler stand nach dem Ertönen der Schlusssirene an der Bande, lächelte sehr glücklich und sprach: "Wir haben den Sieg heute erzwungen, erkämpft, nie aufgegeben und den Erfolg unbedingt gewollt." Auch wenn er - genauso wie Baskets-Trainer Denis Wucherer - freimütig gestand: "Schön war das heute nicht." Als "sehr guten Schritt, eine Play-off-Mannschaft geschlagen zu haben" bezeichnete Wucherer den unterm Strich dann doch überraschenden Erfolg. "Das wird uns gut tun für unsere nächsten Aufgaben." Nach elftägiger Pause geht es für die Baskets in Gießen (7.12.) weiter.

Wucherer hatte in Bamberg auch gleich eine kleine Überraschung parat: Er sprengte sein bislang gesetztes Anfangsduo Cameron Wells und Skyler Bowlin auf den Guardpositionen in der Startformation und schickte in dessen Geburtsstadt den 20-jährigen Nils Haßfurther zum Sprungball aufs Parkett. Das motivierte den Aufbauspieler gleich derart, dass er nicht nur nach 28 Sekunden mit seinem zweiten Bundesliga-Korb den Punktereigen eröffnete, sondern dann auch noch mit seinem dritten Korb den Neun-Zähler-Lauf der Hausherren stoppte.

Würzburg hat in Bamberg zehn Mal verloren

Dennoch sah sich Wucherer nach knapp vier Minuten und beim Stande von 4:11 bereits gezwungen, die erste Auszeit und drei seiner fünf Starter vom Feld zu nehmen. Was erst einmal nicht sonderlich fruchten sollte. Als Tre' McLean nach acht Minuten einen seiner zwei Freiwürfe versenkte, führten die Gastgeber erstmals zweistellig (17:7). Und es schien früh so, als nehme alles seinen gewohnten Gang, wenn die Baskets in Bamberg gastieren, wo sie alle ihre zehn Bundesliga-Partien meist sehr deutlich verloren hatten.

Dann aber fasste sich mal wieder Cameron Wells ein Herz, nahm das Heft des Handelns in die Hand, machte mal eben sieben Punkte und sorgte maßgeblich für einen 10:0-Lauf der Würzburger, den Bowlin mit einem Freiwurf und Luke Fischer mit einem Korbleger vollendeten. Weshalb die Würzburger lediglich mit zwei Punkten Rückstand (17:19) ins zweite Viertel starteten.

Cameron Wells stoppt Bamberger Lauf

In dem machten die Wucherer-Schützlinge dann erstmal munter so weiter. Bowlin versenkte zwei Dreier, Etou machte fünf Punkte am Stück, und nach knapp vier Minuten des zweiten Abschnitts lagen die Gäste plötzlich mit sechs Zählern in Führung (30:24). Die Partie bezog ihren Unterhaltungswert an diesem Abend auch daraus, dass die Kontrahenten sich zwar nicht unbedingt auf höchstem spielerischen Niveau beharkten - aber sich eben auch keinen Zentimeter des Parketts gönnten.

Also legten dann die Hausherren einen 12:0-Lauf aufs Parkett, den erst erneut Wells gut 100 Sekunden vor der Halbzeit mit einem Sprungwurf zum 32:36 stoppte. Mit drei Zählern Rückstand (35:38) gingen die Würzburger dann in die viertelstündige Verschnaufpause.

Junior Etou behielt an der Freiwurflinie die Nerven und sorgte für den 72:69-Endstand.
Foto: Heiko Becker | Junior Etou behielt an der Freiwurflinie die Nerven und sorgte für den 72:69-Endstand.

In der zweiten Hälfte geizten beide Mannschaften erst einmal mit Körben, und die Bamberger Führung schwankte stets zwischen drei und fünf Punkten - bis nach fünfeinhalb Minuten Bambergs Aufbauspieler Paris Lee Bowlin die Kugel stibitzte und sie zum 57:45 korblegte, Wucherer eine Auszeit nahm und Bamberg dann erst mal auf neun Punkte davonzog (54:45).

Fischer, Rudd und Joshua Obiesie bei seinem sehr engagierten Comeback nach wochenlanger Zwangspause wegen eines doppelten Bänderrisses brachten die Unterfranken bis zum Viertelende wieder auf vier Zähler heran. "Zufrieden" war der 19-Jährige nach seiner Bundesliga-Rückkehr. Und weil Etou und Hulls dann drei ihrer vier Freiwürfe zu Beginn des Schlussviertels versenkten, war die Begegnung wieder völlig offen (57:56).

Im Schlussabschnitt dann konnten sich die Hausherren zwischenzeitlich abermals absetzen, Assem Marei, ägyptischer Nationalspieler, brachte die Bamberger mit acht Zählern in Führung (64:56), und es schien, als sei damit die Partie entschieden. "Aber wir haben uns nie aufgegeben, und darauf können wir durchaus ein bisschen stolz sein", meinte Wucherer, der nicht widersprach, wenn man meinte, die letztjährige Mannschaft hätte das Spiel dann nicht mehr gedreht, sondern sich aufgegeben.

Rudd, Hulls, Bowlin und Etou trafen bei der erneuten Aufholjagd. Cameron Wells - wer sonst? -zog dann 25,1 Sekunden vor Ultimo so energisch zum Korb, dass er sich auch von zwei Bambergern nicht aufhalten ließ und schubste die Kugel zur 70:69-Führung durch den Ring. Als Junior Etou, der kurz zuvor noch zwei Freiwürfe verworfen hatte, dann 6,8 Sekunden vor Schluss zweimal von der Linie traf, war - nach Stuckeys Ringtreffer - der Endstand perfekt.

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