Würzburg

Corona-Absagen: Verbraucher müssen sich mit Gutscheinen begnügen

Nachdem Schwimmbäder geschlossen und Konzerte abgesagt wurden, bleiben viele Kunden auf ihren Tickets sitzen. Jetzt steht fest: Geld gibt es vorerst keines zurück.
Taubertal Festival 2019. Die Ausgabe 2020 ist, wie unzählige andere Veranstaltungen, abgesagt. Laut aktueller Gesetzeslage sollen Kunden, die bereits Tickets gekauft haben, Gutscheine bekommen.
Foto: Fabian Gebert | Taubertal Festival 2019. Die Ausgabe 2020 ist, wie unzählige andere Veranstaltungen, abgesagt. Laut aktueller Gesetzeslage sollen Kunden, die bereits Tickets gekauft haben, Gutscheine bekommen.

Auf viele schöne Momente muss dieses Jahr verzichtet werden. Festivals wurden abgesagt, Konzerte verlegt. Theaterbühnen bleiben leer, die Kinoleinwand schwarz. Vor diesem Hintergrund haben Bundestag und Bundesrat beschlossen: Bei Veranstaltungsabsagen und geschlossenen Freizeiteinrichtungen gibt es vorerst kein Geld zurück. Stattdessen sollen Kunden ihr bereits bezahltes Ticket gegen einen Wertgutschein eintauschen können.

Die Regelung soll beispielsweise Veranstaltern, die bereits in Vorkasse gegangen sind, ermöglichen, die kommenden Monate zu überbrücken. Müssten alle Tickets auf einmal ausbezahlt werden, drohe vielen der Kultur- und Freizeitunternehmen die Insolvenz – so zumindest der Gedanke der Politik. Doch was steckt im Detail hinter der Gutscheinlösung? Können Kunden trotzdem auf eine Erstattung bestehen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum war eine Gesetzesänderung notwendig?

Bisher hatten Verbraucher lauf Bundesregierung die Möglichkeit, die Erstattung des Eintrittspreises zu verlangen, wenn ein Museum, Sportstudio oder Freizeitpark wegen des Coronavirus schließen oder eine Veranstaltung abgesagt oder verschoben werden müsste. Dieses Recht wurde nun eingeschränkt. Ein Anspruch auf Erstattung besteht nicht mehr. Trotzdem lohnt es sich, genau nachzufragen: Einige Veranstalter – wie das Würzburger Mozartfest oder der Kissinger Sommer – haben bereits angekündigt, dass sie von der Gutscheinlösung keinen Gebrauch machen wollen.

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Für welche Veranstaltungen gilt die neue Regelung?

Die Gutscheinlösung gilt für Tickets, Abonnements, Saison- und Dauerkarten, die vor dem 8. März gekauft wurden. Laut dem Gesetzentwurf sind dabei alle "Musik-, Kultur-, Sport- oder sonstigen Freizeitveranstaltungen" umfasst, die aufgrund der Corona-Beschränkungen ausfallen oder verschoben werden müssen. Konkret werden Konzerte, Festivals, Theatervorstellungen, Lesungen, Filmvorführungen und Sportwettkämpfe genannt. Die Verbraucherzentrale rechnet damit, dass wegen der Formulierung "sonstige Freizeitveranstaltung" mehr oder wenige "sämtliche kostenpflichtige Veranstaltungen" unter die neue Regelung fallen. 

Was ist mit Dauerkarten und Abonnements?

Die Gutscheinlösung gilt auch für Veranstaltungen, die an mehreren Terminen stattfinden – beispielsweise Dauerkarten für Sportstadien, Sprach- oder Musikkurse. Auch Kunden, die für Freizeiteinrichtungen wie etwa Schwimmbäder, Sportstudios, Tierparks oder Museen eine Monats-, Saison- oder Jahreskarte gekauft haben, müssen sich nun mit einem Gutschein begnügen. Der Wert wird anteilig anhand der Monate errechnet, in denen die Einrichtung geschlossen war. Bei Veranstaltungen muss der Gutschein neben dem Eintrittspreis auch die Vorverkaufsgebühr umfassen.

Auch für Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder (hier das Silvana in Schweinfurt), Tierparks, Museen oder Sportstudios gilt die neue Gutscheinregelung.
Foto: Berthold Diem | Auch für Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder (hier das Silvana in Schweinfurt), Tierparks, Museen oder Sportstudios gilt die neue Gutscheinregelung.
Was bedeutet "Härtefallklausel"?

Union und SPD haben im Gesetzentwurf eine Ausnahme formuliert: Kunden, für die ein Gutschein aufgrund "persönlicher Lebensumstände unzumutbar" ist, können weiterhin eine Erstattung verlangen. Das soll Menschen helfen, die wegen der Coronakrise selbst in finanzielle Not geraten sind. Zusätzlich kann jeder, der seinen Gutschein bis Ende 2021 nicht einlöst, diesen zurückgeben. Das Geld gibt es dann auch zurück.

An wen muss ich mich wenden?

Die Gutscheine werden grundsätzlich nicht automatisch ausgestellt. Im Kulturbereich ist zu erwarten, dass viele Veranstalter Ticketdienstleister wie Eventim oder Reservix mit der Rückabwicklung beauftragen. Am besten kontaktiert man deshalb zunächst den Online-Händler oder die Vorverkaufsstelle, wo man das Ticket gekauft hat. Dabei sollten Verbraucher im Hinterkopf behalten, dass Vertragspartner in der Regel der Veranstalter ist. Eventim und Reservix oder lokale Vorverkaufsstellen wie der Main-Ticket-Service sind lediglich Vermittler. Bei Schwimmbädern, Museen und Sportstudios sollte man sich direkt an die Einrichtung wenden.

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Wofür kann der Gutschein eingelöst werden?

Für viele geplatzte Veranstaltungen werden gerade Nachholtermine organisiert. Ansonsten steht es dem Verbraucher frei, mit dem Gutschein auch andere Angebote und Events des Veranstalters oder der jeweiligen Einrichtung zu nutzen. Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass Tickets für nachgeholte Konzerte möglicherweise teurer werden und die Verbraucher dann entsprechend draufzahlen müssten.

Wie fielen die Reaktionen ansonsten aus?

Der Deutsche Kulturrat bezeichnete die Regelung schon vorab als "notwendige Reaktion in der Krise". Es gehe darum, Theater-, Konzert- und Festivalveranstalter vor der Insolvenz zu schützen. FDP und Linke kritisierten dagegen, dass die Kunden de facto gezwungen werden, den Veranstaltern zinsfreie Kredite zu gewähren. Im Gesetzgebungsprozess hatte sich deshalb auch die Verbraucherzentrale für eine Lösung auf freiwilliger Basis eingesetzt. 

Mit Informationen von dpa

Kultur und Freizeit in Zeiten des Coronavirus

Das Kultur- und Freizeitleben nimmt in Bayern nur sehr langsam wieder Fahrt auf. Zwar haben Tiergärten, Museen und Bibliotheken unter strengen Auflagen seit dem 11. Mai wieder geöffnet, doch den Veranstaltern von Konzerten und Festivals stehen weitere schwierige Monate bevor. Bis Ende August sind Großveranstaltungen in Bayern tabu. "Sowas wie ein Rockkonzert ist nach allen menschlichen Erfahrungen eher in späteren Zeitachsen zu sehen", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Anfang Mai. Dagegen können Kinos und Theater möglicherweise schon früher wieder Besucher empfangen. Das sieht zumindest ein aktuelles Konzept der Kulturminister der Länder vor. Die Vorschläge sollen diskutiert werden, wenn sich die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten das nächste Mal treffen.
Quelle: Eigene Recherche, dpa
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