Würzburg

Siebold-Museum ermöglicht sinnlichen Kontakt mit dem Fremden

Das Würzburger Museum zeigt unter dem Titel "Lebendige Handwerkstradition Japans" textile Arbeiten und Masken. Und lädt ein, das Fremde auch als solches zu akzeptieren.
Miyoko Yoshiya möchte mit "Fukushima" zeigen, dass der Katastrophenort weiterhin eine grüne Landschaft ist.
Foto: Joachim Fildhaut | Miyoko Yoshiya möchte mit "Fukushima" zeigen, dass der Katastrophenort weiterhin eine grüne Landschaft ist.

Noch bis zum 28. Juli ermöglicht das Würzburger Siebold-Museum seinen deutschen Besuchern einen unmittelbaren, sinnlichen Kontakt mit einer fremden Kultur. Man geht in wahrstem Sinn auf Tuchfühlung mit den Exponaten von Miyoko Yoshiya, und trotzdem bleiben ihre textilen Exponate rätselhaft. Zumindest fällt es dem Europäer ohne japanologische Bildung schwer, angesichts der Stoffe auszurufen: Ach so, na klar!

Es ist eine wichtige Lektion, das Fremde auch als solches zu akzeptieren. Gleich im ersten Ausstellungssaal geht man auf eine dreiteilige Stoffbahn zu, die wie ein Vorhang vor die Frage fällt: Was ist da passiert? Wozu soll das dienen? Oder wenigstens: Wie wurde das gemacht? Die Antwort auf die letzte Frage lässt sich mit eigenen Augen finden: Hier wurde Seide bedruckt und zusammen mit farbiger Wolle an regelmäßig verteilten kleinen Stellen verfilzt, aber auch zerschnitten, eventuell gebatikt, offenbar jeder Quadratzentimeter individuell mehrere Meter lang. Falls das herabwallende Objekt kein Heimtextil ist, sondern Rohstoff, dann taugt er für den Einsatz in extrem hoher Haute Couture auf der Haut von extrem teuren Fotomodellen.

Vom Gebrauchsobjekt direkt zum Kunstgegenstand

Und das Schöne ist: Die zwei großformatigen Werke von Miyoko Yoshiya zeigen so deutlich ihre Einzigartigkeit, dass sie vom Gebrauchsobjekt direkt zum Kunstgegenstand überspringen – unter Vermeidung der zwielichtigen Sphäre namens Kunsthandwerk. In einer Vitrine liegen zudem ausdrucksvoll gezackte so genannte Halstücher, eher Ketten als irgendwie wärmende Bekleidungsstücke. Auch die eher ein Fall für die langen Hälse der Mannequins.

Schon die wenigen Exponate im Hauptsaal stoßen die Gedanken des Betrachters an. Sie machen auch deswegen einen gesteigerten visuellen Eindruck, weil die 40 leeren Augen von No-Theater-Masken sie umstarren. Gebaut hat sie Hideta Kitazawa. Auch dies eine Möglichkeit, dem Exotischen zu begegnen und sich in eine sehr andersartige Kultur zu vertiefen. Beide Künstler zusammen hängen in dem kleinen Würzburger Ostasien-Museum unter dem gemeinsamen Titel "Lebendige Handwerkstradition Japans".

Ein Hauch von Japan

Im Kabinett rechts hinten geht die Ausstellung rein textil weiter. Außer dem zweiten deckenhohen Wandobjekt enthält dies das Werk "Wind", 132 quadratische Seidenläppchen von weniger als zehn Zentimetern Seitenlänge in den Farben Pink, Türkis und Weiß, bedruckt und bebatikt in der Grundfarbe des jeweiligen Seidenstücks mit Ausschnitten von geometrischen Figuren oder Mustern. Sie werfen Schatten an die Wand, auf der sie in zwei Zentimetern Abstand mit Stecknadeln aufgehängt sind, und bewegen sich im Atem des wissbegierigen Betrachters. Die Exponatbeschriftung lautet: "Es wäre ihr eine große Freude, wenn sich dem Besucher in ihren Arbeiten ein Hauch von Japan mitteilt…" 

Bis 28. Juli, Di.-So. 14.30-17.30 Uhr

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