Würzburg

Interview: Vom Kino- und TV-Set auf die Theaterbühne in Würzburg – wie fühlt sich das an, Raban Bieling?

Der Schauspieler, bekannt aus "Die wilden Kerle", und der ZDF-Reihe "Lena Lorenz", ist seit dieser Spielzeit Mitglied im Ensemble des Mainfranken Theaters. Eine Umstellung?
Raban Bieling in 'Sehnsuchtswild'.
Foto: Thomas Obermeier | Raban Bieling in "Sehnsuchtswild".

Raban Bieling, heute 29, wurde als Kinderstar bekannt mit der Kinoreihe "Die wilden Kerle" oder mit "Es ist ein Elch entsprungen". Hinzu kamen Fernsehproduktionen wie "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" oder "Schwarzwaldkrimi". In der Heimatfilm-Reihe "Lena Lorenz" des ZDF ist er seit 2015 als Jungbauer Basti zu sehen. Seit dieser Spielzeit ist Raban Bieling außerdem Mitglied im Schauspielensemble des Mainfranken Theaters, wo er sein Debüt in der Chanson-Produktion "Sehnsuchtswild" gab. Wie fühlt es sich an, auf der Theaterbühne zu stehen, statt vor der Kamera? Ein Interview.

Was war zuerst da, die Liebe zum Film oder die Liebe zum Theater?

Raban Bieling: Die Liebe zum Film.

Was war das erste Theaterstück, in dem Sie gespielt haben?

Bieling: Das war in Berlin in der "Brotfabrik" am Märkischen Museum, eine freie Produktion, die mir damals bei meinem Liebeskummer geholfen hat. Ich war Anfang/Mitte 20 und lebte und studierte in Berlin. Eine Kommilitonin wusste, dass ich beim Film spiele, und fragte, ob ich nicht auch auf die Bühne möchte.

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Wie war bis dahin Ihr Verhältnis zum Theater?

Bieling: Ich habe eigentlich erst in Berlin angefangen, richtig Theaterstücke zu schauen. Davor war ich nur halb theateraffin.

Wie anders als Film ist Theater?

Bieling: Sehr anders. Beim Film arbeiten wir eher mit dem Skalpell, beim Theater mit der Axt oder der Kettensäge.

Sie hatten also Lust auf ein bisschen Axt?

Bieling: Ja! Das Bühnenschauspiel ist eine sehr hohe Kunst.

"Ich wollte aber vor allem etwas lernen, was ich noch nicht kann. Und das habe ich hoffentlich auch."
Raban Bieling über sein Schauspielstudium
Sie haben ja Schauspiel studiert, nachdem Sie schon längst Kinorollen gespielt hatten. Mussten Sie alles neu lernen?

Bieling: Ich kenne Menschen, die sich das auch selbst beibringen konnten. Mir persönlich fiel das eher schwer. Ich wollte aber vor allem etwas lernen, was ich noch nicht kann. Und das habe ich hoffentlich auch.

Was war es, was Sie noch nicht konnten, als Sie ins Theaterspielen einstiegen?

Bieling: Die Dinge nicht dem Zufall zu überlassen beim Spielen. Professionell Situationen herstellen, ändern, lösen.

'Es ist ein Elch entsprungen', 2005: Raban Bieling als Bertil.
Foto: Buena Vista | "Es ist ein Elch entsprungen", 2005: Raban Bieling als Bertil.
Das ist beim Film anders?

Bieling: Nicht wirklich. Aber es ist sprachlastiger, nicht so körperlich. Die Bühne ist groß, der Kameraausschnitt dagegen relativ klein. Man kann durch kleinste Sachen Wirkung erzielen, auf der Bühne braucht man dafür sehr viel Energie.

Im Film darf man nuscheln, das geht im Theater nicht. Muss man da innerlich einen Schalter umlegen?

Bieling: Ja, definitiv. Ich persönlich muss auf der Bühne dreifach Kraft geben.

Wie war der Einstieg - von der glamourösen Filmwelt in eine Stadt, die manche vielleicht als Provinz bezeichnen würden?

Bieling: Der Einstieg war toll. Es arbeiten tolle Menschen an diesem Theater, interessante, professionelle Schauspieler und Schauspielerinnen. Auch wenn Würzburg keine Metropole ist – das städtische Rampenlicht ist ja oft nicht das Interessanteste. Ich bin gerne in kleineren Orten, weil da manchmal auch mehr Freiheit ist. Wenn nicht so viel gesellschaftliche Aufmerksamkeit da ist, können andere Sachen entstehen, interessantere Sachen. 

"14 Leute können auch sehr anstrengend sein, aber es sind sehr herzliche Menschen, mit denen man gerne Zeit verbringt."
Raban Bieling über die Arbeit im Ensemble
Beim Fernsehen wird man gerne auf Typen festgelegt - da bleibt man dann eine Karriere lang der Sympathische oder der Fiese. Ist das Theater für Sie eine Chance, auch mal was richtig Abgründiges zu spielen?

Bieling: Ja, definitiv! Beim Film bekommt man viel leichter einen Stempel aufgedrückt als beim Theater. Und ich wünsche mir, dass das Theater das auch ein bisschen drehen kann.

Von welchen Rollen würden Sie denn träumen?

Bieling: Ich habe da keine speziellen Rollen, aber ich mag schon abgründige Figuren. Einer meiner Kindheitsträume waren Joker-Rollen. Gesellschaftskritische Typen, die aber keine Haudrauf-Figuren sind. In heutigen Zeiten kann man dabei, glaube ich, sehr viel lernen. Wenn man das Böse kennt, um dann das Gute zu fördern.

Und wenn Sie doch eine bestimmte Rolle benennen müssten – Shakespeare, Schiller oder modern?

Bieling: Ich lese mich gerade in russische Literatur ein, die finde ich sehr interessant. Es gibt ein Stück von Alexander Ostrowski, das heißt "Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste". Die Rolle ist Glumow, ein Satiriker, der sein Leben nicht so ganz in der Hand hat. Das würde mir als erstes einfallen.

'Sehnsuchtswild': Raban Bieling und Hannes Berg, im Hintergrund Deborah Barbieri und Julia Baukus.
Foto: Thomas Obermeier | "Sehnsuchtswild": Raban Bieling und Hannes Berg, im Hintergrund Deborah Barbieri und Julia Baukus.
Das Stück "Sehnsuchtswild", in dem Sie hier einsteigen, müsste eigentlich der Idealfall sein: Das ganze Ensemble ist dabei, Sie lernen alle kennen. In Corona-Zeiten hätten Sie dafür Jahre gebraucht.

Bieling: Hinzu kommt, dass der Bau ja immer noch nicht fertig ist. Normalerweise spielen sich die Begegnungen ja immer im Theater ab. Das Stück hier habe ich sehr genossen. 14 Leute können auch sehr anstrengend sein, aber es sind sehr herzliche Menschen, mit denen man gerne Zeit verbringt.

Sie können jetzt gar nichts anderes sagen, aber man hat schon den Eindruck, als sei das Ensemble auf der Bühne zu einem richtigen Team zusammengewachsen, oder?

Bieling: Ja, auf jeden Fall.

Haben Sie früher schon mal öffentlich gesungen?

Bieling: Nein, nur unfreiwillig (lacht). Das ist mein erstes Mal - aber warum nicht, wenn man Leuten damit Freude machen kann? Ich bin jedes Mal sehr aufgeregt vorher, aber das ist ein gutes Zeichen, weil es dann auch etwas kostet. 

Haben Sie immer Lampenfieber?

Bieling: Prinzipiell ja. Ich hatte wenige Vorstellungen, in die ich nicht aufgeregt reingegangen bin. Und meistens ist das dann ja auch kein gutes Zeichen. Wenn man aufgeregt ist, riskiert man etwas, das auch schiefgehen kann. Das ist der Deal. Wenn's dann gut läuft, umso schöner.

Die nächsten Vorstellungen von "Sehnsuchtswild": 20. November, 13. Dezember, 3. und 22. Januar. Karten: Theaterkasse im Falkenhaus (Di.-Sa. 10-15 Uhr), Tel. (0931)  3908-124, karten@mainfrankentheater.de

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