Würzburg

Blick in eine ländliche Idylle

Nabucco im Mainfranken Theater       -  Marie Jacquot leitete das „Pastorale“-Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Würzburg.
Foto: Daniel Peter | Marie Jacquot leitete das „Pastorale“-Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Würzburg.

An Zartheit kaum zu übertreffen, hoben die Ersten und Zweiten Violinen des Philharmonischen Orchesters Würzburg zu singen an. Eine kurze einstimmige Melodie folgte den Versen des Psalmtextes, jeweils unterbrochen von Generalpausen, die kleinen Atempausen glichen. Betonte und unbetonte Silben bildeten diesen atmenden Organismus, der durch alle Stimmen lief, sich hier und dort wiederholte. Arvo Pärts Miniatur „Psalom op. 4“ zeigte in großartiger Manier, wie wenig es für ein inniges Glücksgefühl doch bedarf. Das Ende entschwand in Stille. Der Hörer konnte für sich die Melodie ins Unendliche fortdenken.

Derart in Aufmerksamkeit und Behutsamkeit gerüstet, war es für das Orchester ein Leichtes, das Jubeln von Wolfgang Amadeus Mozarts Motette „Exsultate, jubilate KV 165“ in das Kirchenschiff der Würzburger Johanniskirche zu tragen. In feiner Zurückhaltung initiierte Marie Jacquot beim Orchester die innigen Stimmungen, die der Text andeutet. Da ist von süßen Liedern die Rede, vom Leuchten des Tages und von der glücklichen Morgenröte.

Es war ein großes Vergnügen, der Sopranistin Akiho Tsujii beim Jauchzen und Jubeln zuzusehen und vor allem zuzuhören. Auch im mittleren Stimmregister mit einem warmen Timbre gesegnet, schwang sie sich mühelos in delikate Höhen empor und erfreute mit atemberaubenden Koloraturen. Duftig leicht jubilierten Solistin und Orchester das abschließende Alleluja.

Beethovens „Pastorale“

Mit Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 6 F-Dur schließlich wurde ein finaler Höhepunkt gesetzt, war ein dramatischer Programmaufbau gelungen. „Natur pur“ könnte ein modernes Motto für die sogenannte „Pastorale“ lauten. Mit den positiven Stimmungen, die die Partitur schreibt, kann sich auch der heutige Mensch identifizieren. Das Leben auf dem Land in freier Natur feiert fröhliche Urständ.

Wer kann, leistet sich ein Domizil auf dem Lande, dort genießt man die Nähe zum Ursprünglichen. Dergestalt ist es ein Leichtes, Beethovens „heiteren Empfindungen“ im Konzert nachzuspüren, den Bach murmeln zu hören, den Vogelstimmen und dem Hirtengesang nachzusinnen und sich dabei von der Last des Alltags befreit zu fühlen.

Geradezu mit ungestümer Lust feuerte Marie Jacquot das Orchester zu Donnergrollen und Gewitterblitzen an. Ebenso gelangen ihr die fast kindlichen Bauerntänze und Schäferspiele. Großartig jubelten die Soloholzbläser als Wachtel, Nachtigall und Kuckuck.

Die Bildeindrücke sprudelten in einem fort, Beethoven zogen gleichsam einen Vorhang auf und erlaubten den Blick in eine Idyllische Welt auf auf. Das Philharmonische Orchester schaffte den Spagat zwischen Innigkeit und Kitsch, baute ein stets filigranes Klangvolumen auf, das an keiner Stelle zur Opulenz kippte. Langer und dankbarer Applaus am Ende.

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