Redaktionstechnik

Raps-Asphalt: Wieso ein Franke Straßen mit Pflanzenöl bauen will

Durch Rapsöl im Straßenbau erhoffte sich ein Franke vor über 20 Jahren schon mehr Klimaschutz. Warum sein „RapsAsphalt“ trotz guter Eigenschaften ein Nischenprodukt blieb.
Rapsöl kann im Straßenbau eingesetzt werden. Bislang hat sich der Baustoff trotz vieler Vorteile jedoch nicht durchsetzen.
Foto: Thomas Obermeier | Rapsöl kann im Straßenbau eingesetzt werden. Bislang hat sich der Baustoff trotz vieler Vorteile jedoch nicht durchsetzen.

Das westliche Mittelfranken ist überwiegend ländlich geprägt. Kleine Landstraßen schlängeln sich durch das Taubertal, Äcker wechseln sich mit Wäldern ab. Die A7 und die B13 durchziehen den westlichen Landkreis Ansbach, die restlichen Straßen sind kleine Nebenstraßen. Viel Potenzial für mehr Klimaschutz, findet Klaus Geuder. In Neusitz bei Rothenburg hat seine Straßenbaufirma ihr Büro. Hier in der Umgebung hat Geuder schon mehrere Straßen gebaut und saniert. Viele davon auch mit sogenannten Raps-Bitumenemulsionen, von Geuder als „RapsAsphalt“ vermarktet.

Vor 20 Jahren brachte der Mittelfranke die Idee, Asphalt mit Zugabe von Rapsöl herzustellen, aus Österreich nach Deutschland und gründete die „Arbeitsgemeinschaft RapsAsphalt“. Seitdem setzt er sich für mehr Nachhaltigkeit im Straßenbau ein. Bislang mit gemischtem Erfolg: „Die Gemeinden als Straßenbaulastträger schauen oft nur auf den Preis. Und wenn man dann mit seinem Produkt ein bisschen teurer ist, dann ist der Umweltgedanke oft dahin“, sagt Geuder.

Er zeigt eine kleine Gemeindeverbindungsstraße, die er mit seiner Firma im vergangenen Jahr mit Rapsasphalt saniert hat. Der Farbton ist etwas heller als das satte Schwarz, das man sonst von Asphalt kennt, ansonsten ist für den Laien kein Unterschied erkennbar. Die Oberflächenbehandlung, die Geuder hier durchführte, ist das bislang einzige Anwendungsgebiet für Asphalt mit Rapsöl-Anteil. „Bei einer Oberflächenbehandlung wird auf die beschädigte Straßendecke nochmal eine Asphaltschicht aufgebracht“, erklärt Geuder. „In diesem Fall aus RapsAsphalt.“

Der Unterschied zum normalen Asphalt sei deutlich, sagt Dr. Bettina Fink vom Centralen Agrar-Rohstoff Marketing- und Energienetzwerk e.V., kurz C.A.R.M.E.N. Die in Straubing sitzende Koordinierungsstelle für Nachwachsende Rohstoffe wurde 1992 vom Freistaat Bayern gegründet.  „Asphalt ist grundsätzlich erstmal eine Mischung aus Bitumen und Gestein. Bitumen ist ein Produkt, das bei der Erdöldestillation entsteht“, erklärt die Diplom-Chemikerin, die seit 20 Jahren mit Fink zusammenarbeitet. „RapsAsphalt ist der Markenname für eine Bitumenemulsion." Die bestehe zu 30 Prozent aus Wasser und zu 70 Prozent aus Bitumen, erklärt Fink. "Und von diesem Bitumenanteil werden beim Rapsasphalt bis zu fünf Prozent durch natives Rapsöl ersetzt.“

Bessere bauliche Eigenschaften durch Rapsöl

2004 gab Geuder bei der TU München eine Studie zu den baulichen Eigenschaften seines Raps-Asphalts in Auftrag. Das Ergebnis: Durch das Rapsöl wird der Asphalt schneller fest, kann also früher befahren werden und hält etwa 20 Prozent länger als herkömmliche Verfahren. Eine Oberflächenbehandlung halte normalerweise etwa acht Jahre, sagt Fink. Bei Raps-Bitumenemulsionen seien es zehn Jahre oder mehr. Die Chemikerin begleitete die Studie damals:  „Das Rapsöl wirkt im Bitumen als Fluxmittel und verharzt durch den Einfluss von Sauerstoff und Licht.“ Dadurch verklebe das Bitumen besser mit dem Gestein, der Asphalt verfestige sich schneller, werde vier Mal so hart - "und ist alterungsbeständiger“.

Hier wird der Asphalt aufgebracht, der mit Rapsöl hergestellt wurde.
Foto: Geuder Straßenunterhalt GmbH | Hier wird der Asphalt aufgebracht, der mit Rapsöl hergestellt wurde.

Ein Anteil von drei bis fünf Prozent Rapsöl in der Bitumenemulsion klinge zwar wenig, habe aber eine große umwelttechnische Wirkung, sagt Geuder. Die Arbeitsgemeinschaft "RapsAsphalt" ließ vor sechs Jahren einen offiziellen "Carbon Footprint", einen CO2-Fußabdruck, bei der FutureCamp Climate GmbH anfertigen. Demnach spare eine Oberflächenbehandlung mit der Raps-Bitumenemulsion bei zwölf Jahren Nutzungsdauer pro Jahr mehr als 20 Prozent CO2 gegenüber einer konventionellen Oberflächenbehandlung ein.

Das Anwendungsgebiet seines RapsAsphalts sei aber beschränkt, sagt Geuder. Denn er sei anfällig gegenüber hoher Verkehrsbelastung: „Oberflächenbehandlungen mit Raps-Bitumenemulsionen werden überwiegend auf niederrangigen Straßen als Erhaltungsmaßnahme angewendet" - vor allem also auf Staatsstraßen, Kreisstraßen, Gemeindestraßen oder Flurwegen. "Nicht geeignet ist RapsAsphalt auf Autobahnen, Bundesstraßen oder Straßen mit einer hohen Verkehrsbelastung“, sagt Geuder.

Diese kleineren Straßen machten deutschlandweit aber den weit größeren Anteil aus, sagt der Inhaber der Straßenunterhalt-Firma. Derzeit verlaufen in Deutschland etwa 230.000 Kilometer qualifizierte Straßen wie Autobahnen und Bundesstraßen. Demgegenüber stehen mehr als 400.000 Kilometer niederrangige Straßen. Ein großes potenzielles Anwendungsfeld für Rapsasphalt.

Kritik am Rapsöl im Asphalt

Auf staatlicher Seite zeigt man sich Raps-Bitumenemulsionen gegenüber allerdings skeptisch: Es brauche erkennbare Umweltvorteile gegenüber konventionellen Verfahren, erklärt das Umweltbundesamt auf Nachfrage. Grundsätzlich sehe man den Anbau von Raps zu Zwecken abseits der Ernährung kritisch. Das Umweltbundesamt verweist auf eine Studie aus der Schweiz aus dem Jahr 2015. Demnach hätten sogenannte biogene Öle, wie Rapsöl, im Straßenbau keine signifikanten Umweltvorteile gegenüber herkömmlichen Bindemitteln.

Ein Blick in die betreffende Studie zeigt ein differenziertes Bild: Biogene Öle wie Rapsöl haben demnach positive Auswirkungen auf Klima und Ressourcenverbrauch. Dafür gebe es Nachteile durch Überdüngung und Versauerung der Böden. In Summe seien die Umweltauswirkungen vergleichbar mit herkömmlichen Verfahren, teilweise sogar höher. Die Autoren der Studie sehen in den biogenen Ölen grundsätzlich Potenzial, aber auch noch viel Forschungsbedarf.

Asphalt mit Raps eignet sich vor allem für weniger stark befahrene Straßen.
Foto: Geuder Straßenunterhalt GmbH | Asphalt mit Raps eignet sich vor allem für weniger stark befahrene Straßen.

Bettina Fink von C.A.R.M.E.N. sieht im Anbau indes kein Problem: „Im Jahr 2019 wurden 900.000 Hektar Raps in Deutschland angebaut. Würden wir jetzt auf allen Straßen, wo es möglich ist, Rapsasphalt verwenden, kämen wir auf etwa 10.000 Hektar Rapsfeld, die wir dafür benötigen würden, also etwa ein Prozent des Rapsanbaus in Deutschland.“ Für den Flächenverbrauch von Rapsasphalt gilt laut Fink die Daumenregel: ein Quadratmeter Rapsfeld entspricht etwa einem Quadratmeter Straße.

Klaus Geuder hofft, dass die aktuelle Klimadebatte sich auch im Straßenbau auswirkt: „Es gibt in diesem Bereich noch so viele Möglichkeiten für Nachhaltigkeit. Aber auf staatlicher Seite ist das Interesse leider oft nicht genügend vorhanden.“ 

Serie Bioökonomie

Dieser Artikel ist Teil der Serie Bioökonomie, die in loser Reihenfolge erscheint. Beteiligt sind rund 200 Studierende der Universität Würzburg, der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und der Macromedia-Hochschule Köln. Alle Texte finden Sie unter: www.mainpost.de/bioökonomie
Das Projekt findet im Rahmen des "Wissenschaftsjahres 2020/21" statt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Eine Multimediareportage der Studierenden finden Sie unter www.bioökonomie.info. Weitere Informationen gibt es unter www.wissenschaftsjahr.de.
 
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