München

Gastgewerbe in Mainfranken fürchtet um die Existenz

Wie in ganz Bayern bricht auch in der Region der Tourismus im Corona-Jahr 2020 massiv ein. Trotz staatlicher Hilfen sehen die Betriebe ihre Zukunft meist pessimistisch.
Wann die Hotels in Mainfranken wieder öffnen dürfen, bleibt unsicher. Schon jetzt hat die Corona-Krise viele Betriebe in Existenznot gebracht.
Foto: Swen Pförtner, dpa | Wann die Hotels in Mainfranken wieder öffnen dürfen, bleibt unsicher. Schon jetzt hat die Corona-Krise viele Betriebe in Existenznot gebracht.

Jahrelang vom Erfolg verwöhnt, ist der Tourismus in Bayern im Corona-Jahr 2020 schwer unter die Räder gekommen: "Die harte Faktenlage tut sehr weh", klagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Mittwoch.

In Kurzform: Die Zahl der Gästeankünfte hat sich im Vergleich zu 2019 Bayern weit von über 40 auf unter 20 Millionen mehr als halbiert. Die Übernachtungen sanken um gut 40 Prozent – von über 100 auf unter 60 Millionen.

Die Zahl der Gäste aus dem Ausland pulverisierte sich um minus 71,3 Prozent. In den Kurorten sanken die Übernachtungen um knapp ein Drittel. Vergleichsweise gut schnitten noch Campingplätze (- 12,6 Prozent) und Ferienwohnungen (- 16,9 Prozent) ab.

Unterfranken-Tourismus: Etwas besser, als der Bayern-Schnitt

Unterfranken liegt ein wenig besser, als der Bayern-Schnitt – was bei minus 46,6 Prozent bei den Ankünften und minus 38,9 Prozent bei den Übernachtungen nichts besser macht. Würzburg kommt mit exakt noch 448 737 Übernachtungen gar auf ein Minus von 54 Prozent – in Bayern nur noch übertroffen vom Tourismus-Absturz in Nürnberg (-57,8 Prozent) und München (-61,5 Prozent).

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Geringer war der Rückgang etwa in den Landkreisen Rhön-Grabfeld (-29 Prozent) oder Kitzingen (-25 Prozent). Dies spiegle den bundesweiten Trend zum Urlaub in Deutschland und vor allem in ländlichen Zielen wieder, erklärt Christian Seynstahl von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt.

Aiwanger will nun ab Ostern "den Tourismus hochfahren"

"Die bisher kraftstrotzende bayerische Tourismus-Wirtschaft humpelt nur noch auf einem Bein", findet Aiwanger dennoch. Erst im Januar hatte er Hotel-Öffnungen bereits für Mitte Februar in Aussicht gestellt – und sich damit bei Ministerpräsident Markus Söder (CSU) prompt eine blutige Nase geholt. "Richtung Ostern", könne man "den Tourismus hochfahren", verspricht er nun: "Denn so können wir nicht weitermachen."

"Wir können die Gastronomie nicht so lange zu lassen, bis alle pleite sind."
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler)

Dies gelte auch für die Gastronomie, die nach dem neuen Zeitplan des Wirtschaftsministers im März zumindest im Außenbereich wieder starten soll: "Wir können die Gastronomie nicht so lange zu lassen, bis alle pleite sind", warnte er.

Mainfranken: Gastgewerbe "mit dem Rücken zur Wand"

Ein Großteil des Gastgewerbes in Mainfranken stehe bereits jetzt "mit dem Rücken zur Wand", klagt auch IHK-Expertin Elena Fürst. Laut einer aktuelle IHK-Befragung sehen 58 Prozent der Betriebe in der Region eine Insolvenzgefahr, 42 Prozent bezeichnen ihre finanzielle Lage als "existenzbedrohend". Jede Verlängerung des Lockdowns "muss deshalb finanziell ausgeglichen werden", verlangt Angela Inselkammer von Branchenverband Dehoga.

Gastgewerbe: Bayern weit über 771 Millionen Euro Staatshilfe

Mehr als 771 Millionen Euro hat Bayerns Hotellerie und Gastronomie laut Wirtschaftsministerium als staatliche Corona-Hilfe für das Jahr 2020 bekommen. Und die neue "Überbrückungshilfe III" könne ab sofort beantragt werden, berichtete Aiwanger. Was aber fehle, seien eigene bayerische Hilfen, etwa für Brauerei-Gasthöfe oder Ferien-Bauernhöfe, klagt die unterfränkische SPD-Landtagsabgeordnete Martina Fehlner.

Die Tourismusbetriebe in Mainfranken bleiben trotz der staatlichen Hilfen überwiegend pessimistisch: Laut Umfrage rechnen zwei Drittel sogar noch mit einer Verschlechterung der Lage, erklärt IHK-Expertin Fürst: Nicht zuletzt die fehlende Öffnungsperspektive nehme den Betrieben "auf absehbare Zeit jegliche Hoffnung auf Besserung".

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