Würzburg

Würzburger Junge: Breunig erarbeitet sich das Traumdebüt

Der in Theilheim aufgewachsene Stürmer erzielt beim 6:0-Sieg der Würzburger Kickers in Großaspach das erste Tor - und beendet damit seine achtmonatige Leidenszeit.
Zwei Stürmer, zwei Tore: Dominic Baumann (links) jubelt mit Maximilian Breunig über sein Tor zum 3:0.
Foto: foto2press/Frank Scheuring | Zwei Stürmer, zwei Tore: Dominic Baumann (links) jubelt mit Maximilian Breunig über sein Tor zum 3:0.

Gegen Ende seiner 54-minütigen Einsatzzeit sei er schon ziemlich auf dem Zahnfleisch gegangen, das muss Maximilian Breunig selbst zugeben. Doch trotz des Eingeständnisses hat der 19-Jährige rund zwölf Stunden nach dem 6:0-Sieg der Würzburger Kickers bei der SG Sonnenhof Großaspach ein Lächeln auf den Lippen - und allen Grund dazu. Sein Treffer zum 1:0 war der Auftakt zum höchsten Drittligasieg in der Geschichte der Würzburger Kickers und zugleich die Krönung seines Startelfdebüts.

Zwar holte Trainer Michael Schiele ("Maxis Tor war der wichtige Dosenöffner") den sichtlich erschöpften Breunig in der 54. Minute vom Rasen - Neuzugang Saliou Sané nahm dessen Platz in der Sturmspitze neben Dominic Baumann ein - doch der 1,93 Meter große Angreifer hatte noch genug Kraft in seinen langen Beinen, um sich bei den rund 400 Kickers-Fans auf der Tribüne zu bedanken. Als der Block dem gebürtigen Würzburger nach dessen Auswechslung huldigte ("Maxi Breunig, du bist der beste Mann"), verließ der vom schwäbischen Nieselregen klitschnasse Breunig nochmals die Bank, um den Anhängern zu applaudieren.

"Gerade als Würzburger Junge ist das schon nochmal was anderes. Es ist ein gutes Gefühl, von den Fans so anerkannt zu werden", sagt Breunig am Morgen nach dem Spiel im Presseraum der Kickers am Dallenberg. "Es ist schön, seinen Traum vom Fußballprofi in der Heimat verwirklichen zu können."

Breunig in Unfall verwickelt

Dass es mit dem FWK der Heimatverein ist, bei dem er sein Profidebüt gibt, erscheint in Anbetracht von Breunigs Geschichte fast schon zweitrangig. Vor rund acht Monaten auf der A9 bei Holledau rückte das Thema Fußball für den 19-Jährigen schlagartig in den Hintergrund. "Die erste Diagnose der Ärzte war, dass ich nicht mehr laufen kann", sagt Breunig. "Das war ein Schlag ins Gesicht."

Es war auf der Autobahn in Richtung Ingolstadt, wo der damals 18-Jährige für die U-19-Bundesliga-Mannschaft und das Regionalliga-Team auf Torjagd ging, als der Fahrer des mit vier Personen besetzten Autos - Breunig inklusive - die Kontrolle über den Pkw verlor. Das Auto krachte gegen die Leitplanke und kippte um, die Insassen mussten ins Krankenhaus transportiert werden. Das war am 12. Mai 2019, nachts um 3.30 Uhr. Ein Startelf-Einsatz bei den Kickers im Februar gehörte in den Tagen nach dem Unfall sicher nicht zu den Gedanken des Theilheimers.  

"Meine erste Frage an die Ärzte war, wann ich denn wieder Fußball spielen kann", erzählt Breunig recht nüchtern. Die noch nüchternere Antwort der Mediziner: Breunig solle froh sein, wenn er sich überhaupt wieder so wie früher bewegen könne. Doch er hat es geschafft. Die ersten Operationen verliefen gut, Breunig bewies Willenskraft und Biss, arbeitete sich aus seiner Verletzung heraus. Nach ersten Ballkontakten im September vergangenen Jahres musste er erneut unters Messer, mit der Mannschaft trainierte er erstmals im Trainingslager in Spanien.

Startelfdebüt gegen Großaspach

Jetzt also gegen den Tabellenvorletzten Großaspach der Einsatz von Beginn an ("Das kam ziemlich überraschend für mich"), und in der 23. Minute das Tor: Nach einem hohen Ball im Strafraum setzte Breunig seinen Körper geschickt ein, brachte sich in Stellung und jagte die Kugel im Fallen unhaltbar für SG-Torwart Reule in die kurze Ecke. "Ich hab nicht lange gefackelt und einfach abgezogen", kommentiert der Stürmer. "Dass er rein ist, war dann natürlich schon geil."

Das Debüt für die Rothosen, die am Montagabend komplett in gelb aufgelaufen waren, war gelungen. "An der Fitness arbeite ich noch, ich brauche noch ein paar Laufeinheiten", sagt der Stürmer, der mit einem Protektor am unteren Rücken gespielt hatte. Doch Breunig hatte bei Schieles 4-4-2 mit Dominic Baumann einen Sturmpartner neben sich, der für den 19-Jährigen mitackerte. "Als er gemerkt hat, dass es bei mir eng wird, ist er den ein oder anderen Weg mehr gegangen."

Nach Breunigs Auswechslung durften die Kickers noch zwei Premieren feiern: Die Neuzugänge Saliou Sané (58.) und Niklas Hoffmann (86.) stellten auf 6:0 für das Schiele-Team, zuvor machten Fabio Kaufmann (24., 50.) und Dominic Baumann (48.) schon klar, in welche Richtung dieses Spiel laufen würde.

Setzt Schiele erneut auf das Duo Baumann und Breunig?

Mit dem FC Ingolstadt kommt am nächsten Sonntag (13 Uhr) Breunigs Ex-Verein an den Dallenberg. Ob der Würzburger dann erneut beginnen wird, steht in den Sternen. Doch der Auftritt in Großaspach hat gezeigt, dass die Doppelspitze funktioniert - und sich Baumann und Breunig gut ergänzen. "'Baumi' geht oft in die Schnittstellen, ich mache eher die Bälle fest. Wir harmonieren sehr gut", sagt der 19-Jährige. Trainer Michael Schiele steht gegen die Oberbayern aber auch wieder der in Großaspach gesperrte Luca Pfeiffer zur Verfügung.

An Motivation würde es Breunig gegen seinen ehemaligen Klub nicht mangeln. "Ich kenne noch viele Spieler, aber auch Betreuer und Trainer. Das Jahr in Ingolstadt war wichtig für mich, sowohl sportlich als auch persönlich." Ein weiteres Tor, zu Hause vor den eigenen Fans, gegen den Tabellenzweiten käme genau nach Breunigs Geschmack. Auch, oder gerade weil die einzige spitz formulierte SMS auf Breunigs dauerklingelnden Smartphone in der Nacht auf Montag von seinem Ex-Verein kam: "Mit dem Hinweis: Nächste Woche bitte nicht so."

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