Würzburg

Die Projektile des Teufels

"The Black Rider" ist Magie-Theater. Passt gut in den Rathaushof. Dort führt das Mainfranken Theater das Musical auf.
Cedric von Borries als teuflischer Schütze in 'The Black Rider'. Das Mainfranken Theater führt das Musical im Würzburger Rathaushof auf.
Foto: THOMAS OBERMEIER | Cedric von Borries als teuflischer Schütze in "The Black Rider". Das Mainfranken Theater führt das Musical im Würzburger Rathaushof auf.

Im kleinen Würzburger Rathaushof, in der neuerdings überdachten Behr-Halle, übernahm das Mainfranken Theater eine Tradition Würzburger Privatbühnen: das Sommertheater. Start war am Donnerstag mit „The Black Rider“, dem 30 Jahre jungen "Freischütz"-Musical des ungleichen Trios Tom Waits, Robert Wilson und William S. Borroughs..

Im Singspiel leicht nachvollziehbar folgendes: Städter verliebt sich in Försterstochter, kann aber nicht schießen. Der Teufel schenkt ihm Immer-Treff-Munition, der Schreiberling aus der Großstadt gewinnt durch Jagdglück auch die Herzen der Schwiegereltern. Jetzt ist er süchtig (Borroughs lässt grüßen) und geht mit diesen Freikugeln sogar auf die Pirsch, obwohl er weiß, dass der Teufel wahrscheinlich ein Projektil auf die Verlobte lenken wird.

Diese Handlung wird von einfachen Versen getragen und kommentiert: „Das Gewehr ist unsere Butter“, heißt es da volkspoetisch und dadaistisch zugleich und: „Er lief in geborgten Knochen herum.“ Auf deutsche Rezitative folgen gelegentlich ein paar Fetzen aus dem Original. Die Songtexte bleiben englisch. Das ist alles modern, ist Kunst und Unterhaltung, idealer Stoff für ein Sommertheater mitten in der historischen Altstadt. Schon die Privatbühnen, die hier den früher so genannten - weil so bewachsenen – Efeuhof bespielten, profitierten von den Touristen.

Puppenhaft

Co-Autor Robert Wilson selbst macht Magie-Theater mit extrem artifizell agierenden Figuren. Mainfranken-Theater-Regisseur Tim Egloff und Kostümbildnerin Nicole Zielke übernahmen diese Ästhetik ohne Übertreibungen. Sie ließen den sieben Schauspielern so viel Freiraum, dass jede und jeder die Puppenhaftigkeit individuell ausfüllen konnte. Martin Liema als Förster gab jeder Szene den Touch einer Max-Ernst-Collage, Julia Baukus legte so viel Anmut in ihre Tochterrolle, dass sie schon wieder künstlich wirkte. Man zog alle mimischen und choreografischen Tricks.

Und man sang. Allen vorweg Cedric von Borries als Schreiber Wilhelm, dessen Tenor die Hörer unmittelbar emotional packte. Er hat in den drei Jahren nach Abschluss seines Schauspielstudiums schon öfter bei den Kollegen vom Musiktheater mitgewirkt. Aber das ganze „Black Rider“-Ensemble gestaltet diesen Abend gekonnt, unterstützt von einem eigens gegründeten Kleinst-Orchester.

Vor der Pause klammern sich die Sängerinnen und Sänger ein bisschen zu eng an die Notenwerte, die Waits als mitfühlender Kurt Weill für Arme komponierte. Der zweite Teil funktioniert rhythmisch spannender und, weil der Plot jetzt implodiert, insgesamt freier. Deswegen durfte Maria Brendel, die Würzburger Freikugel-Teufelin, am Ende auch noch mal den Begrüßungssong bringen: Das Premierenpublikum hatte sich eine Zugabe erklatscht.

Nächste Vorstellungen: 28. Mai, 5., 13. Juni. Vorverkauf: (0931) 3908-124

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